Einmal und nie wieder“, dachte sich Augsburgs Ballettdirektor Robert Conn, als er die erste Ballettgala im Theater organisierte. Schließlich lässt sich der Abend mit vielen nationalen und internationalen Gästen nicht einfach nebenbei arrangieren. Mittlerweile hat sich die Gala jedoch zu einem seiner Lieblingsprojekte und für das Publikum zu einem Höhepunkt im Ballettjahr entwickelt. So öffnete sich am Freitag zum fünften Mal der Vorhang für ein Programm, das Ballettfans Leckerbissen an Leckerbissen servierte. Souverän führten Vivien Arnold vom Stuttgarter Ballett und Erich Payer, Augsburgs Ballett-Doyen, durch den Abend.
Fünf Gastpaare aus dem In- und Ausland zeigten Perlen des klassischen Ballettrepertoires und modernes Tanztheater. Außerdem setzte der Performancekünstler Dergin Tokmak mit seinem Krückentanz „Dergin’s Nightmare“ einen eigenen Akzent. Wer den Augsburger aber in seinen furiosen Inszenierungen für den Cirque du Soleil erlebt hat, vermisste etwas vom dort gezeigten Einfallsreichtum.
Ein interessanter Vergleich bot sich dem Publikum, als die Solistin der Wiener Staatsoper, Maria Yakovleva, Michel Fokines Solo vom „Sterbenden Schwan“ tanzte. Vergangenes Jahr hatten die Zuschauer das Stück zur Musik von Camille Saint-Saëns in einer modernen Interpretation von Startänzer Vladimir Malakhov gesehen, dieses Jahr nun folgte eine klassische Version: Anmutig trippelte Yakovleva auf der Spitze die berühmten Pas de bourrée und imitierte graziös den Flügelschlag des Schwans. Mit ihrem Partner Kirill Kourlaev zeigte die Wiener Tänzerin außerdem den Moszkowski-Walzer und einen hochdramatischen Pas de deux des russischen Choreografen Boris Eifman aus „Anna Karenina“ .
Vom Stuttgarter Ballett kamen die beiden ersten Solotänzer Jason Reilly und Katja Wünsche mit der komisch inszenierten Kampfszene aus John Crankos „Der Widerspenstigen Zähmung“, in der Shakespeares Wortgefechte zwischen Petruccio und Katharina in einem furios getanzten Schlagabtausch wiedergegeben werden. Außerdem begeisterten die Stuttgarter mit zwei außergewöhnlichen Soli: Katja Wünsche in einer strengen Körperstudie von Marco Goecke, Jason Reilly in einer vergnüglichen, von Eric Gauthier zusammengestellten Übungsstunde, in der die fünf Positionen des klassischen Balletts auf 101 erweitert werden.
Alles, was das klassische Ballett aufzuweisen hat
Maria Zhuk und Maksim Woitiul vom Polnischen Nationalballett überzeugten mit einer ausdrucksstarken Interpretation des Kurt-Weill-Liedes „Wie lange noch“ und dem Pas de deux aus „Don Quichotte“. Ein Höhepunkt war die Aufführung des Pas de deux aus „Le Corsaire“. Was das klassische Ballett an Fouettés, Pirouetten, Arabesquen, Hebefiguren und Sprüngen aufzuweisen hat, zeigten Margarita Solodova und der sprungstarke Avetik Karpetyan vom Schwedischen Ballett in vollendeter Technik und Grazie – hinreißend schön.
Noch ein Glanzlicht bleibt in Erinnerung: „Pour un Clin D’Oeil“ der Leipziger Tänzer Federica Vincifori und Tomás Ottych. Zu einer eigenwilligen Klangcollage und mit ausgefeilten Lichtakzenten interpretierten sie die Beziehung eines Mannes und einer Frau, die miteinander nicht wollen, aber ohne einander nicht können. Tanzkunst paarte sich mit Expressivität – ein ergreifender Augenblick.
Und die Gastgeber? Das Augsburger Ballett präsentierte sich mit der Ballszene aus Mauro de Candias „Cinderella“ und der Uraufführung „Something I Had in Mind“ desselben Choreografen, einer in manchen Teilen etwas albern geratenen Parodie auf die hohe klassische Schule. Mit dem Pas de deux aus William Forsythes „Herman Schmerman“ bestätigten Kelly Tipton und Patrick Howell allerdings, auf welch hohem Niveau in Augsburg getanzt wird, auch wenn keine profilierten Tänzer anderer Häuser zu Gast sind.