Mittwoch, 19. Juni 2013

10. März 2012 12:17 Uhr

Ausstellung

Verstrickt und zugenäht

Spinnen, Menschen, Filz und Vertrauen: Das Thema Netzwerke in der BBK-Galerie Von Kathrin Runge

Nicht jedes Netz ist gut: Andrea Groß thematisiert auf ihrem Linolschnitt die problematische Seite von Netzwerken.
Foto: Ulrich Wagner

Die Welt ist neuerdings voller Netzwerke, menschlicher und politischer, öffentlicher und geheimer, technischer und sozialer Art. Es gibt konspirative Netzwerke wie Opus Dei, Rechnernetzwerke und soziale Netzwerke wie Facebook. Insofern hat sich der Berufsverband Bildender Künstler Schwaben-Nord und Augsburg (BBK) für seine Eröffnungsausstellung 2012 ein weites, aktuelles und vielversprechendes Thema gewählt, wenn auch mit dem etwas sperrigem Titel ver.netzen#filzen#www.eben#.

Die ausstellenden BBK-Mitglieder haben das Jahresthema mit unterschiedlichen Techniken umgesetzt: Strickbilder hängen im Abraxas neben Filzobjekten, Computergrafiken neben Installationen, Aquarellmalerei neben Fotografien. Inhaltlich ist ein Großteil der Künstler allerdings nahe – zu nahe – am Wortsinn geblieben: Viele der 41 Arbeiten tragen Titel wie „Vernetzungen“ oder „Connection“, sie zeigen Raumnetze, Spinnennetze und Flechtwerke.

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Manches geht aber auch darüber hinaus, etwa das Acrylbild „Agenten“ von H. Kiesling: Dominiert wird es von den starren Blicken der Spione, wohingegen die Spinnen mit ihren imaginären Netzen nur im Hintergrund aufscheinen und ein listiges, böses Agentennetz illustrieren. Karin Palme zeigt mit „Herzkammer und Eierfrucht“, einem Objekt aus Filz, Keramik und Draht, dass Verfilzung nicht per se negativ sein muss, sondern auch wärmen und schützen kann. Joe Rieders Computergrafiken „Pelzobjekt 1-5“ betonen hingegen den trügerischen Schein: Materialien wie Fell können durchaus große Kälte ausstrahlen; die Abbildungen muten wie Konstruktionspläne an.

Andrea Groß’ Linolschnitte „vernetzt, verstrickt, entwickelt“ thematisieren die problematische Seite von Netzwerken. Sie zeigen die tiefe Verbundenheit zwischen Menschen – aber auch gegenseitige Abhängigkeiten, die immer auch die Möglichkeit beinhalten, aus dem Netz zu fallen, den Halt zu verlieren.

Turid Schuszters „Postgrüße“ überzeugen als eine Zusammenstellung von Karten, die Szenen aus dem aktuellen Weltgeschehen zeigen: Krieg und Finanzkrise, mediale Verstrickungen, zu enge menschliche, vielleicht auch politische Beziehungen. Ein bisschen mehr dieses weniger direkten Zugriffs auf das Thema hätte der – durchaus interessanten – Ausstellung wohl gut getan.

Ausstellung im Kulturhaus Abraxas/ BBK-Galerie, geöffnet bis 25. März, täglich außer Montag und Mittwoch von 14 bis 18 Uhr.

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