Augsburgs neuer Bischof Konrad Zdarsa ruft die Katholiken zur Versöhnung auf. Im Interview mit unserer Zeitung fordert er einen "personellen und kommunikativen Neuanfang". Von Markus Günther, Alois Knoller und Daniel Wirsching

Der künftige Bischof von Augsburg, Konrad Zdarsa, hat die Katholiken in seiner neuen Diözese dazu aufgerufen, die Streitigkeiten zu beenden. "Rechthaberei", sagte Zdarsa im Gespräch mit unserer Zeitung, stehe Christen schlecht zu Gesicht. Es sei jetzt an der Zeit, nach vorn zu schauen.
Dazu müsse es allerdings über die Person des Bischofs hinaus einen "personellen und kommunikativen Neuanfang" im Bistum geben. Er betonte: "Erneuerung, Aufbruch geht nicht von allein. Beides geht von Personen aus, von Menschen, die ernst machen mit dem, was sie verkünden."
Beim Interview an seiner bisherigen Wirkungsstätte, einem bescheidenen Büro in der Görlitzer Südstadt, zeigte der 66-jährige Zdarsa (gesprochen etwa: STAR-SA) durchaus Respekt vor der schwierigen Aufgabe, die vor ihm liegt. Er wisse bislang noch wenig über Augsburg und sein künftiges Bistum, dessen Größe und "Vielgestaltigkeit" kaum vergleichbar sei mit der speziellen Situation der nur 28.500 Katholiken in Deutschlands kleinstem Bistum Görlitz. In Augsburg werde er erst einmal viel lernen müssen und dazu "auf die Menschen zugehen und das Gespräch suchen".
Zdarsa warnte vor einer Polarisierung im Bistum Augsburg und erklärte, jede Etikettierung wie links, rechts, konservativ oder liberal führe letztlich dazu, "jemanden in eine Schublade zu stecken und den Dialog zu verweigern".
Zdarsa, der erst am Dienstag vom Apostolischen Nuntius in Berlin über seine Ernennung informiert worden war, zeigte sich im Gespräch gut gelaunt und energisch, aber auch nachdenklich. Auch er habe nicht "auf alles eine Antwort", sagte der 66-Jährige mehrfach. Bei Streitthemen wie Zölibat, Laienbeteiligung oder Rolle der Frauen forderte er "differenzierte Debatten".
Zdarsa, der kenntnisreich auch über den Philosophen Nietzsche und den Barockmaler Caravaggio sprechen kann, verteidigte die Treue zum Papst als Kernelement des katholischen Glaubens: "Wenn wir im Osten diese Verbindung nicht gehabt hätten, wenn wir uns auch noch untereinander gestritten hätten, statt auf die gemeinsame Lehre zu vertrauen, dann hätten wir keine Chance gehabt. Gerade diese Verbindung zu Rom gab uns zu DDR-Zeiten Kraft." Von einem Schulterschluss mit dem Papst wollte er aber nicht sprechen: "Jeder Bischof muss auch seine Eigenständigkeit bewahren", sagte er.
Klar bekannte sich Bischof Zdarsa zur Ökumene, die er in Sachsen und Brandenburg im täglichen Umgang miteinander erlebt habe. "Wir können unglaublich mehr miteinander tun", aber es bedürfe nicht des fünften Schrittes vor dem ersten, sagte er hinsichtlich der Forderung nach einem gemeinsamen Abendmahl. Er sprach von einer "großen Sehnsucht" der Menschen beider Konfessionen nach Einheit. Von Markus Günther, Alois Knoller und Daniel Wirsching
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