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Gerichtsurteil in Augsburg: Taufe lässt sich nicht rückgängig machen

Gerichtsurteil in Augsburg

Taufe lässt sich nicht rückgängig machen

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    Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hat es abgelehnt, die Taufe eines Kindes zu annullieren.
    Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hat es abgelehnt, die Taufe eines Kindes zu annullieren. Foto: Symbolbild/dpa/Archiv

    Getauft bleibt getauft: Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hat es abgelehnt, die Taufe eines Kindes zu annullieren. Wie die Landesanwaltschaft am Montag berichtete, wollte ein Vater die Taufe seiner Tochter rückgängig machen.

    Dazu hatte der Mann vergangenes Jahr beim Verwaltungsgericht in Augsburg gegen die katholische Kirchengemeinde geklagt. Hintergrund war, dass die geschiedene Frau die damals dreijährige Tochter im Jahr 2010 taufen ließ, ohne den Vater zu fragen.

    Grundsätzlich ist es so: Der Staat darf sich nicht in innerkirchliche Angelegenheiten einmischen. Das gilt nicht, wenn weltliches Recht tangiert ist. Präsident des Verwaltungsgerichts Ivo Moll findet im Prozess in Augsburg folgende Beispiele: Der Anhänger einer Rasta-Religion darf dennoch in Deutschland nicht Cannabis rauchen. Und eine Landesbischöfin darf nicht betrunken Auto fahren. Wie ist es nun mit der Taufe? Das Bistum Augsburg, vertreten durch Diözesanrechtsdirektor Josef Binder, sieht sie als innerkirchliche Angelegenheit. Außerdem, so sagt Binder, „handelt es sich um ein Sakrament, das kann einem niemand mehr nehmen“.

    Das Mädchen wurde nicht in der Heimatpfarrei getauft

    Kleines Kirchenlexikon

    Apostolische Reise: Die "Dienstreisen" des Papstes außerhalb Italiens werden als Apostolische Reisen bezeichnet. Bei offiziellen Reisen innerhalb Italiens spricht der Vatikan von Pastoralbesuchen. Der Deutschlandbesuch ist die 21. Auslandsreise Benedikts XVI.

    Eucharistiefeier: Höhepunkt einer Eucharistiefeier (von griech. eucharistía = Danksagung) ist die Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut Christi. Da die Protestanten diese Glaubensüberzeugung nicht teilen, untersagt ihnen die katholische Kirche die Teilnahme an der Heiligen Kommunion, bei der gewandelte Leib Christi meist in Form einer Hostie ausgegeben wird. Papst Benedikt XVI. plant auf seiner Reise öffentliche Eucharistiefeiern in Berlin (Olympiastadion), Erfurt (Domplatz) und Freiburg (Flughafengelände).

    Ökumene: Der Begriff Ökumene stammt aus dem Griechischen (oikouméne = das Bewohnte, die bewohnte Erde) und wird in erster Linie für das Ringen um die Einheit der Christen verwendet. Die moderne ökumenische Bewegung entstand an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Papst Benedikt XVI. trifft sich auf seiner Deutschlandreise im evangelischen Augustinerkloster Erfurt mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland zu einem Gespräch und einem ökumenischen Gottesdienst. In Freiburg steht ein Treffen mit Vertretern der orthodoxen Kirche auf dem Programm.

    Orthodoxe Kirche: Die orthodoxen Kirchen (von altgriech. orthós = richtig, geradlinig und dóxa = Verehrung, Glaube) haben ihre Wurzeln im östlichen Mittelmeerraum und in Süd- und Osteuropa. Mit der römisch-katholischen Kirche besteht eine weitgehende Übereinstimmung in Glaubensfragen. Derzeit gibt es weltweit rund 300.000 Millionen Orthodoxe, in Deutschland rund 1,5 Millionen. Der Papst trifft in Freiburg Vertreter der orthodoxen Kirchen in Deutschland.

    Angelusgebet: "Der Engel des Herrn" (Angelus) ist ein katholisches Gebet, das morgens, mittags und abends gesprochen wird. Der Papst will auf seiner Deutschland-Reise am Samstagnachmittag im Freiburger Münster ein Angelus-Gebet halten.

    Vesper: Die Vesper (von lat. vespera = Abend) ist der abendliche Teil des Stundengebetes der katholischen Kirche und wird in der Regel gegen 18.00 Uhr gebetet. Wichtige Elemente sind die alttestamentarischen Psalmen sowie Gesänge und Lesungen aus dem Neuen Testament. Bei einer Marianischen Vesper, wie sie im Marien-Wallfahrtsort Etzelsbach in Thüringen gefeiert wird, schließt das Gebet mit einem Mariengesang ab.

    Vigil: Die Vigil (von lat. vigilia = Nachtwache) ist ein Teil des katholischen Stundengebets und bezeichnet eine Gebetszeit in der Nacht oder am frühen Morgen. Papst Benedikt XVI. feiert auf seiner Deutschlandreise eine Vigil mit Jugendlichen auf dem Messegelände in Freiburg. Auf den Weltjugendtagen hat der Papst in den vergangenen Jahren regelmäßig die Vigil mit Jugendlichen gebetet, zuletzt am 20. August in Madrid.

    Die Apostolische Nuntiatur: Nuntius ist lateinisch und bedeutet Botschafter. Der Apostolische Nuntius ist der Botschafter des Papstes im jeweiligen Land, in Deutschland ist seit 2007 Nuntius Erzbischof Jean-Claude Périsset. Der Standort ist in Neukölln, Lilienthalstraße, neben St. Johannes-Basilika und Hasenheide.

    Ein Blick auf die genauen Umstände dieser Taufe lohnt. Nach Kirchenrecht reicht die Zustimmung eines Elternteils, um die Taufe zu gewähren. Allerdings scheint die Mutter in diesem Fall verschwiegen zu haben, dass die Eltern das gemeinsame Sorgerecht ausüben. Sie ließ das Mädchen auch nicht in der Heimat-Pfarrei taufen, sondern woanders. Der Pfarrer dort kannte die Vorgeschichte nicht und sah keinen Hinderungsgrund. Er taufte das Mädchen.

    Kirchenrechtlich war alles in Ordnung, stellte Richter Moll beim Prozess im vergangenen Jahr fest. Möglicherweise war die Taufe ein Verstoß gegen Zivilrecht, aber deshalb könne ein staatliches Gericht nicht die Taufe annullieren. Der Rechtsverstoß müsste schon gravierend sein, damit der Staat in innerkirchliches Recht eingreift. „Hier ist einiges schiefgelaufen, auch zu Ihren Lasten, aber die Taufe kriegen Sie nicht mehr los“, beschied Richter Moll dem Kläger. Die Eltern könnten sich freilich einigen und das Mädchen wieder aus der Kirche austreten lassen.

    Die Augsburger Richter wiesen die Klage damals ab und der VGH in München bestätigte jetzt die Entscheidung. Die Richter betonten, dass die Taufe als Sakrament zum Kern der innerkirchlichen Angelegenheiten zähle, die von Gerichten entweder gar nicht oder nur eingeschränkt überprüft werden könnten. (Beschluss vom 16.1.2012 / Az.: 7 ZB 11.1569) A Z, hogs, dpa

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