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17. Mai 2009 19:50 Uhr

Immer mehr Bauanträge

Kommunen kämpfen mit Spielhallen-Flut

Trotz Wirtschaftskrise beschäftigen sich zahlreiche Städte und Gemeinden in der Region mit zahlreichen Bauanträgen für neue Spielhallen. Nicht immer sind sie glücklich darüber. Von Michael Kerler

Augsburg Trotz Wirtschaftskrise beschäftigen sich zahlreiche Städte und Gemeinden in der Region mit zahlreichen Bauanträgen für neue Spielhallen. Nicht immer sind sie glücklich darüber: Einige kämpfen nachdrücklich gegen Spielotheken, können sie aber nicht immer verhindern. Für Fachleute ist die 2006 novellierte Glücksspielverordnung eine Ursache für die Gründerzeit in der Automatenindustrie.

"Bayern hat in den letzten Jahren bei Spielhallen und Spielautomaten massiv aufgeholt", sagt Andreas Czerny, Leiter der Landesberatungsstelle Glücksspielsucht. War der Freistaat früher Schlusslicht, steuere er mittlerweile auf Platz fünf der Bundesländer mit der höchsten Dichte an Automaten zu.

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Nachteil des Spielhallenbooms: Glücksspiel kann süchtig machen. Unabhängigen Studien zufolge gibt es in Deutschland zwischen 149 000 und 340 000 Menschen mit problematischem Spielverhalten. Der Trend weist dabei nach oben, ist bei der Landesberatungsstelle zu erfahren. Die vor drei Jahren überarbeitete Glückspielverordnung sei daran mit Schuld, beklagt Czerny: In den Spielhallen sind mehr Automaten auf gleicher Fläche zulässig. Pro Minute dürfen mehr Spiele gespielt werden, das Suchtpotenzial steige.

Der Bayerische Automaten-Verband (BAV) sieht dies anders: "In den Automaten ist ein Spielerschutz durch eine Begrenzung der Verluste, der Gewinne und der Spieldauer eingebaut", sagt Vorsitzender Andy Meindl. "Damit gibt es - im Gegensatz zu den staatlichen Kasinos - eine klare Limitierung."

Gemeinden in fast jedem Landkreis der Region haben derzeit neue Projekte auf dem Schreibtisch liegen. In Sonthofen, wo es bereits vier Spielotheken gibt, plante ein Unternehmen eine Halle mit 48 Automaten. Da diese eher in einer Großstadt, nicht aber in der Kleinstadt Sonthofen üblich sind, hat der Bauausschuss die Voranfrage abgelehnt.

In Illertissen, wo es sechs Spielotheken gibt, hat sich der Stadtrat entschlossen, dem Wildwuchs in der Innenstadt Einhalt zu gebieten. Die Verwaltung arbeitete eine "Bannmeile" aus, um neue Spielhallen zu unterbinden. "Wir versuchen, in der Innenstadt eine attraktive, gesunde Mischung an Gewerbe und Aufenthaltsqualität zu sichern", sagt Bürgermeisterin Marita Kaiser. "Spielhallen gehören nicht dazu."

Nicht immer sind skeptische Gemeinden erfolgreich: In Elchingen bei Ulm setzte ein Unternehmer im Februar den Bau einer Halle mit 500 Quadratmetern Fläche und 36 Automaten vor Gericht durch. Der Gemeinderat hatte das Projekt zuvor abgelehnt. Die Spielhalle soll direkt neben dem von vielen Jugendlichen besuchten Sportgelände entstehen. Und Königsbrunn musste im Dezember die Erweiterung einer bestehenden Spielhalle genehmigen.

Mit Gaststätte und Fitness für Fernfahrer attraktiv

In Dasing (Kreis Aichach-Friedberg) fürchten Lokalpolitiker das "Negativ-Image" einer beantragten Spielothek, wie im Gemeinderat argumentiert wurde. Bürgermeister Erich Nagl mag sich zusammen mit anderen gegen die neue Halle in Nähe der Autobahn aber nicht ganz sperren.

"Obwohl die Spielotheken kontrovers diskutiert werden, haben wir keine negativen Erfahrungen gemacht", gibt er zu bedenken. Zusammen mit Gaststätte und Fitnessbetrieb könne die Halle durchaus attraktiv sein, beispielsweise für Fernfahrer.

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