Das Tillykreuz ist ein Erbe der Heimat. Jahrhunderte lang war es das einzige Erinnerungsmal an die Schlacht bei Rain und an die Überlieferung, dass hier der todwunde Feldherr gelegen habe. Es war der fromme Sinn der Bauern dieses "Marterl" aus Holz zur Erinnerung an einen Menschen zu schaffen, der durch Gewalt und Unglück aus dem Leben schied. Naturgemäß, da frei stehend, verwittern Erinnerungsdenkmäler dieser Art rasch und mussten dementsprechend immer wieder erneuert werden.
1905 entwarf der Bildhauer Anton Sailer, Augsburg, für die Augsburger Sodalen der Marianischen Bürgerkongregation ein Tillykreuz in Unterpeiching. Die Sodalen wollten das in Stein gehauene Denkmal exakt an der Stelle errichten, "an der Tilly im Kampfe gegen die Schweden die schwere Wunde erhielt, der er später in Ingolstadt erlag".
Holzkreuz am Feldrain
1969 schreibt Gerd Daniel, Redaktionsmitglied der Neuburger Rundschau über Unterpeiching: "Am Feldrain steht das Tillykreuz. Einige hundert Meter von der Kirche entfernt ragt am Feldrain ein Holzkreuz auf, das ,Tillykreuz', wie es im Volksmund genannt wird. Es stand ursprünglich etwa 80 Meter von der heutigen Stelle entfernt und soll die Stelle markiert haben, an der Tilly die tödliche Wunde erhalten hat. Im Zuge der Flurbereinigung 1947/48 musste das Kreuz versetzt werden. Da es schon sehr altersschwach war, ließ der Schuhmachermeister Johann Ziegler ein neues anfertigen, an dem der alte Corpus angebracht wurde. Schon der Vater von Johann Ziegler kümmerte sich in anerkennenswerter Weise um das Tillykreuz." Ein Bild des Tillykreuzes von Frank Fitzek wurde mit dem Artikel veröffentlicht.
Am 15. April 1932, dem 300. Jahrestag der Verwundung Tillys zog eine Prozession zum Tillykreuz. "Ehrfürchtige Schauer liefen uns" - Paula war als 10-jähriger Ministrant dabei - "den Rücken hinunter, als Pfarrer Bannwolf in einer gegen Adolf Hitler aufrüttelnden Predigt anhub, dass wir hier an der Stelle stehen, wo Tilly verwundet lag."
Politisch heiße Zeit
Es war eine politisch heiße Zeit, denn unmittelbar vor Hitlers Machtübernahme wollten konservative Kräfte um die BVP im Reich wieder eine Monarchie in Bayern mit Kronprinz Rupprecht an der Spitze einführen. Dies scheiterte; Mitglieder des Hauses Wittelsbach kamen ins KZ; Kronprinz Rupprecht musste außer Landes fliehen. Pfr. Bannwolf kam ins Gefängnis.
"Den 'Ziegler Hans' kannte ich, (Jakob Paula) vom Gesellenverein (= Kolping) her. Er wurde am 3. Dezember 1913 in Unterpeiching geboren als zweitältester von elf Geschwistern, lernte das Schuhmacherhandwerk, wurde Meister; weiters zog er nach Augsburg und arbeitete in einem größeren Handwerksbetrieb." Der Ehe entsprossen zwei Kinder: Annemarie und Johann, die in Augsburg und München Familien gründeten.
1939 wurde der Ziegler Hans in den Krieg einberufen. Seine Familie wurde in Augsburg ausgebombt und zog ins Elternhaus nach Unterpeiching. Dort wurde das aus Augsburg Gerettete ein Raub der Flammen, als am 25. April 1945 eine Granate in ihr Anwesen schlug. Johann Ziegler wurde 1948 aus amerikanischer Gefangenschaft entlassen. Nun arbeitete er als selbstständiger Schuhmachermeister in Unterpeiching und versorgte die Bürger von Unterpeiching und Oberpeiching mit Schuhwerk.
Aus eigenen Mitteln
Um 1965 wurde das Tillykreuz am Ackerrain altersschwach. Johann Ziegler fühlte sich aufgefordert, das Erbe seiner Heimat, das Tillykreuz aus eigenen Mitteln vollkommen neu zu erstellen. Zusammen mit dem Oberpeichinger Zimmermeister Wolfgang Müller schuf er das stattliche heutige Kreuz; hervorragend gezimmert, überstand es alle Stürme der Zeit und auch ein dreimaliges Wechseln des Standortes.
Ziegler kaufte in Augsburg eine neue Christusfigur, da die vorhergehende sehr stark beschädigt war, sowie eine stehende Madonna. Letztere wurde Opfer eines Diebstahls. Am 28. Oktober 1979 starb dieser für die Erhaltung des Tillykreuzes so verdienstvolle Mann. Das Tillykreuz ist ein Erinnerungsmahnmal an das bedeutendste militärische Ereignis am Unteren Lechrain. Jahrhunderte lang haben die Bauern von Unterpeiching dieses Gedächtniskreuz für die Nachwelt erhalten.
Es war für viele Jahre der einzige Hinweis auf die Schlacht bei Rain 1632. Eine gute und ehrwürdige Tradition hat sich mit dem Tillykreuz bis zum heutigen Tag erhalten. Grund genug, dies als Auftrag für die Zukunft zu sehen und diese Tradition weiterzuführen.