Eine Kiste mit Sturmgewehren, Pistolen und Handgranaten wurde ihr zum Verhängnis. Seit voriger Woche sitzt eine 31-jährige Frau aus dem Raum Augsburg in Untersuchungshaft – es ist die Tochter von Raimund M. , einem der beiden mordverdächtigen Brüder im Fall des Augsburger Polizistenmordes. Die Kiste mit Waffen und Sprengstoff stand bei der Frau im Keller. Zuerst schwieg die Tochter, nun hat sie sich gegenüber den Ermittlern geäußert. Sie habe nichts von den Waffen gewusst und sie erst kürzlich entdeckt, sagte sie aus.
Genetischer Fingerabdruck der 31-Jährigen
Der Keller der Tochter diente ihrem Vater Raimund und ihrem Onkel Rudi R. (56) wohl als Waffendepot. Auch anderswo hatten die Brüder Waffen versteckt, etwa auf dem Bauernhof eines Schwagers in Friedberg. Für die Tochter ist die Situation aber besonders schwierig. Denn zumindest auf einer der Waffen fanden die Ermittler einen genetischen Fingerabdruck der 31-Jährigen. Das legte den Verdacht nahe, dass die Tochter vom Waffenversteck wusste. Das hat sie nach Informationen unserer Zeitung jetzt auch eingeräumt. Die Frau gab aber an, die Kriegswaffen erst zwei oder drei Tage nach der Verhaftung des Vaters gefunden zu haben. Zur Polizei ging sie deshalb nicht.
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Der Augsburger Polizeibeamte Mathias Vieth wird am frühen Morgen des 28. Oktober 2011 im Augsburger Siebentischwald von unbekannten Tätern erschossen.
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Der Streifenbeamte und seine Kollegin wollen an diesem Freitagmorgen gegen drei Uhr auf einem Parkplatz am Augsburger Kuhsee ein Motorrad mit zwei Männern kontrollieren. Die beiden Verdächtigen flüchten sofort in den nahen Siebentischwald, die Beamten nehmen mit ihrem Streifenwagen die Verfolgung auf.
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Im Wald stürzen die Motorradfahrer. Dann kommt es zu einem Schusswechsel zwischen Beamten und Tätern. Der 41-jährige Polizeibeamte wird trotz Schutzweste tödlich am Hals getroffen, seine Kollegin durch einen Schuss an der Hüfte verletzt. Die Täter flüchten. Ihr Motorrad lassen sie am Tatort zurück.
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Eine anschließende Großfahndung, an der sich im Lauf des Freitags mehrere hundert Polizeibeamte beteiligen, bleibt ohne Erfolg.
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"Wir werden alles tun, um diese Mörder, die vermutlich der schwerkriminellen Szene zuzuordnen sind, so schnell wie möglich dingfest zu machen", kündigt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei einer Pressekonferenz nach der Tat an.
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Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Polizeibeamten die Täter bei einem kriminellen Geschäft oder Vorhaben gestört hatten. "Irgendetwas war da auf dem Parkplatz", sagt Oberstaatsanwalt Günther Zechmann.
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Die Augsburger Polizei richtet noch am gleichen Tag eine Sonderkommission ein. Der Soko "Spickel", benannt nach dem Augsburger Stadtteil, in dem die Tat geschah, gehören zunächst 40 Beamte an.
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Am 30. Oktober bestätigt die Polizei, dass sowohl der 41-jährige Polizist als auch seine Kollegin noch mehrere Schüsse auf die Täter abgeben hatten. Die Ermittler schließen nicht aus, dass einer der beiden Täter verletzt wurde.
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Zwei Tage nach dem Polizistenmord geben die Ermittler bekannt, dass das Motorrad der beiden Täter in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 2011 im Stadtgebiet von Ingolstadt gestohlen worden war. Dabei wurde die rund 15 Jahre alte Honda kurzgeschlossen.
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Drei Tage nach dem tödlichen Schusswechsel rückt die Polizei erneut mit einem Großaufgebot im Augsburger Spickel an. Taucher von Polizei und Feuerwehr suchen in den Kanustrecken des Eiskanals nach Gegenständen.
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Am 3. November wird Mathias Vieth bestattet. Obwohl die Beisetzung im engsten Familienkreis stattfinden sollte, kommen rund 300 Menschen, um von dem getöteten Familienvater Abschied zu nehmen.
