Gundelfingen Eine gemeinsame Kulturfahrt nach Augsburg in den Dom, Glaubensgespräche, Vorträge über Zwangsprostitution, Multiple Sklerose oder die Arbeit in Frauenhäusern. Vielfältig sind die Themen, die beim Frauenfrühstück in Gundelfingen in den vergangenen Jahren auf den Frühstückstisch gekommen sind. Doch eine Regel ist stets dieselbe geblieben: Männer müssen draußen bleiben.
Zehn Jahre ist es nun her, dass Kriemhild Wahl und Friedlies Hopf-Schirm in Gundelfingen diese besondere Möglichkeit der Begegnung von Frauen verschiedenster Religionen schufen. Drei Mal im Jahr treffen sie sich seither im Pfarrheim. „Wir haben immer zusammen den Weltgebetstag gestaltet – katholische und evangelische Frauen gemeinsam. Und wir fanden es schade, dass wir sonst nichts gemeinsam machen“, erzählt Friedlies Hopf-Schirm. Daneben sei ihr aber von jeher auch der interreligiöse Dialog sehr wichtig gewesen. „Und deshalb haben wir auch muslimische Frauen eingeladen.“
Terroranschläge versetzten in einen Schockzustand
Über die Lauinger Moschee, die Schule und den Kindergarten sei damals der erste Kontakt entstanden. „Und ich hatte immer auch muslimische Freundinnen“, sagt Hopf-Schirm. Für den September 2001 war schließlich das erste Frühstück geplant. Wenige Tage vor dem Treffen versetzten dann die Terroranschläge des 11. September die Welt in einen Schockzustand. „Dann saßen wir da, wie gelähmt, und haben überlegt, wie es jetzt weitergehen soll. Und dann haben wir uns gesagt: ‚Jetzt erst recht‘.“ Über die Jahre, sagt Kriemhild Wahl, habe sich ein reger Austausch zwischen den Religionen und Kulturen entwickelt – mit ständig wechselnden Teilnehmerinnen. Im Zentrum, erzählen beide, habe dabei immer der Satz „Die Hand an der Wiege regiert die Welt“ gestanden. „Wir wollen unseren Kindern mitgeben, wie wichtig es ist, dass wir voneinander wissen und uns gegenseitig respektieren. Dann wird es in der nächsten Generation schon leichter“, ist Hopf-Schirm überzeugt.
Doch dazu mussten die Frauen erst voneinander lernen. Das sei, besonders zu Anfang, nicht immer einfach gewesen, erinnern sich die beiden Gundelfingerinnen. Immer wieder galt es, die Sprachbarriere zu überwinden. „Das hat dann oft mit Händen und Füßen oder mit Tänzen funktioniert. Das ist universal.“
Viel, sagen die beiden Frauen, hätten sie in den vergangenen zehn Jahren gelernt. Dass Frauen, egal aus welchem Kulturkreis, im Grunde die gleichen Interessen hätten, dass es viele verschiedene Spielarten des Islam gibt, dass immer ein Mensch hinter der Religion steht. „Es hat unseren Horizont schon erweitert und es sind auch Freundschaften entstanden.“ Und viel hat sich ihrer Ansicht nach auch bei den Muslimen selbst getan.
Alle sind gemeinsam stolz
„Dass, wie heute, Frauen im Vorstand der Moschee sind, das wäre zu unserer Anfangszeit undenkbar gewesen“, sagt Friedlies Hopf-Schirm. Alle gemeinsam seien sie stolz auf den Integrationspreis. Und mit dem Preisgeld soll nun gefeiert werden. Am 19. Mai gibt es ab 14.30 Uhr ein großes Fest. Mit Tanz, Sketchen und vielen Begegnungen. „Es soll einfach ein bunter Tag werden“, erhoffen sich Kriemhild Wahl und Friedlies Hopf-Schirm.
Anmeldungen bei Friedlies Hopf-Schirm, Telefon 09073/569, Erika Richter, Telefon 09073/650 oder Kriemhild Wahl, Telefon 09073/7358.