„Ein kurzer Text, der mich spontan berührt“ – so definiert der Tagesthemen-Redakteur und Chef vom Dienst Knut Schaflinger das Wesen eines Gedichtes. Schaflinger ist eben nicht nur Nachrichten-Redakteur, er ist auch Lyriker. Zuletzt ist sein Gedichtband „Schneebrand“ im Verlag Ralf Liebe „Edition Poema“ erschienen.
Die „Causa Wulff“ dürfte nicht in seine Gedichte einfließen
So wie Schaflinger zwischen seinem Wohnort Augsburg und seinem Arbeitsort Hamburg mit dem Zug hin- und herpendelt, pendelt er auch sprachlich zwischen Nachrichtentexten und Poesie. In Sachen Nachrichten war er zu Beginn dieses Jahres bei den ARD-Tagesthemen stark gefordert, als Bundespräsident Christian Wulff von einem auf den anderen Tag um das Fernsehinterview mit Ulrich Deppendorf und Bettina Schausten gebeten hatte.
Schaflinger dazu: „Das gesamte Programm musste für eine Debatte, die in dieser Form in unserem Land völlig neu war, geändert werden.“ Gefragt, wie er selbst denn die „Causa Wulff“ beurteile, gibt sich Schaflinger bedeckt. Allerdings bewertet er Wulffs Interview-Aussage, er müsse als Präsident noch lernen, als eine „ungeschickte Formulierung“.
Schaflinger dagegen kann man ungeschicktes Formulieren nicht nachsagen. Seine Kunst, mit der Sprache umzugehen, beweist er als Dichter. Fließen in seine kaum gereimten, eher wie poetische Prosatexte anmutenden Gedichte auch Erfahrungen mit den Nachrichten aus aller Welt? Schaflingers Antwort ist deutlich: „Nein, das Leben besteht doch nicht nur aus Nachrichten“. Außerdem dürfen seiner Meinung nach für Nachrichten-Redakteure Gefühle keine große Rolle spielen.
Nachrichten müssten ohne Wut, ohne Freude von A nach B transportiert werden. Der Dichter dürfe Melancholie, Betroffenheit ausdrücken, dürfe berühren mit Versen wie „Eine Umarmung die nicht zustande kommt ohne in die Knie zu gehen …“. Trotzdem gibt es für Knut Schaflinger zwischen den beiden Sprachfeldern eine Nahtstelle: das Bild. „Fernsehen“, erklärt er, „hat nur mit Bildern zu tun.“ Als ehemaliger Dozent an der Bayerischen Akademie für Fernsehen hatte er sogar Seminare über das Thema „Texte auf Bildern“ gehalten. Doch die Analysen unterscheiden sich grundlegend vom Gedicht. „In diesem werden meine eigenen, inneren Bilder zur Sprache“.
Knut Schaflinger hat weder Literatur- noch Sprachwissenschaften studiert. Seine Karriere ist die des Seiteneinsteigers. Geboren 1951 in Graz, studierte er nach dem Abitur zunächst Betriebswirtschaft in Wien. In dieser Stadt, in der sich Theaterleute und Dichter zu Hause fühlen, entdeckte er seine Liebe zum Theater, erkannte allerdings schnell auch eigene Grenzen. „Als Schauspieler wäre ich zu schlecht gewesen.“
Statt Theater zu spielen, arbeitete er zunächst als freier Mitarbeiter beim Bayerischen Fernsehen. Dort war er als Filmemacher von 1975 bis 1995 auch für die Tagesschau tätig. Dass er in dieser Zeit in Augsburg sesshaft wurde, hatte persönliche Gründe: Hierher hat er geheiratet, hier will er leben. „Ich liebe Bayern und die Sprachfärbung der Bewohner“. Und deshalb pendelt er noch nach 17 Jahren zwischen Augsburg und Hamburg, liest im Zug Bücher, skizziert Eindrücke, die dann vielleicht zu Gedichten werden, in denen er Altbekanntes in neue Sprachbilder setzt. Sein Credo: „Mit Sprache eignen wir uns eben die Welt an.“