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Justiz: Vanessas Mörder will reden

Justiz

Vanessas Mörder will reden

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    Dieses Archivbild zeigt einen Polizisten bei der Tatortbegehung in Gersthofen mit Vanessas Mörder. Michael W. ist mit einem Schutzanzug bekleidet, sein Gesicht ist verhüllt.
    Dieses Archivbild zeigt einen Polizisten bei der Tatortbegehung in Gersthofen mit Vanessas Mörder. Michael W. ist mit einem Schutzanzug bekleidet, sein Gesicht ist verhüllt. Foto: sh/dt

    Michael W., der Mörder der kleinen Vanessa aus Gersthofen, trauert. Der 29-Jährige ist bleich, wirkt angeschlagen. Er hat zwei Nächte durchwacht, weil ein Bekannter gestorben ist, den er aus dem Gefängnis kennt. Im Gerichtssaal hat der junge Mann bisher keine Gefühlsregung gezeigt. Seit Februar befasst sich das Augsburger Landgericht mit der Frage, ob W. in die Sicherungsverwahrung muss. Bisher weigerte sich W. auch, mit Gutachtern zu sprechen, die seine Gefährlichkeit beurteilen sollen. Doch nun bewegt sich etwas. Er ist bereit, sich einem Gutachter zu öffnen.

    Bundesweit anerkannter Psychologe wird mit dem Mörder sprechen

    Der Freiburger Professor Helmut Kury, ein bundesweit anerkannter Psychologe und Kriminologe, wird mit Michael W. sprechen. Die Sitzungen sollen Mitte April in Augsburg stattfinden. Der Professor rechnet damit, dass das Gespräch zwei Tage dauern wird. Danach muss Kury entscheiden, ob bei dem 29-Jährigen eine psychische Störung vorliegt und ob von ihm eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht.

    Das Gericht wollte dem 29-Jährigen eine Brücke bauen

    Das Gericht hatte den Freiburger Fachmann als dritten Gutachter vorgeschlagen, um Michael W. eine Brücke zu bauen. Nach langem Zögern hat W. sich nun auf den Vorschlag eingelassen. Das teilte sein Verteidiger Adam Ahmed gestern dem Gericht mit. Zwei andere Gutachter kamen bereits zu dem Ergebnis, dass von dem Kindsmörder auch zehn Jahre nach der Tat noch eine Gefahr ausgeht. Weil sich Michael W. aber nicht mit diesen beiden Gutachtern unterhalten wollte, konnten sie sich ihre Meinung nur aus den Akten bilden.

    In den Akten steht einiges über die vergangenen zehn Jahre, die Michael W. in verschiedenen bayerischen Gefängnissen verbracht hat. Er wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er als 19-Jähriger am Rosenmontag 2002 die zwölfjährige Vanessa Gilg erstochen hat. Es war die höchstmögliche Strafe nach dem Jugendstrafrecht.

    Die Tat bleibt bis heute mysteriös: W. hatte sich damals beim Fasching als Tod verkleidet. Auf dem Heimweg drang er in das Haus der Familie Gilg ein, schlich sich ins Kinderzimmer und tötete das Mädchen. Die Bluttat ähnelt erschreckend Szenen aus dem Horrorfilm „Halloween I“. Auch in dem Film wird ein Mädchen in ihrem eigenen Zimmer ermordet, ebenfalls mit 21 Messerstichen. Merkwürdig klingt auch manches, was Gefängnisbeamte über Michael W.s Verhalten hinter Gittern erzählen. Zwei Beamte aus Straubing und Erlangen sagten dazu gestern vor Gericht aus.

    Er sammelte Fotos von Männern und sortierte sie penibel

    Michael W. ist demnach immer wieder dadurch aufgefallen, dass er viele Fotos von jungen Männern sammelte. Er schnitt die Bilder aus der Jugendzeitschrift Bravo aus, die er auch als 26-Jähriger noch abonniert hatte, und er besorgte sich Porträtfotos von Mitgefangenen. Die Fotos sortierte er unter anderem nach Haar- und Augenfarbe. Weshalb er das tat, habe er nicht erklären können, sagte ein Abteilungsleiter aus dem Straubinger Gefängnis. Auch Artikel über vermisste und getötete Kinder und Jugendliche habe W. gesammelt, berichtete der Chef der JVA Erlangen. Dort hat Vanessas Mörder im Jahr 2008 auf eigenen Wunsch eine Therapie begonnen.

    Ende 2008 hat Michael W. in Erlangen auch Besuch von zwei Augsburger Kripobeamten bekommen. „Wir wollten wissen, wie er sich in der Haft entwickelt hat“, sagt einer der Beamten. Zwei Stunden unterhielt sich W. mit den Polizisten. Er könne noch immer nicht glauben, dass er Mörder sei, sagte er. Und er erklärte, dass er sich nach einer Haftentlassung bei Vanessas Eltern entschuldigen wolle. Die Beamten fragten W. damals auch, ob er fürchte, rückfällig zu werden. Seine Antwort: Zu 70 Prozent könne er es ausschließen, zu 30 Prozent nicht.

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