Montag, 26. Juni 2017

02. Dezember 2016 18:04 Uhr

Verkehr im Wittelsbacher Land

Freie Bahn für die Osttangente

Parlament verabschiedet Bundesfernstraßenplan ohne Veränderungen. Warum der Abschnitt von Mering bis Königsbrunn aber vorerst nicht weiterverfolgt werden soll. Von Thomas Goßner

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Aktivisten der Jugendorganisation des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) demonstrierten  vor dem Reichstag gegen den Bundesverkehrswegeplan 2030, der auch den Weg für die Osttangente freimacht.
Foto: Paul Zinken (dpa)

Ulrich Lange ist erleichtert. „Ein Spitzentag“, freut sich der Verkehrspolitiker. Über 2000 Projektideen mussten in den vergangenen Monaten gesammelt und bewertet werden, bevor der Bundestag den neuen Bundesverkehrswegeplan in dritter und letzter Lesung verabschieden konnte. Darin enthalten ist auch die Osttangente Augsburg – eine Entscheidung, die erwartungsgemäß auf ein geteiltes Echo stößt. Während die CSU-Abgeordneten Lange und Hansjörg Durz das Ergebnis begrüßen, bleiben die Gegner bei ihrer Kritik. „Unser Widerstand geht jetzt erst richtig los“, kündigte Wolfhard von Thienen, Sprecher des Aktionsbündnisses keine Osttangente (A-KO), an.

Die Straßenabschnitte zwischen der A 8 bei Derching und der Staatsstraße 2380 bei Mering sind dem „Vordringlichen Bedarf“ und der Abschnitt zwischen Mering und der B 17 bei Oberottmarshausen dem „Weiteren Bedarf mit Planungsrecht“ zugeordnet. Dieser Bereich wird nach Angaben der beiden CSU-Politiker in den nächsten Jahren planerisch nicht weiterverfolgt. Wesentliche Ziele der Osttangente könnten auch ohne die Querverbindung über den Lech zur B 17 erreicht werden, betonen die Parlamentarier. Dazu zählen die Bündelung des Nord-Süd-Verkehrs im südlichen Landkreis Aichach-Friedberg, die Verbesserung der Verkehrssicherheit und des Verkehrsablaufs auf den Hauptverkehrsstraßen, die Entlastung der von Lärm- und Schadstoffen belasteten Straßenanlieger sowie die Verbesserung der kommunalen Entwicklungsmöglichkeiten. „Auch Planungen kosten Geld“, ergänzte Ulrich Lange im Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb sei es besser, die Planungsmittel dort einzusetzen, wo man bauen könne – also für die Abschnitte eins bis drei.

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Lange sieht jetzt die Region am Zug. „Wir haben die Chance eröffnet. Der wirkliche Prozess beginnt jetzt vor Ort“, sagte er. Das Straßenbauamt werde jetzt das Verfahren auf den Weg bringen. Im Dialog mit der Politik müsse auch geklärt werden, welcher Abschnitt zuerst verwirklicht werde. Im Landkreis gibt es unterschiedliche Ansichten in der Frage, ob als erstes der vierspurige Ausbau der Kreisstraße AIC25 zwischen Derching und Friedberg oder die Kissinger Umgehung am Zuge sein soll.

Aus Sicht von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) hat das Projekt hingegen extreme Belastungen für Umwelt und Natur zur Folge und ist mit einem sehr hohen Flächenverbrauch verbunden. „Diese autobahnähnliche Straße ist kein Beitrag zu einer zukunftsfähigen Verkehrspolitik und kein Beitrag zu effektivem Klimaschutz“, kritisierte sie: Zwei Natura-2000-Gebiete werden bedroht und bisher unzerschnittene Lebensräume durchschnitten.

Alternativen habe das Verkehrsministerium nicht geprüft, so die Grünen-Politikerin. Es bestehe der Verdacht, dass die Pläne für das Großprojekt nur verfolgt werden, um in diesem Zuge zwei Ortsumfahrungen um Friedberg und Kissing durchzusetzen, die aufgrund ihrer geringen Bedeutung für das Gesamtnetz als Einzelprojekte voraussichtlich schlechter bewertet worden wären.

Auch wenn die Finanzierung der Projekte des vordringlichen Bedarfs gesichert sei, rechnet Lange nicht mit einem schnellen Baubeginn für die Osttangente. „Wir wissen alle, dass Straßenplanungen keine Sache von ein oder zwei Jahren mehr sind“, sagte er unserer Zeitung. Es werde schon noch einige Zeit vergehen, bis hier gebaut werde. Zumal die Gegner des Projekts bereits rechtliche Schritte gegen die Osttangente angekündigt haben.

Besonders enttäuscht zeigte sich A-KO-Sprecher von Thienen, dass CSU, CDU und SPD dem Angebot, offene Dialogverfahren aufzunehmen, die kalte Schulter gezeigt hätten. „Offenbar hat man aus den Entwicklungen der vergangenen Monate rein gar nichts gelernt. Bürgerbeteiligung sieht nach Ansicht der von uns gewählten Vertreter offenbar so aus, dass sie sagen, was gebaut wird, und wir dürfen dann sagen obs zehn Meter links oder rechts sein soll.“ Er befürchte jetzt das Schlimmste für die Lechregion, nachdem sich die Befürworter der Autobahn durchs Lechtal bei Augsburg vorerst durchgesetzt hätten.

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Thomas Gossner

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