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Am gleichen Tag stockt die Augsburger Polizei die Soko "Spickel" um weitere 10 auf nun 50 Beamte auf. Zugleich wird die Belohnung, die zur Aufklärung des Polizistenmordes ausgesetzt ist, auf 10.000 Euro erhöht.
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Ein Abgleich von DNA-Spuren, die am Tatort gesichert werden konnten, mit der bundesweiten DNA-Datenbank ergibt laut Polizei keinen Treffer.
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Am 7. November findet im Augsburger Dom die offizielle Trauerfeier für Mathias Vieth statt. Auch Bayerns Innenminister nimmt daran teilt. Die Polizei erhöht an diesem Tag die ausgesetzte Belohnung. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Polizistenmörder führen, sind nun insgesamt 55.000 Euro ausgelobt.
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Zehn Tage nach dem Augsburger Polizistenmord greift die Sendung "Aktenzeichen XY" den Fall auf. Zwar gehen daraufhin mehrere Hinweise ein, eine heiße Spur ist aber nicht darunter.
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Zwei Wochen nach dem Verbrechen werden weitere Details des Tatablaufs bekannt. Demnach wurden Mathias Vieth und seine Kollegin im Siebentischwald aus der Dunkelheit heraus mit mehreren Waffen beschossen, zuerst wohl mit einer Pistole, dann offensichtlich mit einer größeren Waffe – mit größerer Durchschlagskraft. Vieth wurde dabei von mehreren Schüssen getroffen und tödlich verletzt.
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Dezember 2011: Die Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, wird auf insgesamt 100.000 Euro erhöht.
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Am 29. Dezember 2011 nimmt die Polizei in Augsburg und Friedberg zwei Verdächtige fest. Es handelt sich um zwei Brüder. Einer von ihnen hatte bereits 1975 einen Augsburger Polizisten erschossen.
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Nach der Festnahme der beiden Männer entdecken die Fahnder etliche Waffen und auch Sprengstoff. Belastet wird einer der Verdächtigen durch DNA-Spuren, die am Tatort gefunden wurden.
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Auf die Spur der beiden Männer kamen die Ermittler letztlich über ein Fahrzeug. Der Wagen war in Tatortnähe beobachtet worden. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die beiden Brüder des Öfteren mit diesem Wagen unterwegs waren.
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Mitte Januar ergeht auch Haftbefehl gegen die Tochter eines der Verdächtigen. Bei ihr waren Anfang Januar drei Kalaschnikow-Schnellfeuergewehre und acht scharfe Handgranaten gefunden worden, die ihr Vater und dessen Bruder Rudi R. versteckt haben.
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Mathias Vieth ist der dritte Augsburger Polizeibeamte, der seit dem Zweiten Weltkrieg im Dienst sein Leben lässt.
Doch wenige Tage später rückte ohnehin die Polizei an, durchsuchte das Haus und wurde fündig. Der Fund galt sofort als brisant: Denn unter den Waffen, die im Keller der Tochter lagen, sind auch drei Kalaschnikow-Sturmgewehre. Aus einem Gewehr dieses Typs wurden vermutlich tödliche Schüsse auf den Polizisten Mathias Vieth (41) abgefeuert. Ob eine der drei Kalaschnikows die Tatwaffe ist, blieb bislang aber ungeklärt.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Tochter keine Beteiligung an dem Mord vor. Es geht um illegalen Waffenbesitz und um einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Trotz ihrer Aussage bleibt die Tochter derzeit weiter in Untersuchungshaft.

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Die Kripo hält die Verdächtigen durch die DNA-Spur für "eindeutig" überführt. Das teilten Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz und Klaus Bayerl, Leiter der Soko "Spickel", bei der Presskonferenz mit.
Foto: Fred Schöllhorn

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Insgesamt wurden 20 Waffen beschlagnahmt. Bei der Pressekonferenz wurden sie auf einer Tafel gezeigt.
Foto: dpa

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Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Justizministerin Beate Merk waren anwesend.
Foto: Fred Schöllhorn
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