Bei den derzeitigen Temperaturen wirkt Streusalz kaum noch. Trotzdem wird in Augsburg weiter gestreut - und das aus gutem Grund. Von Sven Daam



Man bremst, man lenkt. Doch all die Bemühungen lassen das Auto kalt. Eine Reaktion, mit der viele Menschen heute morgen zurechtkommen mussten, denn die Straßen in Augsburg und Umgebung waren rutschig. Der Grund dafür: Zur extremen Kälte hatte sich in der Nacht noch eine Portion Schnee gesellt.
Doch warum rutscht das Auto? Sind die Straßen nicht gestreut? Doch, sind sie. Aber das Trockensalz wirkt bei den sibirischen Temperaturen kaum. "Wir sind schon im Grenzbereich, was die Tauwirkung angeht", bestätigt Alfons Stegmann, Leiter des Augsburger Winterdienstes.
Noch wird aber gestreut. "Durch die Wärme der Autos bekommen wir noch etwa zehn Grad auf die Straße. Minus versteht sich", erklärt Stegmann und lacht. Die Rechnung ist einfach: Sind genügend Autos unterwegs, wird die Straße warm genug und das Salz wirkt im Laufe des Tages.
Wird es aber noch kälter, bringt auch das Streuen nichts mehr. Das Eis würde schlichtweg nicht mehr Schmelzen. "Ab konstanten Minus 20 Grad würden wir aufhören zu Streuen", sagt der Experte. Aber auch für diesen Notfall wäre man gerüstet. Das Salz würde dann gegen Splitt ausgetauscht, damit es auf Augsburgs Straßen zumindest nicht zu rutschig werden würde.
Auch wenn das Salz in den frühen Morgenstunden keine große Tauwirkung hatte - dass trotzdem gestreut wird, hatte einen Grund: den Schnee. Streut man nicht, wird der nämlich schnell zu Eis. Und das bekommt man dann nicht mehr von Straße.
Gestreut wird also noch fleißig, doch eine Änderung gibt es schon. Normalerweise arbeitet der Winterdienst mit einer Mischung aus Natriumchlorid (Salz) und Sole (Wasser mit Salz gemischt). Die Sole wird dazugemischt, damit der Schnee schneller taut. Eigentlich. Denn durch die enorme Kälte ist im Moment genau das Gegenteil der Fall. Die Sole würde sofort auf dem Asphalt festfrieren. Die Konsequenz: Die Sole fällt weg und seit einigen Tagen landet das pure Salz auf der Straße.
Was bereits jetzt keinen Sinn mehr macht, ist Fußgänger- oder Radwege zu salzen. "Da fahren keine Autos, also wird der Weg nicht mehr warm genug. Somit kann das Salz dort nichts mehr ausrichten", sagt der Leiter des Augsburger Winterdienstes. Vorsicht ist daher in den kommenden Tagen nicht nur auf den Straßen, sondern auch auf den Gehwegen geboten.



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