Bundestrainer Thomas Apel nennt sie mit einem Lächeln „das Traumpaar des Kajaksports“, Melanie Pfeifer und Hannes Aigner tragen es mit Fassung, wenn sie gleich zu Beginn des Gesprächs auf ihre Liebesbeziehung angesprochen werden. Die Kajakfahrerin der Kanu-Schwaben und ihr Freund vom Augsburger Kajakverein (AKV) bevorzugen den Slalom – mit und ohne Boot. „Wir waren bereits von 2007 bis 2009 zusammen, nun sind wir seit Januar wieder ein Paar“, erzählt die 24-Jährige, ihr Freund sitzt daneben und schmunzelt.
Das Jahr hat nicht nur privat perfekt begonnen. Pfeifer und Aigner waren die dominierenden Fahrer bei der Qualifikation für die Nationalmannschaft in Markkleeberg bei Leipzig. „Aber ich sehe mich deshalb nicht als besten deutschen Kajakfahrer“, zeigt sich Aigner vor der Europameisterschaft diese Woche in La Seu d’Urgell in den katalonischen Pyrenäen ebenso zurückhaltend wie seine Freundin. „Wir können alle drei vorne dabei sein“, ist Melanie Pfeifer auch von Kolleginnen wie Claudia Bär (ebenfalls Schwaben) überzeugt.
Sechsfache U-23-Europameisterin
Die gebürtige Frankfurterin Pfeifer hatte früher häufig ein Problem, weil sie zu sehr darüber nachdachte, was im Wildwasser alles schief gehen kann. „In der Qualifikation habe ich aus meinen Fehlern gelernt.“ Nun will die sechsfache U-23-Europameisterin auch international durchstarten. Die Europameisterschaft diese Woche schätzen die Sportler höher ein als viele Funktionäre. „Ich war 2009 Vierte, damals hat mir keiner gratuliert“, so Pfeifer.
Die Team-Vizeweltmeisterin 2010 wirkt mit ihren 52 Kilogramm geradezu zierlich, kann ihrem Boot aber mit viel Gefühl die richtige Richtung geben. „Leider habe ich nicht so lange Arme wie Hannes. Er fährt aus einem Auswärtstor, legt sich nach vorne und kann das Kajak sehr schnell beschleunigen.“
Aigner wirkt nicht überhastet bei der Paddelarbeit und hat sich dennoch im Eiltempo in der Weltklasse etabliert. Vergangenes Jahr gewann der ehemalige Junioren-Weltmeister in Augsburg seinen ersten Weltcup und mit Olympiasieger Alexander Grimm sowie Fabian Dörfler (beide Schwaben) die Mannschafts-Weltmeisterschaft. „Es wäre schön, wenn ich an die Leistungen von 2010 anknüpfen könnte.“
Aigner strahlt Ruhe aus – auch wenn das im tosenden Wildwasser vielen nicht leicht fällt. Die Nervenstärke ist eine der Vorzüge des AKV-Paddlers, der sich von seinem Sport nicht komplett vereinnahmen lässt. Die Bundeswehr bietet wirtschaftliche Sicherheit, ein BWL-Studium an der Uni soll ihm später den Weg in den Beruf ebnen. Aigner ist dankbar für die Ablenkung.
Auch seine Freundin vertraut einem ähnlichen Prinzip. Sie studiert BWL an der FH und ist ebenfalls Hauptgefreite bei der Sportfördergruppe Sonthofen. „Bis zum nächster Frühjahr.“ Dann fällt die Entscheidung über die Olympiatickets. In jeder Bootskategorie darf nur ein Kanute nach London. „Die Anspannung wird dann riesengroß sein“, weiß Aigner. Viel größer als diese Woche bei der Europameisterschaft in Spanien.