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02. Februar 2010 19:59 Uhr

Ausstellung

Theo Waigel - ein Liebling der spitzen Federn

In Augsburg zeigen Deutschlands renommierteste Karikaturisten, wie sieTheo Waigel als obersten Kassenwart der Republik begleitet haben. Von Till Hofmann

Natürlich hat er sich gerne als Ritter, Sänger oder stolzer Vater gesehen. Aber das waren die eher seltenen Rollen, die Karikaturisten einem der profiliertesten Finanzpolitiker Deutschlands zugedacht haben.

Die gängigeren Darstellungen Theo Waigels sind die des Räubers, des Taschendiebs, des Märchenerzählers, des Pleitegeiers oder des Ebers, der als wildes Sparschwein auf der Suche nach Geld den Ministerkollegen einen Teil ihrer Haushaltsmittel streitig machen wollte.

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Etwa 180 Karikaturen der besten ihres Fachs (Horst Haitzinger, Dieter Hanitzsch. Ernst Maria Lang) sind jetzt in Augsburg versammelt und werfen auf amüsante und hintersinnige Art ein Schlaglicht auf Waigels Wirken in der Bundespolitik. Bislang war die Karikaturenschau "Die Augenbraue" nur in Roggenburg (Kreis Neu-Ulm) zu sehen. Die Prämonstratenser dort hatten die Ausstellung gemeinsam mit der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung konzipiert - als Dankeschön für den früheren Bundesfinanzminister und CSU-Chef, der maßgeblich an der Wiederbelebung des Klosters Roggenburg beteiligt war.

Mit Milliardenlöchern, Steuerbetrug und vielfältigen Begehrlichkeiten hatte nicht nur Waigel in seiner Amtszeit zu kämpfen. Der aktuelle Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) weiß nur zu gut, wovon sein Vorgänger spricht. Trotz des Streits mit der Schweiz (siehe auch in unserem Politikteil) nahm er sich Zeit, um im Medienzentrum Augsburg am Dienstag die Ausstellung zu eröffnen. Schäuble sah sich selbst gegenüber Waigel in einer "hoffnungslos schlechteren Rolle". Ihm fehle es an der sonoren Stimme. Auch mit den Augenbrauen könne er nicht konkurrieren. Und noch ein Merkmal nannte der langjährige Bundesinnenminister: Waigels Humor. "Der ist wirklich schwer zu schlagen. Und den braucht man als Finanzminister."

Entscheidungsfreude gehöre ebenfalls dazu - auch wenn man damit nicht an Beliebtheit zulege. Die Einführung des Euro sei eine zwar umstrittene, aber richtige Entscheidung gewesen, so Schäuble. "Die Aufgabe der D-Mark ist den Deutschen zurecht nicht leicht gefallen", sagte er. Aber ohne gemeinsame europäische Währung wäre es auch um Deutschland in diesen Krisenzeiten schlechter bestellt.

Das zweite epochale Ereignis in der gemeinsamen Kabinettszeit beider Politiker nannte Schäuble mit der Deutschen Einheit. An entscheidenden Stellschrauben drehte Waigel mit der Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion. "Überstürzt war das nicht", wie viele Kritiker äußerten. "Es war die einzige Chance, die Wiedervereinigung zu erreichen."

Zwar sind die von den Karikaturisten aufgespießten Politiker "ohne Zweifel populär", bemerkte Alexandra Holland, Mitherausgeberin der Augsburger Allgemeinen bei ihrer Begrüßung. Dies habe jedoch 1998 nicht entscheidend bei der Wiederwahl geholfen, meinte der Karikierte später augenzwinkernd.

Ein Profi im Umgang mit der spitzen Feder ist Horst Haitzinger. Der Österreicher setzte Waigels Kennzeichen Nummer eins immer am Schluss. Das lag am eigenen Anspruch: "Ich wollte den Waigel so hinkriegen, dass man ihn auch ohne Augenbrauen erkennt." Till Hofmann

Die Augenbraue bis 7. März im Foyer des Medienzentrums Augsburg, Curt-Frenzel-Straße 4. Außer am kommenden Samstag geöffnet von Donnerstag bis Sonntag, 10-18 Uhr. Eintritt frei.

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