Die Deutsche Bahn stellt am Wochenende ihren neuen Fahrplan vor. Am Samstag wurde zudem in Augsburg offiziell ein Jahrhundert-Projekt gefeiert, der viergleisige Ausbau zwischen Augsburg und München, der sich über mehr als zehn Jahre hinzog. Ab Sonntag fahren Züge erstmals mit Tempo 230 (bisher 200 km/h) in die Landeshauptstadt. Auch darüber hinaus verspricht die Bahn Verbesserungen für die Region. Grund genug für ein Gespräch mit dem Konzernbevollmächtigten für Bayern, Klaus-Dieter Josel.
Kann man sagen: Was lange währt, wird endlich gut? Seit Sommer ist der vierspurige Ausbau nach 13 Jahren fertiggestellt worden. Jetzt können vor allem die ICEs schneller fahren. Was bringt das für Pendler und andere Bahnfahrer?
Josel: Klar, das Projekt lief nicht immer optimal. Es gab zwei Baustopps, weil die Bundesmittel fehlten. Aber jetzt sind wir fertig. Das zählt. ICEs ohne Halt in Pasing sind künftig in 26 Minuten in München. Bisher benötigten sie mindestens 35 Minuten. Außerdem werden die Züge deutlich pünktlicher werden. Denn der langsame und schnelle Verkehr wird nun entflochten. Zwei Gleise sind für Güter- und Regionalverkehr, die beiden anderen für die Schnellzüge.
Fahren auch mehr Pendlerzüge?
Josel: Nein, das nicht. Denn erst vor zwei Jahren wurde der Halbstundentakt mit den Fugger-Express-Zügen eingeführt. Aber, wie gesagt, wir werden auf dieser von täglich über 300 Zügen befahrenen Strecke zuverlässiger werden.
Auf welche Summe beliefen sich letztendlich die Kosten des Ausbaues?
Josel: Insgesamt waren es 620 Millionen Euro.
Und wie viel waren 1998 angesetzt?
Josel: Sicherlich gab es im Laufe der Jahre auch Kostensteigerungen, aber die Kosten sind nicht aus dem Ruder gelaufen. Nur einmal, im Haspelmoor, wurde der Untergrund falsch eingeschätzt.
Sie feiern die Streckeneinweihung am Samstag in Augsburg.
Josel: Ja. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer wird dabei sein und Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil und natürlich Bahnchef Rüdiger Grube. Wir fahren mit zwei parallel fahrenden ICE-Zügen in den Hauptbahnhof ein.
Was tut sich in der Region sonst noch im neuen Winterfahrplan?
Josel: Wir fahren jetzt (wie in Teilen unserer Zeitung bereits berichtet)
im Allgäu künftig mit Neigetechnikzügen. Sie haben den Vorteil, dass sie auf kurvigen Strecken schneller fahren können. Statt 120 bis 140 sind nun 160 Stundenkilometer möglich. Dadurch kann die DB-Regio Allgäu-Schwaben die Fahrtzeit zwischen Augsburg und Kempten nun um mehr als zehn Minuten reduzieren. Reisende von und nach Lindau sind bis zehn Minuten schneller in Kempten und bis zu einer halben Stunde schneller in Augsburg.
Wie steht es mit den bislang schlechten Anschlüssen der Züge aus dem Allgäu in Ulm?
Josel: Die Regional-Express-Züge zwischen Kempten und Oberstdorf wurden verlegt. Sie werden künftig die Anschlüsse zu den ICEs besser erreichen. Bisher mussten Fahrgäste in Ulm 50 Minuten warten. Nun verkürzen sich die Reisezeiten Richtung Frankfurt, Köln und so weiter um 30 bis 40 Minuten. Ähnlich ist die Situation in Augsburg. Die Leute müssen auf die ICEs in Richtung Nürnberg, Hamburg und Berlin nicht mehr so lange warten.
Was gibt es Neues für Nordschwaben?
Josel: Im neuen Fahrplan fahren vier zusätzliche Fugger-Express-Züge zwischen Nördlingen und Donauwörth. In Donauwörth halten drei weitere IC-Züge – zwei Richtung München (IC 2082, täglich ab 13:12 Uhr und IC 2209, täglich außer Freitag ab 21:52 Uhr) sowie Richtung Hannover und Hamburg täglich der IC 2082 (ab 12:49 Uhr).
Welche Auswirkungen hat das?
Josel: Es ergeben sich daraus mit Umsteigen in Donauwörth vier schnelle Fahrtmöglichkeiten für Pendler nach München.
Wird es für Pendler künftig eine bessere Verbindung von Augsburg gen Nordengeben?
Josel: Bei diesem Thema sind wir noch nicht vorangekommen. Die Zwänge unseres bundesweiten Fahrplangefüges lassen uns auch diesmal kaum einen Spielraum.
Man wird, wenn Stuttgart 21 fertig ist, durchgehenden Hochgeschwindigkeitsstrecken aus London, Paris und NRW bis Ulm, Hauptbahnhof haben. Muss nicht spätestens dann der Flaschenhals zwischen Ulm und Augsburg als Hochgeschwindigkeitsstrecke ausgebaut werden?
Josel: Ich erkenne keinen Flaschenhals. Die Verbindung Ulm-Augsburg ist sehr leistungsfähig und abschnittsweise mit 200 km/h befahrbar. Außerdem ist die Entscheidung über den Streckenausbau oder Neubau eine verkehrspolitische, und beim Blick auf die öffentlichen Kassen wird es derzeit schwierig sein, neue milliardenschwere Projekte voranzubringen.
Wird unsere Region von Stuttgart 21 profitieren?
Josel: Ja, da bin ich mir ganz sicher. Die Fahrzeit nach Stuttgart wird durch den Neubau der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Ulm und Stuttgart erheblich verkürzt. Und dies bedeutet für die gesamte West-Ost-Magistrale, die ja von Paris bis nach Wien reicht, eine neue Attraktivität. Der schnellste Weg von München nach Frankfurt wird dann auch wieder über Augsburg führen.
Die Bahn fährt künftig auch auf der Straße von München aus in fünf Stunden mit dem Bus direkt nach Prag. Was steckt dahinter?
Josel: Wir sehen eine Marktlücke zwischen beiden Städten. Es gibt eine neue Autobahn, die attraktive Fahrtzeiten ermöglicht. Hingegen sind die Bahnstrecken weit über 100 Jahre alt und kurvenreich. Eine Zugverbindung erscheint deshalb vielen als nicht konkurrenzfähig.