Mering Die Meringer Weiche auf den Bahngleisen soll entfernt werden. Sie ermöglicht zurzeit auf der Bahnstrecke Augsburg–München einen Gleiswechsel zwischen Regional- und Fernbahngleisen. Politiker befürchten nach dem Rückbau Nachteile für die Reisenden.
Wenn die Meringer Weiche mit dem Ende der Bauzeit entfernt wird, besteht ab Juni 2011 zwischen Augsburg-Hauptbahnhof und Olching – also auf etwa 50 Kilometern – keine Möglichkeit des Gleiswechsels mehr. „Damit wird diese viergleisige Strecke im Falle einer Störung quasi zweigleisig“, kritisiert Landtagsabgeordnete Christine Kamm. Zusammen mit Bezirksvorsitzendem Klaus Becker (beide Grüne) hat sie einen offenen Brief an Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil geschrieben und fordert: Die Weiche muss bleiben und der Verkehrsminister solle diese „eklatante Fehlplanung“ rückgängig machen.
Bundestagsabgeordneter Heinz Paula (SPD) äußerte seinen Unmut ebenfalls in einen Brief an Klaus-Dieter Josel, den Konzernbeauftragten der Deutschen Bahn AG für Bayern. Paula befürchtet, dass sich durch den Weichenrückbau der Nutzen des Streckenausbaus verringert.
Störungen auf dem Regional- oder Fernverkehrsgleisen würden zu unnötigen Verspätungen führen, befürchten Kamm und Becker. Denn jeder Zwischenfall löse unweigerlich weitere Störungen aus, meint Christine Kamm. Und die Strecke sei sowieso schon stark vom Regionalverkehr und dem Fuggerexpress frequentiert, so die Landtagsabgeordnete. Reisende hätten seit Jahren unter Verspätungen und Zugausfällen zu leiden. „Wieso werden sinnvolle und notwendige Weichen entfernt?“, fragen Kamm und Becker in ihrem offenen Brief.
Rückbau ist wegen der Schallschutzwand notwendig
Darauf hat die Deutsche Bahn (DB) eine Antwort parat, denn in Mering handelt es sich um eine Baustellenweiche, das heißt um eine vorübergehend errichtete Weiche, die den Zugverkehr während der Bauarbeiten erleichtert hat. „Die Weiche muss nun abgebaut werden, damit die Schallschutzwand geschlossen werden kann. Es gibt keine Möglichkeit, nach dem vorliegenden Baurecht die Weiche zu erhalten“, erklärt ein Bahnsprecher gegenüber unserer Zeitung. Die Meinung der beiden Politiker, der Weichenrückbau habe eklatante Nachteile für Pendler, teilt der der Bahnsprecher nicht, im Gegenteil: Für die Reisenden ergebe sich seit dem Gleisausbau eine grundsätzliche Verbesserung, weil künftig vier statt bisher zwei Gleise zur Verfügung stehen. Eine Verbesserung stelle sich auch bei einer Streckenunterbrechung ein – weil leichter vorbeigefahren werden könne. „Im Falle des Falles können alle Züge ab Augsburg oder München auf die jeweils anderen Gleise geleitet werden. Nur wenn ein Zug im betroffenen Abschnitt steht, muss er warten“, erklärt der Sprecher, der aber durchaus einräumt, dass eine zusätzliche Weiche zwischen Augsburg und Olching „grundsätzlich nicht falsch“ wäre. Jedoch mangele es am Geld für einen Neubau, weiß der Pressesprecher: „In den Finanzmitteln, die die Deutsche Bahn vom Bund erhalten hat, ist dafür nichts vorgesehen.“
Auf Anfrage unserer Zeitung gab auch Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil eine schriftliche Stellungnahme ab. Er will sich für den Erhalt der Weiche einsetzen. „Der Freistaat ist über den geplanten Rückbau alles andere als erfreut. Wir haben das Problem längst erkannt“, so der Minister. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft, deren Aufsichtsratsvorsitzender Zeil ist, habe den Rückbau und die dadurch drohenden Einbußen bei der Betriebsqualität bei der DB Netz bereits moniert. Um dem noch mehr Nachdruck zu verleihen, will sich Zeil persönlich an den DB-Netz-Vorstand wenden. „Da sollte die Bahn nicht an der falschen Stelle sparen“, so Zeil.