Aichach-Friedberg Der Zwischenbericht zum neuen Nahverkehrsplan kann lediglich eine Arbeitsgrundlage für weitere Überlegungen sein. Darauf verständigten sich gestern die zuständigen Ausschüsse der Stadt Augsburg und der Landkreise Aichach-Friedberg, Augsburg und Dillingen. Denn mancher Kommunalpolitiker beurteilt das Angebot des Augsburger Verkehrsverbunds (AVV) bei Weitem nicht so wohlwollend wie die Gutachter Irene Burger und Rimbert Schürmann von der Firma Ptv. Die hatten bei ihrer Analyse des Ist-Zustands im gesamten AVV-Bereich nur 14 Lücken entdeckt, die näher untersucht werden müssten (wir berichteten).
Bei der gemeinsamen Sitzung im Aichacher Landratsamt gab es neben vereinzeltem Lob auch viel Kritik am Öffentlichen Personennahverkehr in der Region, aber auch am Verfahren. So wurde zum Beispiel eine Haltestelle in Stätzling als Beleg für das dichte Netz herangezogen, die nur einmal am Tag bedient werde. Mehrfach wurde beanstandet, dass die Anregungen, die im Rahmen der Fortschreibung von den Bürgern eingingen, trotz Nachfragen nicht weitergegeben wurden. Sie sollen jedoch erst bewertet und mit Lösungsvorschlägen unterlegt werden, bevor sich die Politik damit beschäftigt, hieß es vonseiten der Verwaltung.
Die Friedberger Kreisrätin Marion Brülls (Grüne) erinnerte an das Beispiel von Leipzig, wo Autofahrer nach Ostern kostenlos den Öffentlichen Nahverkehr benutzen durften. „Womit locken wir die Bürger?“, fragte sie. Der Nahverkehrsplan müsse das Ziel habe, die Abhängigkeit vom Auto zu reduzieren. Diesen Willen kann Brülls im AVV nicht erkennen: „Bei uns heißt das Zauberwort Wirtschaftlichkeit.“
Auch Manfred Buhl (FDP) aus Königsbrunn mochte sich dem positiven Urteil der Gutachter nicht anschließen. „Wie gut der Öffentliche Personennahverkehr ist, lässt sich am besten durch die Nachfrage bei den Menschen erkennen“, sagte er mit Blick auf die Nutzerzahlen: Nur ein Prozent der Königsbrunner fahren nach seinen Worten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dabei müssten es in einer Stadt dieser Größe eigentlich 20 Prozent sein.
In der Stadt und den einzelnen Landkreisen gibt es eine ganze Reihe von Verbesserungswünschen, die jetzt in den jeweiligen Gremien diskutiert werden sollen. Und zwar ergebnisoffen, wie die Kommunalpolitiker einstimmig beschlossen. „Es ist nicht alles schlecht, aber auch nicht so gut, dass es nicht besser werden könnte“, urteilte Heinz Liebert (CSU), der in Langenreichen bei Meitingen wohnt und selbst täglich den AVV benutzt. Und der Vize-Landrat von Dillingen, Alfred Schneid (CSU), stellte fest: „Der AVV ist besser, als man es in der Öffentlichkeit meint. Es ist unsere Aufgabe, die Schwachstellen zu beseitigen.“