Montag, 20. November 2017

28. April 2017 00:34 Uhr

Gedenken

Weniger Stolpersteine

Streit um nicht genehmigte Erinnerungszeichen für NS-Opfer

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In Augsburg werden Anfang Mai zum ersten Mal auf öffentlichen Straßen und Plätzen sogenannte Stolpersteine verlegt, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Im Vorfeld gibt es nun aber Streit in der Frage, welche NS-Opfer Stolpersteine bekommen sollen und welche nicht.

Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig, der das Projekt initiiert hat, will 20 Stolpersteine verlegen. Die Stadt Augsburg hat nur zwölf der beantragten Steine genehmigt, weil die anderen Opfer das Kriegsende überlebt haben. Demnig sieht mit dieser Entscheidung sein europaweites Projekt gefährdet. Er will am 4. Mai für die acht Stolpersteine, die nicht genehmigt wurden, Platzhalter im Pflaster einsetzen. Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel hat Demnig vor einem künstlerischen Alleingang gewarnt.

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Es ist nicht die erste Debatte. In Augsburg war rund zwei Jahre lang über die Stolpersteine diskutiert worden. Ähnlich wie in München gab es Vorbehalte der Israelitischen Kultusgemeinde gegen die Gedenksteine im Boden, die mit Messingschildern an NS-Opfer erinnern. Im vergangenen Jahr einigte sich die Stadt mit Befürwortern und Gegnern auf einen Kompromiss. Vorgesehen sind Stolpersteine und als Alternative „Gedenkbänder“.

Der „Initiativkreis Stolpersteine“ und ein Pate einer Opferfamilie werfen dem Kulturreferenten nun vor, er halte sich beim Opferbegriff nicht an die Vorgaben des Stadtrates, wonach in strittigen Fällen ein Fachbeirat mitentscheiden muss. Weitzel hat als Kompromiss angeboten, zusätzliche Kopfsteine mit den Namen der Angehörigen der Opfer zuzulassen. (eva)

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Augsburg | Thomas Weitzel | München


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