Der Augsburger Bischof Walter Mixa soll nach Informationen unserer Zeitung während seiner Zeit als Eichstätter Bischof (1996 bis 2005) einen Jungen sexuell missbraucht haben. Das mutmaßliche Opfer war zum Tatzeitpunkt offensichtlich minderjährig. Der Vorwurf wiegt schwer: Erstmals muss sich ein deutscher Bischof dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs stellen.
Sowohl die Staatsanwaltschaft Ingolstadt als auch die bayerische Justizministerin Beate Merk bestätigten, dass Vorermittlungen eingeleitet worden sind. Der Leitende Oberstaatsanwalt aus Ingolstadt, Helmut Walter, erklärte: "Aus ermittlungstaktischen Gründen können derzeit über Ziel und Vorgehensweise keine weiteren Auskünfte erteilt werden." Dass es schon in Kürze auch zur Eröffnung eines förmlichen Ermittlungsverfahrens kommen wird, gilt als sicher.
Das Bistum Augsburg selbst hatte die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, nachdem ein erster Hinweis bei den neu eingerichteten Anlaufstellen für sexuellen Missbrauch eingegangen war. Nach "sorgfältiger Prüfung" und in Übereinstimmung mit den neuen Leitlinien der Bischofskonferenz für solche Verdachtsfälle entschied man sich im Bistum für den ungewöhnlichen Schritt, den noch amtierenden Bischof anzuzeigen. Die Annahme des Rücktrittsgesuchs von Bischof Mixa durch den Papst, hieß es gestern, stehe allerdings unmittelbar bevor; die Entscheidung zur Annahme des Rücktritts sei schon vor dem Bekanntwerden der neuesten Vorwürfe gefallen.
Über das Opfer ist wenig bekannt
Über das mutmaßliche Opfer und den genauen Tatvorwurf ist bislang wenig bekannt. Spekulationen, nach denen es sich um einen minderschweren Fall von sexuellem Missbrauch, also etwa um "unsittliche Berührungen" handeln könnte, wurden gestern nicht bestätigt. Mixa war in den letzten Jahren gelegentlich vorgeworfen worden, ein "Problem mit Nähe und Distanz" gegenüber jungen Männern im Priesterseminar zu haben. Konkrete Vorwürfe im Sinne sexueller Übergriffe gab es aber bislang nicht.
Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt wurde von der Generalstaatsanwaltschaft München über den Sachverhalt unterrichtet und beriet gestern umgehend über das weitere Vorgehen. Die Vorermittlungen sollen in enger Abstimmung mit der Kriminalpolizei in Ingolstadt erfolgen.
Bischof Mixa, der sich seit Einreichen seines Rücktrittsgesuchs in einem Schweizer Sanatorium aufhält, meldete sich gestern Nachmittag zu Wort. Der Augsburger Bischof hat den renommierten Augsburger Strafverteidiger Gerhard Decker mit seiner Vertretung beauftragt. Decker erklärte gegenüber unserer Zeitung: "Mein Mandant weist die jetzt gegen ihn erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück und wird nach Kräften mit der Staatsanwaltschaft Ingolstadt zusammenarbeiten, um den Fall restlos aufzuklären." Weiter erklärte Decker, er bemühe sich derzeit um Akteneinsicht.