Friedberg Sie ist groß, dick und vor allem sehr alt: die Welser-Chronik. Das Buch erschien erstmals im ausgehenden 17. Jahrhundert und gibt einen Rückblick auf die Entstehung Augsburgs. Immer wieder ist darin von Friedberg die Rede. Aus dieser Zeit gibt es kaum mehr Quellen zur altbayerischen Herzogstadt. „Es ist im Dreißigjährigen Krieg ja alles niedergebrannt worden bei uns“, sagt Walter Föllmer, zweiter Vorsitzender des Heimatvereins. Umso mehr freut er sich nun über das Geschenk aus Augsburg: Oberbürgermeister Kurt Gribl überreichte ihm im Wittelsbacher Schloss ein Faksimilie, eine Kopie des berühmten Drucks.
Im Heimatmuseum des Vereins kann jeder das rund 400 Seiten dicke Werk künftig einsehen. Das Original befindet sich im Stadtarchiv Augsburg. Zur 2000-Jahr-Feier hat die Stadt im vergangenen Jahrhundert 200 Reproduktionen anfertigen lassen, darunter auch die Ausgabe, die nun dem Heimatverein gehört. Die Chronik stammt aus der Feder des Augsburger Patriziers Markus Welser. Seine Darstellungen zur Frühgeschichte der Stadt entsprechen nicht mehr den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Er liefert jedoch Dokumente römischer Inschriften, Skulpturen und anderer Funde, die auch heute noch interessant sind, da nicht mehr alle erwähnten Monumente existieren.
Der Chronik hinzugefügt hat Welser die „Annales Augustani“ des Mediziners Achilles Pirminus Gasser, die Augsburgs Entwicklung im Mittelalter und in der frühesten Neuzeit behandeln. Beide Teile waren ursprünglich in Latein geschrieben, die Übersetzung entstand erst für die Gesamtchronik. Viele handschriftliche Darstellungen zur Historie der Region entstanden in jener Zeit. Nur die Welser-Chronik aber wurde gedruckt, was ihre große Bedeutung illustriert.
Wie wertvoll das Faksimile gemessen in Geld ist, kann Föllmer nicht beziffern: „Für die Geschichte in Friedberg ist es aber sehr wichtig.“ Man erfahre darin viel über die Beziehungen zur benachbarten Fuggerstadt. Jedem, der sich dafür interessiert, könne das Buch nun als Arbeitsgrundlage dienen. Deshalb war der Heimatverein auch auf Augsburg zugegangen – mit der Bitte um ein Exemplar. Dem war OB Kurt Gribl gerne nachgekommen, wie er im Schloss sagte: „Man sollte sich in der Nachbarschaft den Gemeinsamkeiten zuwenden. Auf die Unterschiede kommt man oft genug zu sprechen.“ Zudem sei es ein Geben und Nehmen: Mit der Restaurierung der Lechgrenzkarte habe auch der Heimatverein schon im Interesse Augsburgs gehandelt.