Auf ihren ersten Einsatz in etwa eineinhalb Wochen ist Astrid Weiss schon gespannt: Die 21-jährige Geschichts-Studentin wird dann zum ersten Mal eine mit Fahrgästen besetzte Straßenbahn durch die Augsburger Straßen steuern. „Die ersten Male schaut einem noch ein Fahrer über die Schulter, aber das wird sicher was anderes sein als die bisherigen Fahrstunden ohne Passagiere“, sagt Weiss.
Die Augsburgerin ist eine von 14 Studenten (zwölf Männer, zwei Frauen), die seit dem Sommer eine Ausbildung zum Straßenbahnfahrer gemacht haben. Die Stadtwerke wollen auf diese Weise vor allem in Verkehrsspitzen und am Wochenende ihre Stammfahrer entlasten. Indirekt spielt auch der Königsplatz-Umbau eine Rolle. Diese Woche steht die Führerscheinprüfung an, kurz darauf soll es schon losgehen. Die Studenten haben dieselbe Ausbildung durchlaufen wie reguläre Fahrer. „Am Ende soll man nicht merken, ob ein Student oder ein regulärer Fahrer am Steuer sitzt“, sagt Xaver Geierhos, Leiter der Fahrausbildung. Mit der Prüfung am Ende werden die Studenten die Erlaubnis haben, die je nach Typ mehr als drei Millionen Euro teuren Straßenbahnzüge zu steuern.
Auf was der Fahrer achten muss, merkt ein Fahrgast gar nicht
„Man ist erstaunt, worauf ein Fahrer alles achten muss, wenn man das bisher nur als Fahrgast mitbekommen hat“, sagt Weiss. Wie funktionieren Weichen, wie bekommt man eine klemmende Tür wieder flott, wie funkt man die Leitstelle im Notfall an – all das mussten die Studenten in den Semesterferien lernen. Und vom ersten Tag an ging es zum Üben in den Führerstand.
Eine Vorliebe für Schienenfahrzeuge haben die meisten Bewerber. „Ich wollte schon als Kind immer mal selber fahren. Ich habe mir das eigentlich auch immer gedacht, seit ich jeden Tag mit der Straßenbahn zur Uni fahre“, sagt Weiss. „Und abgesehen davon: Es ist immer noch interessanter, als irgendwo an der Kasse zu sitzen.“
Um die zwölf Euro pro Stunde verdienen die Aushilfsfahrer, die höchstens 40 Stunden pro Monat arbeiten werden. Der Betriebsrat hatte bei der Vorstellung der Pläne sein Einverständnis signalisiert. Im Herbst wollen die Stadtwerke einen zweiten Schwung Studenten oder geringfügig Beschäftigte schulen. Um Stammpersonal zu sparen, beteuern die Stadtwerke, habe man dieses Modell nicht entwickelt. „Aber wir gewinnen mehr Flexibilität, weil wir die Studenten dann nicht acht Stunden pro Tag einsetzen müssen“, so Geierhos. Der Lohn entspricht anteilig dem der regulären Fahrer, die momentan neu eingestellt werden. Allerdings werden diese in der Tochtergesellschaft ASG beschäftigt, in der weniger Geld als bei den Verkehrsbetrieben gezahlt wird. Entsprechend der Fluktuation sollen bis Jahresende 24 Mitarbeiter dort arbeiten. Langfristig soll ein Drittel der 450 Augsburger Bus- und Tramfahrer dort beschäftigt sein.
Vor allem zu Spitzenzeiten, etwa wenn die Stadionlinie bei FCA-Spielen rollt, sollen die Studenten eingesetzt werden. Zur Urlaubszeit müssen die Studenten ebenfalls ran. Auch in anderen Städten gibt es derartige Modelle.
Indirekt spielt in Augsburg auch der Umbau des Königsplatzes eine Rolle. Kommendes Jahr müssen Linienäste der Linien 1 und 3 vorübergehend eingestellt und durch Busse ersetzt werden. Dann werden Tram-Fahrer teils auf Ersatzbussen eingesetzt werden.