Augsburg Auf „Herr Präsident!“ hört er noch nicht auf Anhieb. Claus Kumutat ist ja gerade mal zwei Wochen Chef des Landesamts für Umwelt (LfU) in Augsburg. Er ist Nachfolger von Prof. Albert Göttle, der ins Umweltministerium wechselte. Doch wenn Claus Kumutat durch das moderne, lichtdurchflutete Haus geht, sieht er viele bekannte Gesichter. „Manchmal denke ich, ich kenne alle.“
Für Claus Kumutat kam die Ernennung zum LfU-Präsidenten überraschend. Und er habe nicht gezögert, Ja zu sagen. „Ich bin stolz, Chef eines Hauses mit 55 Berufen zu sein“, sagt der 54-Jährige, der zuletzt stellvertretender Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im bayerischen Umweltministerium war. Alle Naturwissenschaften seien im LfU vertreten. Es gebe sogar eine Tierärztin, die auf die Pathologie von Fischen spezialisiert ist, erzählt er fasziniert. Die interdisziplinäre Arbeit gefalle ihm.
Ein Marathon an Versammlungen
In den wenigen Tagen im neuen Amt hat der Bauingenieur schon einen Marathon hinter sich: Personal-Versammlungen, Dienststellen-Versammlungen, Abteilungsleiter-Versammlungen. Er hat Ruhestandsurkunden ausgehändigt und sechs Leute vereidigt. Er war zu Gast bei der Steuergruppe Wolfs-Management. Auf dem Programm der nächsten Tage stehen Antrittsbesuche in den Dienststellen in Hof und Kulmbach, auch die Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen kennt Claus Kumutat noch nicht. „Auf Menschen zu treffen und zu diskutieren, das gefällt mir.“
Der Präsident lässt sich von seinem Mitarbeiter Hans Leicht und dem Landschaftsarchitekten Christoph Bücheler über den Stand der Außenanlagen informieren. Nachdem ein wertvoller Magerrasen dem Neubau des Labor-Flügels weichen musste, wird nun mit großem Aufwand auf dem ehemaligen Rollfeld ein neues Biotop als Ausgleichsfläche geschaffen – dass der Idas-Bläuling wieder „seine“ Ameise finden kann. Die herausgebrochenen Betonplatten werden zu Trockenmauern, Lebensraum für Eidechsen, Spinnen und Laufkäfern, aufgeschichtet. „Das ist die beste Art von Recycling“, sagt der 54-Jährige, der sich in seiner beruflichen Laufbahn auch schon mit der Altlastensanierung beschäftigt hat.
Hoch begeisterte und motivierte Leute
„Ich treffe überall auf hoch begeisterte und motivierte Mitarbeiter“, sagt der Präsident. Aber kein Wunder: „Es ist eine schöne Sache, für den Umweltschutz zu arbeiten, das erzählt man gerne.“ Naturschutz bedeutet für Claus Kumutat Daseinsvorsorge. Es geht um die Stabilität des Naturhaushalts, unterstreicht er. Dazu gehört die Artenvielfalt. Von „Öko-Disney“ will er nichts wissen. Ein hervorragendes Beispiel für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für den Wasserwirtschaftler auch die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. „Es ist das größte Naturschutz-Projekt Bayerns.“
Claus Kumutat will das Thema Wasser aber keinesfalls in den Vordergrund rücken. „Ich will als LfUler wahrgenommen werden“, sagt er im „schönsten Büro“, das er je hatte, mit freiem Blick auf den Wärmespeicher für das Haus, der an der Oberfläche naturnah gestaltet ist.
In München ist Claus Kumutat mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Das kann er jetzt nicht mehr. Und das wird ihm schon ein bisschen fehlen. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern ist der Vater von zwei Kindern kein Extremsportler. Aber der 54-Jährige bewegt sich gerne, schwimmt und wandert.