Samstag, 18. Mai 2013

14. November 2011 18:38 Uhr

Interview

Stress ist das häufigste Problem bei Studenten

Die Psychologin Kerstin Jähne berät und betreut jetzt Studierende an der Uni. Von Falko Branner

Wenn alles zu viel wird: Auch das kann Angstgefühle auslösen. Das Thema Angst steht im Mittelpunkt unserer heutigen „Quergedacht“-Folge.
Foto: J. M. Bammes

Eine Studienberatung gibt es an der Uni Augsburg schon lange. Psychologische Betreuung aber nicht. Nun wurde eine neue Stelle geschaffen, die aus Studiengebühren finanziert ist. Wir sprachen mit Diplom-Psychologin Kerstin Jähne über ihre ersten Erfahrungen in Augsburg.

Wie wird ihr Angebot denn bisher angenommen?

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Jähne: Die Resonanz ist bisher sehr positiv. Jeden Tag erreichen mich neue E-Mails mit Anfragen, oder die Studierenden kommen in meinem Büro vorbei. Und das bereits seit meinem allerersten Tag in Augsburg. Das Angebot wird also sehr gut angenommen.

An anderen Universitäten wird eine psychologische Beratung schon seit längerem angeboten. Wie kam es denn dazu, dass diese Art der Beratung jetzt auch in Augsburg eingeführt wurde?

Jähne: Die Studierenden selbst haben sich diese Stelle gewünscht. Sie empfinden es als sinnvolle Ergänzung zu den weiteren Angeboten des Studentenwerks und der zentralen Studienberatung. Dazu zählen etwa die Lernberatung, Study-Work-Life-Beratung und Beratung zum Zeit-und Selbstmanagement. Mein Beratungsangebot wird übrigens auch aus den Studienbeiträgen finanziert.

Wie läuft denn eine Beratung bei Ihnen im Regelfall ab?

Jähne: Die Studierenden melden sich zuerst einmal per E-Mail bei mir an. Schon in der ersten Mail sollen sie dann auch schon ihren genauen Beratungswunsch formulieren. Je genauer sie das tun, umso besser kann ich ihnen dann letztlich auch helfen. Als nächstes vereinbaren wir dann einen Termin für das Erstgespräch. Da versuche ich dann abzuklären, wo genau der Schuh bei der jeweiligen Person drückt.

Wie geht es weiter?

Jähne: Es gibt mehrere Möglichkeiten weiter zu verfahren. Wenn es sich um kein klinisches Problem handelt, versuche ich den Studierenden durch ein Coaching mit sechs bis acht Sitzungen zu helfen. Sollte es sich um eine Erkrankung wie eine Depression handeln, dann helfe ich, einen passenden Ansprechpartner zu finden, bei dem möglicherweise auch eine Therapie durchgeführt werden kann.

Wie verläuft ein Gespräch bei Ihnen?

Jähne: Insgesamt empfinde ich es als äußerst wichtig, ein intensives Gespräch zu führen. Studierende, die zu mir kommen müssen über ihre Probleme erzählen wollen. Nachdem meine Beratung ja freiwillig und absolut vertraulich ist, fällt es ihn leichter, sich zu öffnen.

Mit welchen Problemen kommen Studenten zu ihnen?

Jähne: Stress, der nicht bewältigt werden konnte, ist eines der häufigsten Probleme.

Warum?

Jähne: Die Gründe dafür sind vielschichtig. Einige haben durch die Umstellung auf die Bachelor- und Masterstudiengänge ein enormes Lernpensum. Oft kommt der Druck aber mehr von innen als von außen. Denn viele haben einen sehr hohen Leistungsanspruch an sich selbst. Wenn der nicht erfüllt werden kann, führt das zu psychischen Problemen. Und das kann bis hin zu einem Burnout-Syndrom führen. Nämlich dann, wenn sich die betroffene Person nicht mehr in der Lage fühlt, sich aus diesem Hamsterrad zu befreien und der Stress unbewältigt bleibt. Und das wiederum führt dann zu der für ein Burnout-Syndrom typischen vollkommenen Erschöpfung.

Wie helfen Sie?

Jähne: Ich möchte präventiv eingreifen. Oft liegt das Problem schlicht in mangelhaftem Zeitmanagement oder schlechter Selbstorganisation. Oder die Studierenden haben schlichtweg nie gelernt, richtig zu lernen. Hier haben wir von der zentralen Studienberatung spezielle Angebote parat.

Interview: Falko Branner

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