Es war ein Verdacht - nun könnte er sich bewahrheiten: Zumindest einer der mordverdächtigen Brüder im Fall des getöteten Augsburger Polizisten war vor einigen Jahren offenbar an einem Raubüberfall in Augsburg beteiligt. Im Jahr 2004 wurde ein Werttransportunternehmen im Augsburger Stadtteil Lechhausen überfallen.
Die Täter, drei vermummte Personen, erbeuteten damals mehr als 100.000 Euro und konnten flüchten. Außerdem nahmen die Täter damals einem Sicherheitsmann einen Revolver ab. Dieser Revolver wurde nun wieder gefunden - in einem der Waffenlager, das die Brüder Raimund M. (58) und Rudi R. (56) angelegt hatten. Die Waffe könne "zweifelfrei" dem Fall zugeordnet werden, teilt die Staatsanwaltschaft nun mit. Die Ermittler hatten nach Informationen unserer Redaktion bereits kurz nach der Festnahme der Brüder damit begonnen, ungeklärte Verbrechen aus den vergangenen Jahren zu überprüfen.
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"Weibliche Person" festgenommen
Gleichzeitig bestätigte die Staatsanwaltschaft Informationen unserer Redaktion, wonach in dieser Woche auch die Tochter (31) von Raimund M. verhaftet wurde . Die Behörde sprach in ihrer Pressemitteilung allerdings nur von einer "weiblichen Person".
In der Wohnung der Tochter fand die Polizei vor rund zwei Wochen drei funktionsfähige Schnellfeuergewehre vom Typ Kalaschnikow samt diversen Magazinen und umfangreicher Munition, acht Handgranaten, eine Maschinenpistole und fünf scharfe Kurzwaffen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tochter von dem Waffendepot, dass die Brüder bei ihr angelegt hatten, wusste.
Jetzt sitzen drei Personen in Untersuchungshaft
Damit sitzen im Fall des Polizistenmordes jetzt drei Personen in Haft. Die Ermittler sind sich sicher, dass Raimund M. (58) zusammen mit seinem Bruder Rudi R. (56) den Polizeibeamten Mathias Vieth erschossen hat. Anfang Dezember kamen die Fahnder der Soko „Spickel“ den Männern auf die Spur. Sie wurden rund drei Wochen lang abgehört und observiert. Am 29. Dezember schlug die Polizei zu und verhaftete die Brüder. Schon kurz nach der Verhaftung der Männer wurde darüber spekuliert, ob es in dem Fall weitere Mitwisser oder Helfer geben könnte. Rudi R. lebte bei seiner demenzkranken Mutter in Augsburg. Raimund M. lebte in Friedberg ein unauffälliges, bürgerliches Leben. Er ist verheiratet – und hat eine erwachsene Tochter.
Reinhard Nemetz, der Leitende Oberstaatsanwalt hatte zuletzt immer wieder bestätigt, dass die Ermittler auch das Umfeld der Verdächtigen durchleuchten. Es ging dabei vor allem um die Frage, wer von den geheimen Waffenlagern der Brüder wusste – und woher die Männer ihr Waffenarsenal hatten. Insgesamt hatte die Polizei Dutzende Waffen in drei Verstecken entdeckt. Die Ermittler vermuten, dass es noch weitere Waffendepots geben könnte. In der vergangenen Woche waren die Behörden deshalb mit Fotos und Namen der beiden Männer an die Öffentlichkeit gegangen.
Frage nach der Tatwaffe weiter unbeantwortet
Der Waffenfund bei der Tochter ist besonders heikel: Dort stießen die Fahnder auf drei Kalaschnikow-Gewehre. Die Munition dieser Gewehre passt von der Größe her genau zu den tödlichen 7,62-Millimeter-Patronen, die am Tatort im Augsburger Siebentischwald gefunden wurden. Ob eine der Kalaschnikows die Tatwaffe ist, blieb aber offen. Experten sollten die Waffen untersuchen. Zu Ergebnissen schwieg die Staatsanwaltschaft bisher.
Die Nachricht von der Verhaftung seiner Tochter setzt Raimund M. nun unter großen Druck. Er ist im Unterschied zu seinem Bruder, der bereits im Jahr 1975 einen Augsburger Polizisten erschoss und insgesamt über 20 Jahre im Gefängnis saß, nicht „hafterfahren“, wie es im Juristenjargon heißt. M. war noch nie zuvor im Gefängnis. Zudem soll er, wie mehrere Bekannte berichten, seit Jahren an der Krankheit Parkinson leiden. Den 58-Jährigen trifft die Haft damit deutlich härter. Die Ermittler setzen darauf, dass er doch noch auspackt. Bisher schwiegen die Brüder jedoch eisern.
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Der Augsburger Polizeibeamte Mathias Vieth wird am frühen Morgen des 28. Oktober 2011 im Augsburger Siebentischwald von unbekannten Tätern erschossen.
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Der Streifenbeamte und seine Kollegin wollen an diesem Freitagmorgen gegen drei Uhr auf einem Parkplatz am Augsburger Kuhsee ein Motorrad mit zwei Männern kontrollieren. Die beiden Verdächtigen flüchten sofort in den nahen Siebentischwald, die Beamten nehmen mit ihrem Streifenwagen die Verfolgung auf.
