Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten
Lokalsport
Icon Pfeil nach unten

Geräteturnen: Erfolgreicher Kraftakt

Geräteturnen

Erfolgreicher Kraftakt

  • |
  • |
  • |
    Erfolgreicher Kraftakt
    Erfolgreicher Kraftakt

    Florian Schreiber, 33, strahlt. Zwar hinterlassen der wenige Schlaf, die viele Arbeit und der Stress dervergangenen Tage Spuren im Gesicht des Oberturnwarts von Schwaben Augsburg, aber Erfolg und Glücksmomente halten ihn am Sonntagabend gegen 22 Uhr weiter wach. Zehn Jahre lang stand Schreiber im Gerätefinale Ringe der bayerischen Meisterschaften, nun, bei seinem Heimspiel in der Stadtberger Osterfeldhalle, das er selbst organisiert hat, gewinnt er den Titel. „Ich freue mich riesig, dass es auf meine alten Tage noch geklappt hat. Noch dazu hier“, sagt Schreiber glücklich.

    Schon bevor sich der 1,50 Meter große und 50 Kilogramm leichte Turn-Floh am Abend an sein Spezialgerät Ringe heben lässt, fühlt er sich erleichtert. Schreiber ist nicht nur Wettkämpfer, er ist vor allem Trainer. Umso mehr schmerzt ihn, dass er seinen Schützling Lukas Schlotterer, 17, nicht bei der zweiten Qualifikation zur Junioren-Europameisterschaft begleiten kann – wegen der eigenen bayerischen Meisterschaften. Kurz vor dem Ringe-Finale telefoniert Schreiber mit Schlotterer, der ihm freudig mitteilt, dass er als Gesamtzweiter der Qualifikation zur Junioren-EM Ende Mai nach Montpellier (Frankreich) fährt. Der Erfolg des Schülers Schlotterer beflügelt den Lehrer Schreiber im Wettkampf. „Das war mit das Entscheidende“, sagt er.

    Der bayerische Titel überrascht Schreiber. Seit Mittwoch kümmert er sich zusammen mit Markus Lönner (TSG Stadtbergen) um die Organisation der „Bayerischen“, Training und Wettkampf rücken zusehends in den Hintergrund. Vom Toilettenpapier bis zu den Siegerurkunden und Pokalen – Schreiber und Lönner sind dafür verantwortlich. Alles soll passen. Schreiber will die Landesmeisterschaften als Event verkaufen, will dadurch für seinen Sport werben. In der Halle läuft im Hintergrund fetzige Musik, Athleten geben unmittelbar nach ihren Darbietungen Interviews beim launigen Moderator, und die Cheerleadergruppe „Augsburg Raptors“ füllt Wettkampfpausen mit rhythmischen Einlagen.

    Schreibers Bemühen ist verständlich. Turnen reißt oberflächlich keinen Zuschauer von den Sitzen. Keine Zweikämpfe. Keine Tore. Dazu ein komplexes Bewertungssystem, das Expertenwissen erfordert. Immerhin: Der ganz junge Nachwuchs lässt sich begeistern. Der Zulauf sei da, meint Schreiber und lobt das gute Zusammenspiel der Augsburger Vereine in der Nachwuchsarbeit. Ein Beispiel: der kleine Elias Mayer vom TSV Leitershofen. Hoch motiviert jagt der Siebenjährige immer wieder über die mit hellblauem Filz bezogene Bodenturnfläche, schlägt Räder, produziert Purzelbäume und Handstandüberschläge, während die bayerische Elite der Männer sich am Barren einturnt. Elias zählt zur Gruppe von insgesamt 35 Kindern und Jugendlichen, die Schreiber im Leistungszentrum an der Haunstettener Arberhalle betreut. Mit elf, zwölf Jahren, meint der Trainer, nehme das Interesse am Turnen dann allerdings ab. „Andere Sportarten freuen sich über die Grundausbildung, die beim Turnen stattfindet“, erklärt Schreiber. Kinder entwickeln dabei früh ein Gefühl für ihren Körper.

    Muskelkraft. Beweglichkeit. Akrobatik. Die kombinierte Ästhetik spricht an den beiden Wettkampftagen laut Veranstalter rund 800 Zuschauer an. Als zu später Stunde am Sonntagabend das Finale am prestigeträchtigen „Königsgerät“ Reck ansteht, sind die Ränge in der Halle jedoch nur noch spärlich besetzt. Ein letztes Mal drücken die Kraftpakete Arme und Beine durch, spannen jede Faser ihres Körpers an. Allen voran Max Weißenhorn. In der zweiten Bundesliga turnt er für den TSV Buttenwiesen, diesmal startet er für seinen Heimatverein TSV Inningen. Weißenhorn, 22, holt in seinem sechsten Gerätefinale nochmals alles aus seinem Körper heraus, befindet sich gar auf dem Weg zu seinem dritten bayerischen Titel, als er seinen Abgang versaut. Nach dem dreifachen Salto rückwärts strauchelt er gehörig bei der Landung. Zufrieden ist er dennoch. „Ich wollte mich für die deutsche Meisterschaft qualifizieren. Das ist mir gelungen“, sagt Weißenhorn. Am Ende wird er zweifacher bayerischer Meister: am Barren und am Seitpferd.

    Für Weißenhorn sind bayerische Meistertitel fast schon Routine, für Florian Schreiber nicht. Selbst als er, Lönner und das Helferteam mit dem Abbau beginnen, strahlt Schreiber noch.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden