Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Robert Zollitsch, hat dem umstrittenen Augsburger Bischof Walter Mixa einen vorübergehenden Amtsverzicht nahegelegt.
Zollitsch
sagte am Mittwoch in
Freiburg
, er habe in den vergangenen Tagen - wie auch der Münchner
Erzbischof
Reinhard Marx
- mehrfach mit
Mixa
gesprochen. Dabei habe man mit
Mixa
überlegt, "ob eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könne", sagte
Zollitsch
.
Dirk Hermann Voß, Koordinator der Öffentlichkeitsarbeit im Bistum Augsburg, wollte keine Erklärung zum Vorstoß von Erzbischof Zollitsch abgeben. Das sei nichts Neues, es gebe keinen Grund für eine Stellungnahme, sagte Voß der Nachrichtenagentur dpa.
Mixa hat inzwischen eingestanden, Heimkinder in seiner früheren Zeit als Stadtpfarrer Ohrfeigen gegeben zu haben, nachdem er zunächst jede Gewalt gegenüber Kindern bestritten hatte. Zollitsch sagte zur Begründung seines Vorschlags, ein Rückzug Mixas sei geeignet, "eine Atmosphäre größerer Sachlichkeit bei den notwendigen und auch von ihm gewünschten Klärungen zu bewirken".
Weiter sagte der DBK-Vorsitzende: "Darüber hinaus könnte eine vorübergehende räumliche Distanz ihm die Möglichkeit geben, nach sehr erhitzten Wochen neue Kräfte zu sammeln und die Geschehnisse mit mehr Ruhe zu bedenken." Der Schritt des obersten Repräsentanten der deutschen Bischöfe gilt als einzigartig in der jüngeren Geschichte des Katholizismus in der Bundesrepublik.
Mit Spannung wird vor dem Hintergrund der Vorwürfe gegen Bischof Walter Mixa an diesem Freitag die Vollversammlung des Augsburger Diözesanrates erwartet. Der Ratsvorsitzende Helmut Mangold will in seinem Bericht auch auf die aktuelle Diskussion um Mixa eingehen. Im Vorfeld der Tagung hatte er bereits die vollständige Aufklärung aller Vorwürfe gegen Mixa gefordert. Mixa selbst wird am Freitag nicht an der Versammlung teilnehmen.
An diesem Samstag findet dann ein Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Diözesanrates statt, bei dem Mixa den Gottesdienst halten und ein Bischofswort sprechen wird. Dafür lässt er sich beim Trauergottesdienst für die in Afghanistan gefallenen Soldaten in Ingolstadt als Militärbischof von Militärgeneralvikar Walter Wakenhut vertreten.
Der Diözesanrat ist der Zusammenschluss von Laien in einer Diözese. Seine Mitglieder kommen aus den Dekanats- und Pfarrgemeinderäten sowie aus katholischen Verbänden und Organisationen. Nach dem Bericht des Vorsitzenden ist am Freitag eine Aussprache zu aktuellen Fragen angesetzt. Dabei könnte es zu deutlicher Kritik an dem Bischof kommen, dessen Rücktritt von mehreren Seiten gefordert wird. lby/dpa