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Prozess in Augsburg: Pfahls Geständnis: Reiner Tisch mit Flecken

Prozess in Augsburg

Pfahls Geständnis: Reiner Tisch mit Flecken

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    Einem Ludwig-Holger Pfahls muss man nicht zeigen, wo es langgeht. Der Spitzenjurist und frühere Staatssekretär im Verteidigungsministerium legte am Montag ein Geständnis ab, das zwar gut klang, aber einige Punkte im Unklaren ließ.
    Einem Ludwig-Holger Pfahls muss man nicht zeigen, wo es langgeht. Der Spitzenjurist und frühere Staatssekretär im Verteidigungsministerium legte am Montag ein Geständnis ab, das zwar gut klang, aber einige Punkte im Unklaren ließ. Foto: Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

    Einst, als es während fünf Jahren Flucht keine Spur gab, wurde Ludwig-Holger Pfahls das „Phantom“ genannt. Am Montag gibt der ehemalige Staatssekretär im Verteidigungsministerium das Phantom der Oper: Er „singt“ im Gerichtssaal. Der 69-Jährige füllt das von seinem Verteidiger Walter Lechner vergangene Woche erklärte Geständnis mit Details. Der politische Ziehsohn von Franz Josef Strauß gibt zu, in großem Stil Geld ins Ausland geschafft zu haben, um es vor deutschen Behörden zu verbergen. Pfahls schuldet dem Staat laut Anklage 3,7 Millionen Euro.

    „Ich will reinen Tisch machen.“

    „Ich will reinen Tisch machen.“ Mit diesen Worten leitet Pfahls seine Ausführungen ein, und zunächst sieht es auch ganz danach aus. Er entschuldigt sich bei seiner moldawischen Ehefrau – und bei seiner Ex-Frau: „Für sie wäre es besser gewesen, sie hätte mich nie kennengelernt.“ Er habe in den zehn Monaten der Untersuchungshaft genug Zeit gehabt, um über sein Leben nachzudenken, „angefangen vom Studium, über die Karriere bis zum Absturz aus der Beletage“. Es beginnt am 14. Dezember 1995, als sein Haus am Tegernsee durchsucht worden war, weil die Ermittler zum ersten Mal dem Verdacht nachgingen, dass Pfahls vom Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber geschmiert worden war. Dann geht es im Schweinsgalopp durch die Jahre danach, die fünfjährige Flucht, die Verurteilung 2005 in Augsburg wegen Vorteilsannahme und Steuerhinterziehung bis hin zu den neuen Vorwürfen des Bankrotts, Steuerhinterziehung und falscher Versicherung an Eides statt.

    Ja, er habe im Ausland noch rund 2,1 Millionen Euro liegen, von denen die deutschen Steuerbehörden nichts wüssten. Mit dem Verkauf der Villa Mas Rayo in Südfrankreich an einen Russen habe er 2,25 Millionen Euro erlöst, von denen noch 885.000 auf den Bahamas lägen und 750.000 Euro in der Schweiz, so Pfahls. Weitere 500.000 Euro lägen in bar im Tresor eines Vermögensverwalters in Luxemburg. Demgegenüber hatte sich Pfahls den deutschen Behörden als vermögenslos dargestellt und im September 2007 sogar den Offenbarungseid geleistet.

    „Ein Neubeginn muss sein“

    Eine weitere Million Euro, die aus der Scheidung von seiner früheren Frau übrig blieb, steckte Pfahls in eine Immobilienfirma in Herzogenaurach. Für das Haus in Sengenthal (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) rief er mehrere Teilbeträge aus Luxemburg ab und transferierte sie über Norwegen und Moldawien nach Deutschland, berichtet Pfahls.

    „Ein Neubeginn muss sein“, sagt Pfahls, der ein Mikrofon in der Hand hält, als halte er eine Rede. Was er sagt, klingt plausibel und glaubhaft – hätte er nicht vor gut fünf Jahren im selben Gerichtssaal eine sehr ähnliche Rede gehalten, in der es um das Schreiber-Schmiergeld ging.

    Und wie damals bleibt er auch heute an wichtigen Punkten vage: die Rolle seines alten Freundes Dieter Holzer, der ihm schon bei der Flucht in Frankreich geholfen hatte? Kaum Angaben. Die Rolle seines Mainzer Verteidigers aus dem ersten Augsburger Prozess, gegen den ebenfalls wegen Beihilfe zum Bankrott ermittelt wird? Keine Angaben. Außer einer: Das Geld (863.000 Euro), das der Rechtsanwalt auf einem Anderkonto für ihn deponiert habe, sei voll und ganz ihm, Pfahls, zuzurechnen. Und weil Ludwig-Holger Pfahls auch vor fünf Jahren bereits „reinen Tisch“ gemacht haben wollte, bleiben Zweifel, ob er dieses Mal die ganze Geschichte erzählt und alle verheimlichten Geldbeträge offengelegt hat.

    Seine Ehefrau, ein Rechtsanwalt und ein Ex-Geschäftsführer der Immobilienfirma legen am Montag ebenfalls Geständnisse ab: Sie räumen ein, Pfahls bei der Verschleierung seiner Vermögensverhältnisse geholfen zu haben. Geschäftsmann Dieter Holzer und Pfahls’ Ex-Frau haben für morgen Erklärungen angekündigt.

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