In Augsburg leben sehr viele junge Frauen, die Kinder bekommen könnten. Trotzdem profitiert die Stadt nicht vom aktuellen Trend, wonach die Geburtenzahlen in Deutschland leicht angestiegen sind. Zu diesem erstaunlichen Ergebnis kommen heimische Experten.
Detaillierte Daten, wie sich die Bevölkerung in Augsburg entwickelt, werden Anfang September vorgestellt. Dann will die Stadt zum ersten Mal einen „Demografie-Bericht“ vorlegen. Eines können die Fachleute aber schon vorab sagen: Die Zahl der Geburten ist in Augsburg seit Jahren in etwa gleich geblieben.
Jedes Jahr sind es über 4000 Geburten
Nach der Statistik des Standesamtes kamen im vergangenen Jahr 4130 Kinder zur Welt. Heuer rechnet Amtsleiter Karl Krömer ebenfalls wieder mit über 4000 Geburten. „Seit 2005 sind die Zahlen relativ stabil, es gibt keinen Trend nach unten oder oben“, sagt er.
Damit unterscheidet sich Augsburg von der bundesweiten Bevölkerungsentwicklung. Im vergangenen Jahr stieg in Deutschland nicht nur die Zahl der Geburten. Im Schnitt entscheiden sich auch wieder mehr Frauen für ein zweites oder drittes Kind (wir berichteten), wobei man nicht außer Acht lassen darf, dass Deutschland noch immer ein Land mit wenigen Kindern ist.
Warum ist die Lage in Augsburg anders, warum lässt sich hier kein Anstieg der Geburten verzeichnen? Dafür haben die städtischen Experten Erklärungen. „In Augsburg gibt es deutlich mehr junge Frauen als im Bundesdurchschnitt“, sagt Andreas Gleich, Amtsleiter für Statistik und Stadtentwicklung. Viele junge Leute ziehen nach der Ausbildung aber auch gleich wieder weg.
Die hohe Zuwanderung junger Menschen zwischen 18 und 25 Jahren liegt vor allem daran, dass Augsburg Hochschulstadt ist. Gerade auch Frauen kommen zum Studieren. Rund die Hälfte der über 16.000 Studenten an der Universität ist weiblich.
Doch diese potenziellen Mütter gehen oft schnell wieder verloren. Nach dem Abschluss der Ausbildung steigt die Abwanderung von Männern und Frauen zwischen 26 und 40 Jahren aus Augsburg stark an.
Wenn sie in andere Städte ziehen, dann hat das oft mit dem Angebot an qualifizierten und gut bezahlten Arbeitsplätzen zu tun, sagt der städtische Integrationsbeauftragte Matthias Garte. „Das klassische Modell vom Häuschen im Grünen, dem Mann als Hauptverdiener und der Frau mit Halbtagsjob greift nicht mehr.“
Wenn aber in Augsburg Kinder geboren werden, dann tragen dazu ungewöhnlich viele Nationen bei. 40 Prozent der Babys haben mindestens einen Elternteil aus dem Ausland oder mit Migrationshintergrund. Vergangenes Jahr waren 95 Nationen an Geburten in Augsburg beteiligt. Allerdings bekommen auch Familien ausländischer Abstammung in Deutschland immer weniger Nachwuchs, sagt Garte.
Zunehmend spielt eine Rolle, ob man sich Kinder finanziell leisten kann – besonders, wenn es mehrere sind. In der Stadt Augsburg haben Menschen bayernweit das höchste Armutsrisiko. Für Gleich gibt es deshalb nur ein Fazit: Wenn man in Augsburg die Geburtenrate erhöhen will, dann muss man dafür sorgen, dass möglichst viele gut qualifizierte und junge Menschen da bleiben.