Aus Ärger über Falschparker entdeckte Arthur Schifferer ein Geschäftsmodell: Als harter "Sheriff", bekämpfte er all jene, die Stellplätze anderer blockieren. Seit vier Wochen sitzt er in Haft. Von Jörg Heinzle

Begonnen hat für Arthur Schifferer (30) alles mit einem Parkplatz, zehn Quadratmeter groß. Ein vorläufiges Ende hat die Sache jetzt im Augsburger Gefängnis genommen. Dort sitzt er seit einem Monat in Untersuchungshaft. Seine Zelle misst etwa neun Quadratmeter - mit Bett, Waschbecken, Toilette, Schrank, Tisch und Stuhl.
In Justizkreisen erzählt man sich, Schifferer wünsche sich eine "Playstation" für seine Zelle. Der 30-Jährige, einst erfolgreicher Kickboxer, Versicherungsmakler und Privatdetektiv, langweilt sich. Das ist kein Wunder: In letzter Zeit hatte er eine Menge zu tun.
Schifferer inszenierte sich erfolgreich als gefürchteter Parkplatzwächter. Als harter "Sheriff", der für all jene kämpft, deren Stellplätze blockiert werden. Schifferer mit dunkler Sonnenbrille, verschränkten Armen und strengem Blick - dieses Bild war bundesweit in den Medien zu sehen.
Eigenen Angaben zufolge hatte er zuletzt in vielen Städten Deutschlands Kunden, die seine Dienste als Parkplatzwächter nutzten. Darunter Supermärkte, Fast-Food-Ketten und große Kinos. Sie alle plagte dasselbe Problem: Autofahrer, die die Kundenparkplätze blockierten.
Die Polizei ist keine Hilfe. "Bei Privatgrundstücken ist das eine zivilrechtliche Sache", sagt Augsburgs Polizeisprecher Robert Göppel. "Dafür sind wir nicht zuständig." Diese Erfahrung machte auch Arthur Schifferer, als er an einer Ausfallstraße in Augsburg im Jahr 2006 ein Versicherungsbüro eröffnete.
Sein einziger Stellplatz war ständig zugeparkt. Irgendwann platzte ihm der Kragen. Er installierte eine Kamera, notierte Kennzeichen und gab sie an eine Kanzlei weiter. Die Anwälte ermittelten die Halter und schickten ihnen eine Abmahnung sowie eine satte Rechnung - über 113,64 Euro. Was aus Ärger über Falschparker begonnen hatte, wurde so rasch ein Geschäftsmodell.
Schifferer zog den Preis an, verlangte über 450 Euro und versandte die Abmahnungen massenhaft an Hunderte Falschparker. Selbst ein Rettungswagen geriet ins Fadenkreuz. Ebenso rasch regte sich Widerstand. Der Chef eines Friseurladens in der Nähe erklärte sich zum "Zentrum des Widerstands", organisierte eine Demo von Betroffenen. Anwälte wurden eingeschaltet, die Justiz kam ins Spiel. Der "Sheriff" musste die Kosten senken, generell aber gaben ihm die Gerichte recht.
Negativschlagzeilen waren für Schiffer kostenlose Werbung. Parkplatzbesitzer, die sich nicht mehr zu helfen wussten, wandten sich an ihn. Selbst am Augsburger Klinikum engagierte man ihn. Doch dort ruderten die Verantwortlichen zurück, aus Angst um den guten Ruf.
Jetzt scheint Schifferer den Bogen überspannt zu haben. Ende Oktober klickten die Handschellen. Seither liegt das Geschäft brach, sagt Anwältin Catharina Neske-Müller. In Haft wartet er auf einen Prozess, in dem es um Nötigung, Erpressung und Beleidigung gehen soll.
Schauplatz ist dieses Mal ein Ärztehaus nahe der Augsburger City-Galerie. Schifferer soll dort auch Autofahrer mit einer Parkkralle festgehalten haben, die nur ganz kurz parkten. Wegfahren durften sie erst wieder, wenn sie 100 Euro und mehr zahlten. Das ist Erpressung, meint die Staatsanwaltschaft, und listet gleich 53 solcher Fälle auf. Dazu kommt Schifferers Vorleben: Er ist wegen anderer Delikte vorbestraft.
Auf dem Parkplatz des Ärztehauses gab es regelmäßig Ärger. Der "Sheriff" legte einem Feuerwehrauto die Kralle an, einer seiner Mitarbeiter soll einem Autofahrer mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Aber auch Schifferer musste in dem "Parkplatzkrieg" einstecken.
Ein Falschparker habe ihn umgefahren, klagte er. An seinem Abschleppwagen wurden die Reifen aufgeschlitzt. Ans Aufgeben scheint er, der sich im Kickboxen bis an die bayerische Spitze kämpfte, nicht zu denken. "Ich lasse mich nicht stoppen", verkündete er noch im Juli selbstsicher. Jörg Heinzle
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