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31. März 2010 20:55 Uhr

Misshandlungsvorwürfe

Hat Bischof Mixa Kinder mit der Faust gezüchtigt?

Augsburgs Bischof Walter Mixa werden "systematische körperliche und seelische Misshandlungen" aus seiner Zeit als Schrobenhausener Stadtpfarrer vorgeworfen. Auch die Augsburgerin Monika Bernhard war nach eigenen Angaben betroffen. Das Bistum sagt: Nichts daran ist wahr. Von Norbert Eibel, Alois Knoller und Daniel Wirsching

Augsburgs Bischof Dr. Walter Mixa.
Foto: Fred Schöllhorn

Es klang wie ein Seufzer: "In der Kirche ist es nicht immer gelungen, das Böse durch das Gute zu besiegen", räumte der Augsburger Bischof Walter Mixa in seiner Predigt vor zahlreichen Priestern aus der ganzen Diözese mit Blick auf den sexuellen Missbrauch von Kindern ein.

In der sogenannten Chrisammesse im Augsburger Dom ging Mixa am Mittwoch jedoch nicht auf die Vorwürfe gegen ihn selber ein, die fünf ehemalige Heimkinder des Kinder- und Jugendhilfezentrums St. Josef in Schrobenhausen erhoben hatten.

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Monika Bernhard, die in Augsburg lebt, ist eines dieser ehemaligen Heimkinder, die sich nun an die Öffentlichkeit wagten. Die 47-Jährige gab am Mittwoch Vormittag ein Interview nach dem anderen. Sie wolle durchhalten, ganz Deutschland solle mitkriegen, was ihr und anderen vor 30 Jahren passiert sei.

"Ich würde auch vor Gericht gehen", entgegnete sie auf die Stellungnahme des Bistums Augsburg, die Vorwürfe seien unwahr und erfunden. Sie hatte bereits der Süddeutschen Zeitung, die ihren Fall öffentlich machte, schriftlich versichert, dass sie die Wahrheit gesagt habe. "Mixa setzt sich jetzt zur Wehr und damit habe ich gerechnet. Mixa gehört bestraft. Eine Entschuldigung nützt mir weniger", sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zwei bis drei Mal sei sie von Walter Mixa, dem damaligen Schrobenhausener Stadtpfarrer, im Kinderheim geschlagen worden, sagte Monika Bernhard. "Das waren Schläge mit der flachen Hand und Faust ins Gesicht." Einmal habe Mixa sie so gewaltig geschlagen, dass sie in ein Bett gefallen sei.

"Mixa war der Herr im Haus und hat für Ordnung gesorgt"

Dies sei geschehen, nachdem sie "etwas angestellt" habe. Sie wurde danach auf ein Mehrbettzimmer gerufen, in dem Mixa sie erwartete. Er habe sie in "barschem Ton" angeredet, und nach einer "patzigen Antwort" von ihr habe er ihr die Watschen gegeben. Mehreren Freundinnen sei es ähnlich ergangen. "Immer wenn wir unartig waren, haben uns die Nonnen mit dem Stadtpfarrer gedroht." Der sei geholt worden, wenn die Nonnen überfordert gewesen seien. Auch die Schwestern hätten die Kinder geschlagen. "Mixa war der Herr im Haus und hat für Ordnung gesorgt."

Zu den jetzt bekannt gewordenen Vorwürfen, die durch eidesstattliche Erklärungen bekräftigt wurden, gehört, dass Mixa ein Kind mit einem Kochlöffel und ein anderes mit einem Teppichklopfer auf das Gesäß geschlagen habe. Die Rede ist von "systematischen körperlichen und seelischen Misshandlungen".

Der jetzige Stadtpfarrer Josef Beyrer - er ist kraft seines Amtes Vorsitzender des Kuratoriums des Kinderheimträgers Katholische Waisenhausstiftung Schrobenhausen - war von 1988 bis 1991 Kaplan unter Mixa. Er sagte zu den Vorwürfen gegen den damaligen Stadtpfarrer: "Dass er gerufen wurde, weil die Schwestern nicht zurechtkamen, das habe ich als Kaplan so nie gehört." Er habe "ganz gelegentlich" mit Mixa im Kinderheim zu Mittag gegessen. Aus welchen Gründen und wie oft Mixa darüber hinaus dort war, könne er nicht sagen. Mixa sei als Seelsorger in St. Josef gewesen und in seiner Funktion als Stiftungsratsvorsitzender.

Monika Bernhard erzählte, dass sie noch heute Albträume habe. In denen versuche sie aus dem Heim, in dem sie zehn Jahre verbracht habe, zu flüchten. "Es geht nicht vorüber." Selbst der Besuch eines Psychologen habe ihr nicht viel geholfen. Walter Mixa selbst hat sich zu all dem bisher nicht geäußert. Laut Monika Bernhard weiß er seit Langem Bescheid über die Vorwürfe. Vor etwa 21 Jahren, sagte Monika Bernhard, habe ein Treffen ehemaliger Heimkinder in St. Josef stattgefunden, zu dem sie eingeladen worden war. Mixa sei dabei gewesen.

"Da bin ich aufgestanden und andere auch, und wir haben ihn vor allen Leuten mit den Schlägen konfrontiert." Mixa habe abgewinkt und unter anderem gesagt, sie sollten sich wieder setzen. Weiter sei nichts geschehen. Es sei nichts nach außen gedrungen. "Das war enttäuschend. Keiner hat sich getraut", so Monika Bernhard. Beyrer konnte am Mittwoch Abend nicht bestätigen, dass es ein solches Treffen gegeben hat.

Belagerungszustand vor dem Kinderheim

Vor dem Kinderheim, das in einer Seitenstraße am Altstadtring liegt, herrschte gestern beinahe schon Belagerungszustand. Bei Heimleiter Herbert Reim schrillte unaufhörlich das Telefon, Fernsehteams besetzten das Gelände. Er habe Interview-Anfragen aus der ganzen Republik, sagte er. Mit Josef Beyrer, seinem Dienstherrn, versuchte er sich am Vormittag eilends auf eine Sprachregelung zu einigen, bis aus Augsburg die Weisung kam: vorerst überhaupt kein Kommentar. Heute Mittag will die Kirche Stellung beziehen.

Das Bistum wies die Vorwürfe entschieden zurück. Mixa habe "zu keinem Zeitpunkt körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewendet". Als Stadtpfarrer von Schrobenhausen habe er keinerlei erzieherische und pädagogische Funktionen im Kinderheim St. Josef innegehabt. Die Deutsche Bischofskonferenz wollte keine Stellungnahme abgeben, obwohl erstmals ein amtierender Bischof in Deutschland von Misshandlungsvorwürfen betroffen ist.

Schrobenhausens Bürgermeister Karlheinz Stephan unterbrach seinen Urlaub. Er wisse aber nur, dass das Jugendamt aktiv geworden ist, sagte er. "Der Landrat hat eine Truppe zusammengestellt, die recherchiert. Das Thema wird abgearbeitet unter größtmöglicher Transparenz." Diese "Task Force" am Landratsamt suche in der Sache eine enge Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Ingolstadt.

Grünen-Chefin Claudia Roth forderte Bischof Mixa auf, nichts unter den Teppich zu kehren. Unserer Zeitung sagte die Augsburger Abgeordnete: "Wir brauchen eine vorbehaltlose, externe Aufklärung." Daran solle Bischof Mixa mitwirken. Von Norbert Eibel, Alois Knoller und Daniel Wirsching

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