Eine Betrügerbande aus Litauen treibt seit Wochen ihr Unwesen in Augsburg. Sie fordert von anderen Bürgern aus Osteuropa mehrere tausend Euro - angeblich als Kaution für einen Verwandten.

Augsburg (AZ) - Seit drei Wochen treibt eine Betrügerbande aus Litauen ihr Unwesen in Augsburg. Sie versucht Landsleute aus den ehemaligen Staaten des Ostblocks gezielt mit einer neuen Betrugsmasche abzuzocken. In drei Fällen wurden die Opfer um bis zu mehrere Tausend Euro geprellt.
Die Betrüger gehen dabei immer nach dem gleichen Muster vor: Die Opfer werden zu Hause unvermittelt angerufen und mit der Geschichte konfrontiert, dass ihr Sohn, Neffe oder ein anderer Angehöriger im Osten einen Unfall verursacht hat und von der Polizei dort festgenommen wurde. Bei dem Unfall sei der Unfallgegner schwer verletzt oder sogar getötet worden. Die Betrüger behauten, dass dem Verwandten jetzt eine langjährige Haftstrafe in einem osteuropäischen Land droht. Nur bei der Zahlung einer Kaution oder von Schmerzensgeld könne der Verwandte freikommen.
Sofern sich die Angerufenen täuschen lassen, werden sie vom Anrufer aufgefordert, eine Telefonnummer in Litauen (Vorwahl 00370) anzurufen. Bei diesem Rückruf erhalten die Geschädigten die Auskunft, es werde in Kürze ein Geldbote zur Wohnung des Geschädigten kommen und den vereinbarten Geldbetrag abholen.
In weniger als einer Stunde erscheinen dann an der Wohnung meist zwei Männer und nehmen das Geld in Empfang.
Tatsächlich ist der nahe Angehörige des Geschädigten nicht festgenommen worden. In den Anrufen werden die Geschädigten aber massiv unter Zeitdruck gesetzt. Die Täter verlangen eine sofortige Entscheidung, ob das für die Freilassung des Angehörigen erforderlich Geld bereit gestellt wird, lassen sich dabei aber auch auf eine geringere als die zunächst geforderte Geldsumme ein.
Mit dieser Arbeitsweise sind in Augsburg in den vergangenen drei Wochen mittlerweile zehn Fälle polizeilich bekannt geworden. In sieben Fällen ließen sich die Opfer nicht einschüchtern bzw. täuschen. In drei Fällen hatten die Täter allerdings Erfolg und kassierten auf diese Art und Weise Summen von 1.000, 6.000 und in einem Fall sogar 10.000 Euro.
Die Ermittler der Augsburger Kripo vermuten allerdings eine weit höhere Dunkelziffer, da derartige Sachverhalte von russischstämmigen Bürgern nicht immer angezeigt werden.
Die Augsburger Kripo warnt dringend davor, auf derartige Anrufe zu reagieren. In den allermeisten Fällen flog durch einen Anruf bei dem vermeintlich "Festgenommenen" der Telefonschwindel sofort auf. Die Angerufenen sollten sich statt dessen umgehend bei der Polizei melden und den Sachverhalt anzeigen.
Hinweise bitte direkt an die Kripo Augsburg unter der Nummer (0821) 323-3811 oder an jede andere Polizeidienststelle.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: