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28. September 2007 19:05 Uhr

Studiengebühren

Investition in die eigene Zukunft

Es hat Vorteile, mehrere Geschwister zu haben. Selbst wer sich einst mit Brüdern und Schwestern Kämpfe um Legosteine geliefert hat, wird an der Uni eines Besseren belehrt. Denn bayerische Studenten, deren Eltern für drei oder mehr Kinder Kindergeld bekommen, zahlen keine Studiengebühren. Von Martina Bachmann,

Jeder vierte Student lebt in einer Wohngemeinschaft.
Foto: DPA

Von Martina Bachmann, Augsburg

Es hat Vorteile, mehrere Geschwister zu haben. Selbst wer sich einst mit Brüdern und Schwestern erbitterte Kämpfe um Legosteine oder Barbie-Puppen geliefert hat, wird an der Uni schnell eines Besseren belehrt. Denn bayerische Studenten, deren Eltern für drei oder mehr Kinder Kindergeld bekommen, zahlen keine Studiengebühren.

Alicia Godoy aus Neuburg profitiert von dieser Regelung. Sie hat drei Geschwister und sagt: "Ich glaube, mit Studiengebühren wäre es für mich fast unmöglich gewesen, zu studieren." Doch so ist sie an diesem Tag nach Augsburg zur Universität gefahren, um sich für ein Sprachen-Studium einzuschreiben. Die 500 Euro Gebühren pro Halbjahr bleiben ihr erspart. Alle anderen Studenten, die nur einen Bruder, eine Schwester oder gar keine Geschwister haben, müssen zahlen, falls keine andere Ausnahmeregelung greift. Und sie müssen - sofern das Budget knapp ist - einen Kredit aufnehmen. Etwa das bayerische Studienbeitrags-Darlehen. Der Zinssatz: derzeit rund sechs Prozent. Die Rückzahlung sei sozialverträglich und flexibel gestaltbar, sagt Markus Gnad, Sprecher des bayerischen Wissenschaftsministeriums. Studieren - wenn auch auf Pump - für alle einfach möglich?

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Eine Frage, die die Familie Rohrhirsch aus Bellenberg (Kreis Neu-Ulm) eindeutig verneint. Mama Sylvia ist alleinerziehend, arbeitet beim Arbeiter-Samariter-Bund. Tochter Elisabeth macht eine Ausbildung. Tochter Christina studiert in Augsburg. Sie will später an einer Hauptschule unterrichten. Bis dahin ist der Weg noch lang, fünf Semester, um genau zu sein. Die drei Rohrhirschs müssen in dieser Zeit den Gürtel deutlich enger schnallen.

Denn neben WG-Zimmer, Büchern und Fahrtkosten muss Christina pro Semester 500 Euro Studienbeitrag bezahlen. Das Bafög reicht nicht einmal für ihre Miete. Einen Kredit will Mutter Sylvia auf keinen Fall aufnehmen: "Da sitzt man am Ende des Studiums schon wegen des Bafögs auf einem Berg Schulden. Und wer weiß, was bis dahin ist." Die Hälfte des Bafögs, der monatlichen Unterstützung nach dem Bundesausbildungs-Förderungsgesetz, müssen Studenten nach ihrem Hochschulabschluss zurückzahlen.

Um die 1000 Euro Studiengebühren pro Jahr zu begleichen, hat Sylvia Rohrhirsch einen zweiten Job angenommen. Christina arbeitet regelmäßig als Nachhilfelehrerin. An manchen Tagen, an denen sie zwischen Job und Uni hin und her rennt, ist sie abends schlichtweg zu müde, um zu lernen. "Wenn ich nicht jobben würde, hätte ich bessere Noten." Aber Christina würde sogar mehr arbeiten. Doch in den vergangenen Semesterferien suchte sie vergeblich nach einem Job. Und: Wer mehr arbeitet, dem wird das Bafög gekürzt. Gut, wenn die Oma hin und wieder ein bisschen Geld zuschießen kann. Was mit ihren Studiengebühren passiert, ist für Christina schleierhaft: "Ich weiß nicht, was die damit machen."

Eine ganze Menge, sagt Markus Gnad. Die Bedingungen für die Studierenden seien verbessert worden. An der Augsburger Uni gibt es unter anderem neue Lehrkräfte. An der Ludwig-Maximilians-Universität in München sei dank Studiengebühren ein Übungscenter für die Mediziner errichtet worden. Dort könnten die angehenden Ärzte lernen, mit Kranken umzugehen: "Natürlich sind das keine echten Patienten." Ohne Studienbeitrag könne keine gezielte Verbesserung an den Hochschulen stattfinden. "Zudem hat auch der Freistaat investiert. Für eine Milliarde Euro werden derzeit 38 000 neue Studienplätze aufgebaut." Gnad ist der Meinung, dass dank Krediten das Studieren für jeden möglich ist. Und er sagt: "Ein Studium ist eine Investition in die eigene Zukunft."

Für ihre Ausbildung zu bezahlen, darauf war Sybille Kloos gefasst. Die 19-jährige Neuburgerin wird ab diesem Herbst in Augsburg Volkswirtschaftslehre studieren. "Das mit den Gebühren war von vornherein klar." Sie wird den Studienbeitrag mit ihrem Ersparten bezahlen - und mit der Hilfe ihrer Eltern. "Ich habe ihnen gegenüber schon ein schlechtes Gewissen. Man hofft, später etwas zurückzugeben, wenn man berufstätig ist."

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