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Schmiergeldprozess: Bernie Ecclestone und das Zwei-Milliarden-Risiko

Schmiergeldprozess

Bernie Ecclestone und das Zwei-Milliarden-Risiko

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    Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat die Millionen-Zahlungen an den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky vor Gericht eingeräumt.
    Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat die Millionen-Zahlungen an den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky vor Gericht eingeräumt. Foto: dapd

    War es Bestechung? War es Erpressung? Oder war die Überweisung von 44 Millionen Dollar so etwas wie eine vorsorgliche Zahlung zur Vermeidung eines Risikos in Höhe von gut und gerne zwei Milliarden Pfund? Wohlgemerkt: englische Pfund! Der Milliardär und Formel-1-König Bernard („Bernie“) Ecclestone sollte im Schmiergeldprozess gegen den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky gestern vor dem Landgericht München zur Klärung dieser Fragen beitragen. Der 81 Jahre alte und nur etwa 1,60 Meter große Tycoon aus der schillernden Welt des Rennsports tat es. Aber er tat es auf eine sehr eigentümliche Art.

    Dreieinhalb Stunden gewartet

    Dreieinhalb Stunden mussten die Prozessbeobachter auf Ecclestones Auftritt warten. Grund für die Verzögerung war, wie Staatsanwalt Martin Bauer es nannte, „eine akute Panikattacke der Verteidigung“. Gribkowskys Anwälte hatten versucht, den Prozess mit einem Befangenheitsantrag gegen die drei Berufsrichter platzen zu lassen.

    Erst kurz vor 13 Uhr kam Ecclestone, begleitet von Staranwalt Sven Thomas, einem weiteren Anwalt für Zivilrecht und einer eigenen Übersetzerin. Er nickte freundlich in Richtung des Angeklagten. Gribkowsky erwiderte lächelnd mit einem kurzen Winken. Peter Noll, der Vorsitzende Richter, begrüßte den freiwillig aus London angereisten Zeugen mit ausgesuchter Höflichkeit. „Grüß Gott in München.“ Und er entschuldigte sich fast für die Belehrung, wonach ein Zeuge die Wahrheit sagen muss, aber schweigen darf, wenn er sich selbst belasten würde. „Das ist kein Misstrauen Ihnen gegenüber“, betonte Noll.

    Überfallartige Befragung

    Auf dieses freundliche Vorspiel allerdings folgte eine fast überfallartige Befragung. Eigentlich habe er nur zwei Fragen, sagte der Richter und fuhr fort: „Die erste ist, trifft es zu, dass Sie dem Angeklagten erhebliche Summen haben zukommen lassen über österreichische Firmen?“ Ecclestone: „Yes.“ Richter Noll: „Die zweite Frage ist noch kürzer: Warum?“ Ecclestones Antwort, ins Deutsche übersetzt: „Es lag daran, dass ich zu der Zeit wirklich keine andere Möglichkeit sah.“

    Damit war die Befragung des prominenten Zeugen binnen weniger Minuten beim heiklen Kern der Sache angekommen. Der Hintergrund ist bekannt: Die BayernLB war nach der Pleite des Münchner Medienunternehmers Leo Kirch in den Besitz von 62 Prozent der Formel-1-Anteile gekommen. Gribkowsky hatte als Risikovorstand die Aufgabe, diese Anteile möglichst gut zu verkaufen, um den Verlust der Bank zu begrenzen. Ecclestone fürchtete um seine Führungsrolle bei der Formel 1. Als dann der Finanzinvestor CVC Interesse zeigte und darauf bestand, Ecclestone als Schlüsselperson zu halten, schien alles zu passen. Gribkowsky hatte zur Freude der Bank einen unerwartet hohen Kaufpreis (840 Millionen Dollar) ausgehandelt. Ecclestone blieb im Geschäft. Warum also überwies er Gribkowsky 44 Millionen Dollar ins schöne Österreich?

    Ecclestone hatte ein anderes Problem

    Ecclestone hatte, wie er vor Gericht wortreich erklärte, ein ganz anderes Problem. Er hatte seiner Frau ein Vermögen übereignet. Das Geld war in einer Art Stiftung angelegt. Allein der Verdacht, dass er über dieses Geld verfüge, hätte ausgereicht, ihm die britische Steuerbehörde auf den Hals zu hetzen. Das Risiko für diesen Fall bezifferte er mit „zwei Milliarden Pfund“.

    Gribkowsky habe davon gewusst und immer wieder davon geredet, ihn allerdings nicht erpresst, sagte Ecclestone. „Er hat nie konkret gesagt oder gedroht, dass irgendetwas passieren würde. Aber ich konnte das Risiko nicht in Kauf nehmen.“ Gleichzeitig habe Gribkowsky mehrfach versucht, ihn als Investor für seine eigenen geschäftlichen Pläne in der Formel 1 zu gewinnen. Er habe aber nicht gewollt und stets ausweichend geantwortet. „Das ist das englische Nein“, fügte er hinzu.

    Schallendes Gelächter

    Gezahlt hat er schließlich doch. Er sei, so sagte er, „Opfer subtiler Drohungen“ gewesen. Es sei ihm darum gegangen, Gribkowsky „ruhig, friedlich und freundlich zu halten, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt“. Eine zielgerichtete Investition in Geschäfte war das Geld offenkundig nicht. Ecclestone: „Wir sind übereingekommen, dass ich die Zahlung leiste und dass wir später schon auseinanderklamüsern, wofür das gedacht ist.“ Für den Satz erntete der 81-Jährige im Gerichtssaal schallendes Gelächter.

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