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18. Januar 2012 17:29 Uhr

Augsburger Polizistenmord

Polizei findet Revolver von Raubüberfall in einem Waffenlager

Was haben die mutmaßlichen Polizistenmörder noch auf dem Kerbholz? In einem ihrer Wafffenlager fand die Polizei einen Revolver, der bei einem Überfall in Lechhausen erbeutet wurde. Von Jörg Heinzle, Andreas Schmidt und Holger Sabinsky-Wolf

Es war ein Verdacht - nun könnte er sich bewahrheiten: Zumindest einer der mordverdächtigen Brüder im Fall des getöteten Augsburger Polizisten war vor einigen Jahren offenbar an einem Raubüberfall in Augsburg beteiligt. Im Jahr 2004 wurde ein Werttransportunternehmen im Augsburger Stadtteil Lechhausen überfallen.

Die Täter, drei vermummte Personen, erbeuteten damals mehr als 100.000 Euro und konnten flüchten. Außerdem nahmen die Täter damals einem Sicherheitsmann einen Revolver ab. Dieser Revolver wurde nun wieder gefunden - in einem der Waffenlager, das die Brüder Raimund M. (58) und Rudi R. (56) angelegt hatten. Die Waffe könne "zweifelfrei" dem Fall zugeordnet werden, teilt die Staatsanwaltschaft nun mit. Die Ermittler hatten nach Informationen unserer Redaktion bereits kurz nach der Festnahme der Brüder damit begonnen, ungeklärte Verbrechen aus den vergangenen Jahren zu überprüfen.

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"Weibliche Person" festgenommen

Gleichzeitig bestätigte die Staatsanwaltschaft Informationen unserer Redaktion, wonach in dieser Woche auch die Tochter (31) von Raimund M. verhaftet wurde . Die Behörde sprach in ihrer Pressemitteilung allerdings nur von einer "weiblichen Person".

In der Wohnung der Tochter fand die Polizei vor rund zwei Wochen drei funktionsfähige Schnellfeuergewehre vom Typ Kalaschnikow samt diversen Magazinen und umfangreicher Munition, acht Handgranaten, eine Maschinenpistole und fünf scharfe Kurzwaffen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tochter von dem Waffendepot, dass die Brüder bei ihr angelegt hatten, wusste.

Jetzt sitzen drei Personen in Untersuchungshaft

Damit sitzen im Fall des Polizistenmordes jetzt drei Personen in Haft. Die Ermittler sind sich sicher, dass  Raimund M. (58) zusammen mit seinem Bruder Rudi R. (56) den Polizeibeamten Mathias Vieth erschossen hat. Anfang Dezember kamen die Fahnder der Soko „Spickel“ den Männern auf die Spur. Sie wurden rund drei Wochen lang abgehört und observiert. Am 29. Dezember schlug die Polizei zu und verhaftete die Brüder. Schon kurz nach der Verhaftung der Männer wurde darüber spekuliert, ob es in dem Fall weitere Mitwisser oder Helfer geben könnte. Rudi R. lebte bei seiner demenzkranken Mutter in Augsburg. Raimund M. lebte in Friedberg ein unauffälliges, bürgerliches Leben. Er ist verheiratet – und hat eine erwachsene Tochter.

Reinhard Nemetz, der Leitende Oberstaatsanwalt hatte zuletzt immer wieder bestätigt, dass die Ermittler auch das Umfeld der Verdächtigen durchleuchten. Es ging dabei vor allem um die Frage, wer von den geheimen Waffenlagern der Brüder wusste – und woher die Männer ihr Waffenarsenal hatten. Insgesamt hatte die Polizei Dutzende Waffen in drei Verstecken entdeckt. Die Ermittler vermuten, dass es noch weitere Waffendepots geben könnte. In der vergangenen Woche waren die Behörden deshalb mit Fotos und Namen der beiden Männer an die Öffentlichkeit gegangen.

Frage nach der Tatwaffe weiter unbeantwortet

Der Waffenfund bei der Tochter ist besonders heikel: Dort stießen die Fahnder auf drei Kalaschnikow-Gewehre. Die Munition dieser Gewehre passt von der Größe her genau zu den tödlichen 7,62-Millimeter-Patronen, die am Tatort im Augsburger Siebentischwald gefunden wurden. Ob eine der Kalaschnikows die Tatwaffe ist, blieb aber offen. Experten sollten die Waffen untersuchen. Zu Ergebnissen schwieg die Staatsanwaltschaft bisher.

Die Nachricht von der Verhaftung seiner Tochter setzt Raimund M. nun unter großen Druck. Er ist im Unterschied zu seinem Bruder, der bereits im Jahr 1975  einen Augsburger Polizisten erschoss und insgesamt über 20 Jahre im Gefängnis saß, nicht „hafterfahren“, wie es im Juristenjargon heißt. M. war noch nie zuvor im Gefängnis. Zudem soll er, wie mehrere Bekannte berichten, seit Jahren an der Krankheit Parkinson leiden. Den 58-Jährigen trifft die Haft damit deutlich härter. Die Ermittler setzen darauf, dass er doch noch auspackt. Bisher schwiegen die Brüder jedoch eisern.

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