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Ausstellung: Ein Tabu-Thema öffentlich machen

Ausstellung

Ein Tabu-Thema öffentlich machen

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    Bei der Eröffnung der Wanderausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“ im Foyer des Landratsamtes: (von links) Heinrich Riegel (Erziehungsberatungsstelle), Alfred Kanth (Landratsamt), Janine Grunenberg (Jobcenter Donauwörth), Ursula Texier (psychologische Beratungsstelle), Thomas Scheuerer (Polizeiinspektion Donauwörth), Ingrid Riedelsheimer (Weißer Ring), Ursula Kneißl-Eder (Frauenhaus Nordschwaben) und Landrat Stefan Rößle.
    Bei der Eröffnung der Wanderausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“ im Foyer des Landratsamtes: (von links) Heinrich Riegel (Erziehungsberatungsstelle), Alfred Kanth (Landratsamt), Janine Grunenberg (Jobcenter Donauwörth), Ursula Texier (psychologische Beratungsstelle), Thomas Scheuerer (Polizeiinspektion Donauwörth), Ingrid Riedelsheimer (Weißer Ring), Ursula Kneißl-Eder (Frauenhaus Nordschwaben) und Landrat Stefan Rößle. Foto: Melanie Hudler

    Donauwörth Häusliche Gewalt gegen Frauen ist nach wie vor ein Tabuthema. Scham und Hilflosigkeit hindern Betroffene daran, über das eigene Leid zu sprechen und sich bei Beratungsstellen oder Frauenhäusern Unterstützung zu suchen. Aber auch die breite Bevölkerung ist für das Thema noch nicht hinreichend sensibilisiert.

    Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung will dieses Tabu-Thema in die Öffentlichkeit tragen und hat deshalb die Wanderausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“ konzipiert, die bis Dienstag, 3. April, im Landratsamt in Donauwörth zu sehen ist. Im Rahmen der Ausstellung wird über Unterstützungsmöglichkeiten für Opfer von häuslicher Gewalt, insbesondere durch die regionalen Hilfseinrichtungen vor Ort, informiert. Fachlich begleitet wird die Ausstellung durch das Frauenhaus Nordschwaben, den Weißen Ring, die Psychologische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen der Diözese Augsburg, die Polizei Donauwörth sowie dem Fachbereich Jugend, Familie, Senioren am Landratsamt Donau-Ries. Ziel der Ausstellung ist auch, alle beteiligten Organisationen untereinander und mit Privatpersonen und Politik stärker zu vernetzen. Das Problem häusliche Gewalt soll so effektiver bekämpft werden.

    In Tagebüchern von Opfern lesen

    Wer bei der Ausstellung einen Blick „unter den Teppich“ wagt, erfährt etwas über die sogenannte Gewalt- spirale. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Lenticularwände („Wackelbilder“), die mit ihren Motiven Gewalt in Alltagssituationen entlarven. Zudem können die Besucher in Tagebüchern lesen, in denen Opfer ihr Leiden erzählen. An Hörstationen berichten betroffene Frauen und Kinder aus ihrem Leben. Neben der Darstellung von Fakten bietet eine Informationssäule Hintergrundwissen über die Gesetzeslage, den Opferschutz und die bestehenden Hilfsangebote wie zum Beispiel Frauenhäuser oder Notrufe in der Region.

    Die Wanderausstellung wurde im Beisein von Landrat Stefan Rößle und den Vertretern der teilnehmenden Institutionen eröffnet. Ursula Texier, Psychologin in der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen Donauwörth, hielt einen informativen und aufrüttelnden Vortrag über die Hintergründe von häuslicher Gewalt gegen Frauen und zeigte Lösungsmöglichkeiten auf.

    Zunächst zu den Fakten: Untersuchungen zeigen, dass etwa jede vierte Frau in ihrem Erwachsenenleben mindestens einmal körperliche und/oder sexuelle Übergriffe durch einen Beziehungspartner erlebt. 42 Prozent aller Frauen sind psychischer Gewalt ausgesetzt, die von Drohungen bis hin zu Psychoterror reicht. Ursula Texier unterstrich, dass unter häuslicher Gewalt eben nicht nur physische Gewalt, sondern auch psychische Gewalt zu verstehen sei: „Psychische Gewalt liegt zum Beispiel dann vor, wenn der Mann seine Partnerin durch abfällige und verletzende Worte abwertet oder ihre finanzielle Abhängigkeit ausnutzt, um damit seine Macht zu demonstrieren.“ In fast allen Fällen häuslicher Gewalt würden die Kinder mitleiden oder selbst zu Opfern werden. Die Psychologin wies darauf hin, dass auch Männer Opfer von häuslicher Gewalt werden können. Dies komme jedoch weitaus seltener vor.

    Abschließend ging Texier auf das Beratungsangebot im Rahmen der Wanderausstellung ein. Es sei ihr ein Anliegen, auf die Funktion der Beratungsstellen und der Frauenhäuser als Schutzräume für Frauen und Kinder hinzuweisen und als ein Ort, an dem Frauen lernen könnten, sich aus einer schädlichen Partnerschaft zu lösen und wieder selbstständig zu leben. „Leider trauen sich viele Menschen aus Scham oder Schuldgefühlen heraus nicht, diese Angebote zu nutzen. Es ist aber sehr wichtig, dass Frauen diesen Schritt wagen, um sich und ihre Kinder zu schützen“, betonte die Psychologin.

    Abschließend betonte Texier noch einmal wie wichtig es sei, dieses Tabu-Thema öffentlich zu thematisieren, durch Information bei Betroffenen Hemmschwellen abzubauen und die Vernetzung von Hilfsorganisationen und Politik voranzutreiben, damit häusliche Gewalt künftig nicht mehr „unter den Teppich“ gekehrt wird.

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