".bayern" statt ".de": Der Freistaat Bayern soll bald eine eigene Internet-Kennung bekommen. Das Kabinett gab dafür in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause am Mittwoch grünes Licht. Ende nächsten Jahres sollen die ersten Adressen erhältlich sein, wie Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) nach der Kabinettssitzung in München berichtete. Bayerische Städte, Firmen und Unternehmen können sich bereits jetzt für eine Internet-Adresse mit der neuen bayerischen Endung registrieren. Von Januar bis April 2012 dauert die offizielle Bewerbungsphase, wenn alles klappt, geht die neue Endung ab 2013 online.
Das Problem: Alleine das Einreichen der Bewerbung kostet bereits 185.000 US-Dollar Bearbeitungsgebühr - umgerechnet etwa 135.000 Euro. Hinzu kommen noch jährliche Gebühren und Investitionen in die technische Ausstattung sowie für Personal. Diese Kosten möchte die Regierung nicht tragen. Daher soll ein privates Unternehmen die neue Endung be- und vertreiben - für die neuen Internetadressen kann dieses dann Geld kassieren. Ein passendes Unternehmen wird nun gesucht. Morgen soll die Ausschreibung beginnen.
Registrierung bereits jetzt möglich
Die Endungen, sogenannte Top-Level-Domains oder TLDs, waren bisher nur nach Ländern und allgemein gültigen Strukturen sortiert. Aktuell gibt es 22 generische TLDs wie ".info" oder ".org" und 250 länderspezifische wie ".de" für Deutschland und ".fr" für Frankreich. Seit Ende Juni ist der Weg für zahlreiche weitere TLDs frei: Neben regionalen wie beispielsweise ".bayern" oder ".berlin" sind weitere generische wie ".music" oder ".food" aber auch Markennamen-TLDs möglich.
Auf den Zug der neuen TLDs will der Freistaat nun aufspringen: Der Vorteil der neuen Endung ist die Vereinfachung der Internet-Adresse. War zum Beispiel der bayerische Landtag bisher unter "www.bayern.landtag.de" erreichbar, würde künftig auch "landtag.bayern" gelten. Mit diesem Argument sollen jetzt auch Unternehmen gelockt werden. Für die neuen TLDs können die sich bereits jetzt im Internet vorregistrieren. Eine Registrierungsplattform meldet bereits über 15.000 ".bayern"-Voranmeldungen.
Jetzt sollen Unternehmen gelockt werden
Für Bayern gibt es viele Vorteile mit der neuen Endung. „Jedes bayerische Unternehmen, jeder Verein und jeder Bürger kann sich damit eine Internetadresse registrieren lassen, die nicht mehr auf „.de“ endet, sondern auf „.bayern“, erklärte Franz Pschierer, IT-Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung, den Einsatz für die neue TLD. Der vom Bayerischen Landtag eingesetzte IuK-Beirat berät grundsätzliche Fragen der Informations- und Kommunikationstechnik in der Verwaltung.
Rund um skurrile Domain-Endungen
Die TLD ".gb" ist die offizielle Kodierung für das Vereinigte Königreich, wird aber nur von einer einzigen Registrierung genutzt. Alle anderen nehmen das gebräuchliche ".uk".
Die Vereinigten Staaten besitzen neben ".us" noch die TLDs ".mil" (Militär), ".gov" (Regierung) sowie ".edu" (Bildungseinrichtungen).
".dd" wurde für die DDR vorgesehen, jedoch ausschließlich intern bei den Universitäten in Jena und Dresden benutzt.
In Russland wird neben ".ru" auch noch ".su" (ehemalige Sowjetunion) betrieben und neu registriert - und das 18 Jahren nach Auflösung der Sowjetunion.
Die TLDs für die Westsahara (".eh") und den Südsudan (".ss") sind zwar zugeteilt, werden aber nicht genutzt.
Vor allem kleinere oder von Armut betroffenen Staaten vermarkten ihre Domains, indem sie ihre Vergabepolitik sehr liberal handhaben und die Registrierung der Domains aktiv bewerben.
Einer der ersten Staaten, die ihre Domains frei registrieren ließen, war 1998 Tonga mit ".to." Bekanntestes Beispiel ist das geschlossene Portal kino.to.
Eine ebenfalls bekannte fremdgenutzte TLD ist ".tv" des Staates Tuvalu, die als Television vermarktet wird. Ein eigens gegründetes Unternehmen vermarktet die Domain. Dieser Coup brachte dem Zwergstaat 50 Millionen US-Dollar ein.
Eine der neusten Domains, die eine Zweckentfremdung erlebt, ist die ".me"-Domain von Montenegro. Mit ihr lassen sich aussagekräftige Domains erstellen, wie love.me oder contact.me.
Ungewöhnlich ist auch die Verwendung der Domain ".nu" (Niue) für die Seiten des Dresdner Kulturmagazins, die auf das im lokalen Dialekt Dresdens gebräuchliche Nu! für Ja! anspielt.
Das trage noch stärker die „Marke Bayern“ in die Welt hinaus und ermögliche es, dass der Freistaat sich besser mit den wirtschaftlichen und kulturellen Stärken und Besonderheiten im Internet präsentieren könne. Auch Städte-TLDs sind generell künftig möglich. Ob sich Städte wie Augsburg oder Nürnberg allerdings für solch eine Domain interessieren, scheint aufgrund der hohen Kosten fraglich. Die nordamerikanische Metropole Los Angeles war übrigens die erste Stadt, die solch eine Endung bekam: ".la" - eigentlich gehört diese TLD Laos, wurde allerdings gekauft.
Die Domain .xxx gibt es für Erotikseiten
Die ".by"-Domain war für Bayern übrigens nicht mehr frei, sie gehört schon Weißrussland. Dabei wäre die deutlich billiger geworden: Die Registrierung einer ".by"-Adresse kostet vergleichsweise wenige 300 Euro für drei Jahre. Auch eine andere Domain ist besetzt: Für ".xxx" können sich seit wenigen Tagen Anbieter von pornografischen Inhalten registrieren lassen. (mit dpa)