Die Alpen versinken im Schnee, im Flachland fühlt sich’s eher wie Frühling an. Der Forstwissenschaftler Ralf Petercord von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising gibt einen Tipp ab: Wegen des milden Winters könnte es in diesem Jahr mehr Zecken geben. Doch: Es ist erst Mitte Januar, für Prognosen ist es zu früh. Es kann ja noch einen richtigen Frost kommen. Auch wie sich die diversen Insekten entwickeln, lässt sich noch nicht vorhersagen. Und da kommt es darauf an, wo und in welchem Stadium die einzelnen Arten überwintern, sagt Petercord. Die Mücke beispielsweise als Ei. Sie ist so bestens geschützt, die Witterung macht ihr also nichts aus. „Ein milder Winter macht nicht mehr oder weniger Mücken.“ Entscheidend für die Population ist das Wetter im Frühjahr. Wenn es warm und feucht ist, vermehren sie sich prächtig.
Borkenkäfer profitieren von milden Temperaturen
Borkenkäfer, die unter der Rinde überwintern, bohren sich, wenn es kalt wird, ins Holz. Dort sind sie geschützt. Die Larven haben diese Möglichkeit nicht, deshalb ist die Sterblichkeit bei ihnen höher. Arten, die im Boden aufs Frühjahr warten, haben es unter der Schneedecke schön. Wenn es warm ist wie jetzt, sind die Pilze aktiver und werden zur Gefahr. Problematisch sind ständig wechselnde Temperaturen. Dann müssen die Insekten ständig reagieren und das kostet Energie.
Dass der Borkenkäfer von den milden Temperaturen profitieren könnte, davon geht auch Hubert Droste, Leiter des Forstbetriebs Zusmarshausen (Kreis Augsburg) des Waldunternehmens Bayerische Staatsforsten, nicht aus. Man habe den Schädling, der für Fichten tödlich ist, im Griff. Wegen der großen Nachfrage nach Brennholz und Hackschnitzel ist kaum Brutmaterial im Wald. Natürlich müsse man immer auf der Hut sein. Petercord macht sich eher Sorgen um Sträucher und kleinere Bäume wie Weide und Hasel. Wenn sie keine Winterhärte aufgebaut oder sie bereits verloren haben, kann ein Frost Schäden verursachen. Das kann auch bei Buchen und Eichen passieren.
Zierpflanzen haben keine Probleme mit frühlingshaftem Winter
Den Zierpflanzen macht der milde Winter nichts aus, sagt Ernst Klebrig, Gartenmeister im Botanischen Garten in Augsburg. Im Gegenteil: Sie überwintern dieses Mal sehr gut. Seine Mitarbeiter schneiden die Sträucher bereits zurück. Die Winterfeuchtigkeit tut nach dem trockenen Herbst gut. Im Übrigen reagieren Pflanzen nicht nur auf die Temperatur, sondern auch auf die Dauer des Tageslichts.
Entwarnung gibt auch Wolfgang Sailer, Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten Augsburg. Die Böden sind dank des Regens gut feucht. Das Gras auf den Wiesen stellt das Wachstum ein, sobald es kälter wird. Die Landwirte haben ihre Hausaufgaben im Herbst gemacht. Das Wintergetreide ist ausgesät. Es ist noch nicht so weit, dass ihm ein Frost schaden würde.
Zu schaffen macht der milde Winter allerdings der Forstwirtschaft. Es ist Haupterntezeit im Wald, doch der Boden ist zu nass. Das Holzrücken ist deshalb weitgehend eingestellt worden, sagt Forstbetriebsleiter Droste. Er wünscht sich klirrenden Frost über vier Wochen und keinen Schnee. „Ein Wintereinbruch wäre fatal.“ Denn der Schnee legt sich wie eine Daunendecke auf den Waldboden, die Kälte kann nicht reinziehen. Da helfe dann nur, mit der Erntemaschine eine Spur zu ziehen. Der Boden wird auf diese Weise freigelegt. Dann kann er leichter gefrieren.
Waldbesitzer unter Zeitdruck
Die Waldbesitzer haben ihre Lieferverträge mit den Sägewerken und sie stehen unter Zeitdruck. Der Holzeinschlag muss im März beendet sein. Die Vegetationszeit beginnt wegen des Klimawandels immer früher. April und Mai sind kritische Monate. Die Bäume sind bereits im Saft und extrem empfindlich. Schnell reißt die Rinde ab. Am Stamm entstehen Schäden.