Mittwoch, 3. September 2014

24. März 2008 19:15 Uhr

Kuriose Namen

Die Ortstafel als Souvenir

Vor allem für englischsprachige Touristen sind manche unserer Ortsnamen zum Lachen - und nicht selten verschwinden Schilder in der privaten Sammlung. Von Axel Schmidt

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Von Axel Schmidt

Augsburg. Auf der Insel Anglesey im Nordwesten von Wales gibt es laut dem Guiness Buch der Rekorde den längsten Ortsnamen der Welt: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch - exakt 58 Buchstaben stehen auf dem Ortsschild, das zu einem beliebten Touristenziel wurde.

Doch auch in unseren Breitengraden scharen sich immer wieder vor allem englischsprachige Touristen um Ortstafeln. Fleißig werden Fotos an den Ortseingängen von Kissing (Kreis Aichach-Friedberg), Petting (Kreis Traunstein) oder Rottenegg (Kreis Pfaffenhofen an der Ilm) gemacht. Die Gemeinden freut's, immerhin landen sie so in internationalen Fotoalben und werden über die Grenzen hinaus bekannt. Allerdings hört der Spaß schnell auf, wenn sich Touristen der Ortsschilder als Souvenirs bemächtigen.

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So wurden in Kissing vor einigen Jahren die Ortstafeln entwendet, in Petting schlugen die Schilderräuber erst kürzlich zu. "Die Schrauben der neuen Tafeln in Petting haben wir nun abgeschliffen. Das stellt für Souvenirjäger schon einen größeren Aufwand dar", erzählt Alois Bleim vom Bauhof des Landkreises Traunstein. Problematisch seien weniger die Kosten der Schilder - der Katalogpreis für eine einzelne Ortstafel beträgt 478 Euro plus Mehrwertsteuer -, sondern vielmehr der große Arbeitsaufwand. "Wenn ein Ortsschild fehlt, müssen wir an der Stelle provisorisch ein Schild für die Geschwindigkeitsbegrenzung aufstellen. Das neue Schild kommt dann meist erst nach vier Wochen", erklärt Bleim.

In Österreich hat der kleine Ort Fucking reagiert und seine Ortstafeln einbetoniert und festgenietet, um sie so vor Diebstahl zu sichern. Doch auch das hilft nicht, wie Bürgermeister Franz Meindl berichtet: "Die letzten Schilder haben sie am Sockel aufgebohrt und mitgenommen." Er würde am liebsten nichts mehr von dem kleinen Ortsteil der Gemeinde Tarsdorf in der Presse lesen: "Es gibt in Fucking nur fünf Bauernhäuser. Lasst's das Dorf halt in Ruh'", fleht er und gibt jedem Touristen gleich noch einen Tipp mit auf den Weg: "Lest's den Namen einfach auf Deutsch." Die Gemeinde Kissing geht da einen anderen Weg - wohl auch, weil die englische Bedeutung weit weniger verfänglich ist als im Fall Fucking. Bürgermeister Manfred Wolf vermarktet den Ortsnamen mit einem eigens kreierten Logo - einem knallroten Kussmund. Dieses Logo prangt nun auf Kaffeetassen, die gerne verschenkt werden. "Oft ist es so, dass es erst beim Betrachten des Logos klick macht", weiß Wolf.

Noch nicht so vermarktet, aber dennoch in Internetforen zum Thema "Seltsame Ortsnamen" vertreten ist Tussenhausen. Die Marktgemeinde im Unterallgäu hat bislang noch kein Problem mit Ortsschild-Touristen. "Davon, dass unser Ortsschild eine Attraktion sei, habe ich noch nichts mitbekommen", sagt zweiter Bürgermeister Manfred Mayer.

Das könnte sich ändern, wenn erst die Legende die Runde macht, dass Tussenhausen einst nahe am biblischen Paradies gelegen sein soll. So zumindest wird es in dem kleinen Ort gern mit einem Schmunzeln erzählt: Als Gott nämlich den Sündenfall bemerkte, setzte er Adam und Eva vor die Tür und befahl ihnen mit Allgäuer Zungenschlag: "Jetzt miasad'r dussa hausa."

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