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Ballettgala: Von der Anmut bis zur Ironie

Ballettgala

Von der Anmut bis zur Ironie

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    Die Ballerina mit Brille, das glitzernde Nashorn im Hintergrund, nicht alles ist in Christian Spucks „Le Grand Pas de Deux“ so ernst zu nehmen wie die technische Brillanz, mit der Elisa Carrillo Cabrera und Mikhail Kaniskin tanzten.
    Die Ballerina mit Brille, das glitzernde Nashorn im Hintergrund, nicht alles ist in Christian Spucks „Le Grand Pas de Deux“ so ernst zu nehmen wie die technische Brillanz, mit der Elisa Carrillo Cabrera und Mikhail Kaniskin tanzten. Foto: Foto: Nik Schölzel, Theater Augsburg

    Wann kann man schon einen Jahrhunderttänzer wie Vladimir Malakhov, wann kann man Mitglieder des Stuttgarter Balletts, das in der Fachwelt gerne als „Ballettwunder“ bezeichnet wird, und Choreografien von William Forsythe und Maurice Béjart, die als Perlen der Ballettgeschichte gelten, an einem Abend auf einer Augsburger Bühne erleben? Die jährliche Ballettgala im Theater macht’s möglich. 13 Tänzer aus international renommierten Ensembles hatte Ballettdirektor Robert Conn in diesem Jahr eingeladen. Das Publikum weiß diese Herausforderung, der sich die Verantwortlichen am Samstagabend nun im vierten Jahr gestellt haben, zu schätzen. Nicht umsonst ist dies neben dem Opernball die Veranstaltung des Hauses, die am schnellsten ausverkauft ist.

    Schon in den ersten beiden Stücken des Abends zeigte sich, dass der Spagat in der Ballettsprache nicht nur jene Figur mit den weit auseinander gestreckten Beinen ist, sondern auch als Synonym für die Bandbreite dieser Kunst stehen kann. Anais Chalendard vom English National Ballet und Flavio Salamanka, Ensemblemitglied des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, feierten mit „Grand Pas Classique“, einem in seinen Wechseln aus männlichen und weiblichen Soli streng aufgebauten Pas de deux, das klassische Ballett in seiner Reinform. Mit der Uraufführung „Binary“ von Pedro Dias setzten der Bayerische Kammertänzer Alen Bottaini und Yuki Yasuda dann zeitgenössisches Bewegungsvokabular entgegen.

    Die Choreografen sind Teil der Ballettgeschichte

    Zwei der eindringlichsten Vorführungen gelangen Aki Saito und Wim van Lessen vom Königlichen Ballett Flandern, das als d i e aufstrebende Truppe im europäischen Ballett gilt, mit William Forsythes dynamischem „In the middle, somewhat elevated“ und Maurice Béjarts moderner Spielart eines klassischen Pas de deux „Sonate“ auf die Musik von Johann Sebastian Bach. Beide Choreografen sind eingegangen in die Ballettgeschichte, weil sie das klassische Repertoire erneuert und auf den Kopf gestellt haben.

    Deren Arbeiten auf der Bühne zu erleben, war einer der umjubelten Höhepunkte dieser Ballettgala, die neben wenigen verzichtbaren, weil etwas langweiligeren Darbietungen („Barocco“ oder das „Giselle“-Pas-de-deux aus dem zweiten Akt) reich war an spannenden und virtuosen Momenten. Dazu zählten die in einem engen Lichtspot exzentrisch und kraftvoll getanzte „Fanfare LX“ mit Anna Osadencenk und Evan McKie (Stuttgarter Ballett), ebenso Mauro Bigonzettis elegisches „Caravaggio“ (Staatsballett Berlin), vor allem aber die höchst dramatische und verstörende Choreografie „Forbidden Breath“ des ehemaligen Augsburger Ensemblemitgliedes Stéphen Delattre, die den Überfall auf eine Frau thematisiert.

    Am Ende des Abends war es dann natürlich auch der Auftritt des Intendanten und Tänzers des Staatsballetts Berlin, Vladimir Malakhov, der das Publikum zum Jubeln brachte. Höchst emotional, mit unglaublicher Anmut und Grazie interpretierte er die klassische Paraderolle vieler großer Ballerinen „Der sterbende Schwan“ aus Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“ in einer neuen, zeitgenössischen Choreografie von Mauro de Candia.

    Die Publikumslieblinge der letzten Galas, Eric Gauthier und seine Truppe aus Stuttgart, waren diesmal nicht in Augsburg zu sehen, da sie am gleichen Abend selbst eine Gala veranstalteten, dennoch mussten die Zuschauer auf ein humoristisches Element im Programm nicht verzichten. In der ironisch gebrochenen Version eines Pas de deux nimmt Choreograf Christian Spuck augenzwinkernd Pathos und Graziösität des klassischen Duetts gehörig auf die Schippe, lässt dabei aber an technischer Brillanz der Schritte, Sprünge, Pirouetten nichts fehlen. Mikhail Kaniskin als genervter Ballerino und Elisa Carillo Cabrera als Ballerina mit Brille und Handtäschchen (beide Staatsballett Berlin) vollbrachten diese schauspielerische und tänzerische Meisterleistung.

    Die für den Abend erarbeiteten Choreografien fielen etwas ab

    Die Augsburger Ballettcompagnie präsentierte sich mit Auszügen aus der aktuellen Shakespeare-Produktion und mit Choreografien von Maurice Causey und Alejandro Cerrudo, die neugierig machten auf die Premiere „Gemischtes Doppel“ am kommenden Mittwoch. Angesichts der choreografischen Meisterleistungen, mit denen das Galaprogramm aufwartete, fielen die Choreografien, die Ensemblemitglied Riccardo de Nigris („Ausbruch“) und Robert Conn („Flipside“) speziell für diesen Abend erarbeitet hatten, leider etwas ab. Angesichts des Gespürs für außergewöhnlichen Tanz, das Conn bei der Zusammenstellung dieser Gala bewies, ist dies zu verschmerzen.

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