Wenn Politiker über Doktortitel stolpern
Gekaufte Doktortitel oder Plagiatsvorwürfe haben schon so manchen Politiker zu Fall gebracht. Eine Übersicht:
Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU): Viele Passagen fremder Autoren in der Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers sorgten im Februar 2011 für Aufsehen. Wenig später erkannte ihm die Uni Bayreuth den Doktortitel ab. Nach heftigen Protesten trat Guttenberg von seinen Ämtern zurück.
Silvana Koch-Mehrin (FDP): Wegen rund 120 Plagiaten in der Doktorarbeit der Europapolitikerin entzog die Universität Heidelberg ihr den Titel Mitte Juni 2011.
Jorgo Chatzimarkakis (FDP): Der Europaabgeordnete verlor seinen Titel im Juli 2011, da mehr als die Hälfte seiner Arbeit nach Angaben der Uni Bonn aus fremder Feder stammte.
Dieter Jasper (CDU): Der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete wurde Anfang Mai 2011 zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt, weil er einen Doktortitel zu Unrecht geführt hatte. Jasper hatte den Doktor der Wirtschaftswissenschaften 2004 an einer Universität in der Schweiz erworben, die gegen Geld akademische Grade vergeben soll.
Kai Schürholt (CDU): Der Oberbürgermeisterkandidat der Landauer CDU hatte sich 2007 im Wahlkampf mit einem Doktortitel geschmückt, obwohl er seine Promotion noch längst nicht abgeschlossen hatte. Das Amtsgericht Landau verurteilte ihn wegen Titelmissbrauchs zu einer Geldstrafe.
Bernd Althusmann (CDU): Der niedersächsische Kultusminister und Präsident der Kultusministerkonferenz geriet im Juli 2011 ebenfalls wegen seiner Doktorarbeit unter Druck. Die Universität Potsdam überprüfte die Arbeit daraufhin und kam zum Schluss: Althusmanns Dissertation weise zwar eine Vielzahl formaler Mängel auf, die guter wissenschaftlicher Praxis widersprächen. Ein Plagiats-Verdacht habe sich aber nicht bestätigt.
Florian Graf (CDU): Der Berliner CDU-Fraktionschef gab im April 2012 seinen Doktortitel wegen gravierender wissenschaftlicher Mängel zurück. Er sei den an sich selbst gestellten Ansprüchen "im Hinblick auf ein Standhalten meiner Dissertation in der Öffentlichkeit nicht gerecht geworden", teilte er mit - und kam einem Zeitungsbericht zuvor.
Margarita Mathiopoulos (FDP): Nach Plagiatsvorwürfen entzog die Universität Bonn der Politikprofessorin und FDP-Politikerin im April 2012 den Doktortitel.
Annette Schavan (CDU): Weil sie in ihrer 1980 eingereichten Doktorarbeit Zitierfehler gemacht und Quellen nicht richtig ausgewiesen hatte, wurde der Bundesbildungsministerin im Februar 2013 der Doktortitel entzogen.
Andreas Scheuer (CSU): Der CSU-Generalsekretär geriet Anfang 2014 wegen seines tschechischen Doktortitels in die Kritik. Diesen durfte er eigentlich nur in zwei Bundesländern aufgrund von Ausnahmeregelungen führen. Unter Druck erklärte Scheuer, den Titel gar nicht mehr zu führen.
Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg steht unter Druck. Zumindest was die oberfränkische CSU angeht. Laut einem Bericht des Magazins Focus fordert die CSU in Oberfranken von zu Guttenberg Klarheit über eine mögliche Rückkehr des Barons in die Bundespolitik. Die drei CSU-Kreisvorsitzenden im Bundestagswahlkreis Kulmbach drängen lautFocus Karl-Theodor zu Guttenberg zu einer Entscheidung darüber, ob er "für afrikanische Blogger oder für die oberfränkische CSU da sein will". Die CSU Oberfranken will wissen, ob sich zu Guttenberg bei der Bundestagswahl 2013 wieder um das Mandat für die Region bewirbt. Vom CSU-Bezirksverband Oberfranken war am Montag zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht zu erhalten.
Guttenberg soll sich "bekennen"
Laut "Focus" ist mit Guttenberg telefonisch ein Treffen mit den CSU-Kreisvorsitzenden Henry Schramm, Thomas Silberhorn und Christian Meißner für Januar vereinbart worden. Meißner, CSU-Kreischef in Lichtenfels, sagte dem Blatt: "Die Basis erwartet, dass sich Guttenberg endlich bekennt." Die oberfränkische CSU-Europaparlamentarierin Monika Hohlmeier, Tochter von Bayerns Ex-Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß , betonte nach Angaben des Magazins, dass der Stab über Guttenberg "nicht gebrochen" sei.
Guttenberg war direkt gewählter Abgeordneter
Karl-Theodor zu Guttenberg war bis zu seinem Rücktritt direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises, in dem es rund 173 000 Wahlberechtigte aus den Landkreisen Bamberg, Kulmbach und Lichtenfels gibt und der als sichere Bastion der Christsozialen gilt. Guttenberg hatte sich vor wenigen Wochen mit einem Interview-Buch zu der Plagiats-Affäre rund um seine Doktorarbeit zurückgemeldet und wurde zuletzt in Brüssel als neuer Berater der EU für Internetfreiheit vorgestellt. dpa/AZ