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Im Wald stürzen die Motorradfahrer. Dann kommt es zu einem Schusswechsel zwischen Beamten und Tätern. Der 41-jährige Polizeibeamte wird trotz Schutzweste tödlich am Hals getroffen, seine Kollegin durch einen Schuss an der Hüfte verletzt. Die Täter flüchten. Ihr Motorrad lassen sie am Tatort zurück.
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Eine anschließende Großfahndung, an der sich im Lauf des Freitags mehrere hundert Polizeibeamte beteiligen, bleibt ohne Erfolg.
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"Wir werden alles tun, um diese Mörder, die vermutlich der schwerkriminellen Szene zuzuordnen sind, so schnell wie möglich dingfest zu machen", kündigt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei einer Pressekonferenz nach der Tat an.
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Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Polizeibeamten die Täter bei einem kriminellen Geschäft oder Vorhaben gestört hatten. "Irgendetwas war da auf dem Parkplatz", sagt Oberstaatsanwalt Günther Zechmann.
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Die Augsburger Polizei richtet noch am gleichen Tag eine Sonderkommission ein. Der Soko "Spickel", benannt nach dem Augsburger Stadtteil, in dem die Tat geschah, gehören zunächst 40 Beamte an.
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Am 30. Oktober bestätigt die Polizei, dass sowohl der 41-jährige Polizist als auch seine Kollegin noch mehrere Schüsse auf die Täter abgeben hatten. Die Ermittler schließen nicht aus, dass einer der beiden Täter verletzt wurde.
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Zwei Tage nach dem Polizistenmord geben die Ermittler bekannt, dass das Motorrad der beiden Täter in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 2011 im Stadtgebiet von Ingolstadt gestohlen worden war. Dabei wurde die rund 15 Jahre alte Honda kurzgeschlossen.
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Drei Tage nach dem tödlichen Schusswechsel rückt die Polizei erneut mit einem Großaufgebot im Augsburger Spickel an. Taucher von Polizei und Feuerwehr suchen in den Kanustrecken des Eiskanals nach Gegenständen.
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Am 3. November wird Mathias Vieth bestattet. Obwohl die Beisetzung im engsten Familienkreis stattfinden sollte, kommen rund 300 Menschen, um von dem getöteten Familienvater Abschied zu nehmen.
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Am gleichen Tag stockt die Augsburger Polizei die Soko "Spickel" um weitere 10 auf nun 50 Beamte auf. Zugleich wird die Belohnung, die zur Aufklärung des Polizistenmordes ausgesetzt ist, auf 10.000 Euro erhöht.
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Ein Abgleich von DNA-Spuren, die am Tatort gesichert werden konnten, mit der bundesweiten DNA-Datenbank ergibt laut Polizei keinen Treffer.
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Am 7. November findet im Augsburger Dom die offizielle Trauerfeier für Mathias Vieth statt. Auch Bayerns Innenminister nimmt daran teilt. Die Polizei erhöht an diesem Tag die ausgesetzte Belohnung. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Polizistenmörder führen, sind nun insgesamt 55.000 Euro ausgelobt.
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Zehn Tage nach dem Augsburger Polizistenmord greift die Sendung "Aktenzeichen XY" den Fall auf. Zwar gehen daraufhin mehrere Hinweise ein, eine heiße Spur ist aber nicht darunter.
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Zwei Wochen nach dem Verbrechen werden weitere Details des Tatablaufs bekannt. Demnach wurden Mathias Vieth und seine Kollegin im Siebentischwald aus der Dunkelheit heraus mit mehreren Waffen beschossen, zuerst wohl mit einer Pistole, dann offensichtlich mit einer größeren Waffe – mit größerer Durchschlagskraft. Vieth wurde dabei von mehreren Schüssen getroffen und tödlich verletzt.
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Dezember 2011: Die Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, wird auf insgesamt 100.000 Euro erhöht.
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Am 29. Dezember 2011 nimmt die Polizei in Augsburg und Friedberg zwei Verdächtige fest. Es handelt sich um zwei Brüder. Einer von ihnen hatte bereits 1975 einen Augsburger Polizisten erschossen.
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Nach der Festnahme der beiden Männer entdecken die Fahnder etliche Waffen und auch Sprengstoff. Belastet wird einer der Verdächtigen durch DNA-Spuren, die am Tatort gefunden wurden.
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Auf die Spur der beiden Männer kamen die Ermittler letztlich über ein Fahrzeug. Der Wagen war in Tatortnähe beobachtet worden. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die beiden Brüder des Öfteren mit diesem Wagen unterwegs waren.
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Mitte Januar ergeht auch Haftbefehl gegen die Tochter eines der Verdächtigen. Bei ihr waren Anfang Januar drei Kalaschnikow-Schnellfeuergewehre und acht scharfe Handgranaten gefunden worden, die ihr Vater und dessen Bruder Rudi R. versteckt haben.
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Mathias Vieth ist der dritte Augsburger Polizeibeamte, der seit dem Zweiten Weltkrieg im Dienst sein Leben lässt.
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