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Bistum Augsburg in der Krise: Kommentar: Nach Mixa

Bistum Augsburg in der Krise

Kommentar: Nach Mixa

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    Dr. Markus Günther, Chefredakteur Augsburger Allgemeine
    Dr. Markus Günther, Chefredakteur Augsburger Allgemeine Foto: Ulrich Wagner

    Walter Mixa lügt. Ein Beispiel: Am 9. Mai, nach der Annahme des Rücktritts durch den Papst, sagte er der Bild am Sonntag, er sei in einer Schweizer Klinik "wegen Problemen mit den Schleimbeuteln" und müsse am Knie operiert werden. Richtig ist: Mixa war nicht in einer orthopädischen, sondern in einer psychiatrischen Klinik.

    Trotz nachweisbarer Lügen spinnt Mixa mit seinen Freunden und Einflüsterern an einer Legende: Er geriert sich als Konservativer, der von linken Intriganten zum Rücktritt gezwungen wurde. Der Verdacht auf sexuellen Missbrauch sei an den Haaren herbeigezogen, der Papst getäuscht und er unter Druck "wie im Fegefeuer" zum Rücktritt gezwungen worden.

    Dagegen muss man deutlich sagen: Mixa ist nicht an einer Medienkampagne und auch nicht an einer innerkirchlichen Intrige gescheitert. Er ist an Eitelkeit und Egozentrik, an Realitätsverweigerung und Lügen, mit einem Wort: er ist an sich selbst gescheitert. Sein seit je brüchiges Verhältnis zur Wahrheit wurde ihm zum Verhängnis, seine Selbstverliebtheit mündete in eine krankhafte psychische Verfassung.

    Dass er unter Druck zurückgetreten ist, stimmt. Aber dieser Druck war nicht die Folge einer Verschwörung, sondern das Ergebnis eines totalen Vertrauensverlustes unter Weggefährten, Mitarbeitern, Priestern und Gläubigen. Dass Mixa den Rücktritt später mehrfach schriftlich widerrufen, dann auch wieder mehrfach bestätigt hat, deutet die verzweifelte Lage eines labilen Menschen an; ein Beweis für eine Intrige ist das wüste Hin und Her in mindestens sechs Briefen an den Papst nicht.

    Mixa selbst wäre am besten geeignet, den Weg zur Versöhnung zu ebnen. Er müsste nur mit einem klaren Wort sagen, dass ihm die Zukunft seiner Gläubigen mehr als alles andere am Herzen liegt. Doch die Größe dazu hat er nicht.

    Deshalb fällt die Herausforderung des Neuanfangs nun erst einmal den Priestern und Gläubigen zu. Doch bislang ist nichts besser geworden im Bistum Augsburg, im Gegenteil. Die Gräben werden tiefer, die Spaltung schreitet voran. Zwischen "Linken" und "Rechten" werden die alten Debatten geführt. Die Emotionen kochen hoch, zu hoch. Wenn Priester öffentlich den "Zorn Gottes" auf Mixa herabwünschen, wirft auch das ein schlechtes Licht auf die Kirche. Ein theologisches Missverständnis ist das zudem. Denn Christen hoffen nicht auf den Zorn, sondern auf die Gnade Gottes.

    An Zorn und Wut herrscht im Bistum kein Mangel. Was fehlt, ist das Gegenteil: Besonnenheit, Augenmaß, Versöhnungsbereitschaft, das stille Wirken statt lauter Forderungen, der Wille, einander zuzuhören statt sich anzuschreien. Mixa hat ein gespaltenes Bistum hinterlassen; das schwere Werk der Versöhnung müssen nun andere leisten. Gelingen kann es nur, wenn sich alle auf den Kern besinnen: Kirche ist keine Veranstaltung und kein Verein, Kirche ist Weggemeinschaft von Gläubigen. Kommentar von Markus Günther

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