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Planer: Der Herr über die A8

Planer

Der Herr über die A8

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    Pansuevia-Geschäftsführer Gianluca Beraldo. Die Betreibergesellschaft ist für den 41 Kilometer langen, sechsstreifigen Ausbau der A8 zwischen Günzburg-Leinheim und Augsburg-West zuständig.
    Pansuevia-Geschäftsführer Gianluca Beraldo. Die Betreibergesellschaft ist für den 41 Kilometer langen, sechsstreifigen Ausbau der A8 zwischen Günzburg-Leinheim und Augsburg-West zuständig.

    Leipheim Wenn Gianluca Beraldo davon erzählt, wie er zu seinem Beruf gekommen ist, könnte man zuerst den Eindruck haben, der 53-jährige Italiener möchte seinen Gesprächspartner auf den Arm nehmen. Denn bei Beraldo, der als technischer Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Pansuevia für den Ausbau der A8 zwischen Augsburg und Günzburg verantwortlich ist, ist die Autobahn – oder Autostrada – eine Familiensache. „Mein Vater hat bereits Autobahnen gebaut.“ In den 60er-Jahren war Vater Beraldo am Ausbau des italienischen Autobahnnetzes beschäftigt. Sein Sohn erinnert sich: „Wenn wir als Familie am Strand gespielt haben, haben andere Väter mit ihren Kindern Sandburgen gebaut. Wir haben eine Autobahn gebaut.“

    Eine Autobahn bauen – genau das wird in den kommenden drei Jahren auch die Aufgabe von Gianluca Beraldo sein. Bis spätestens zum 30. September 2015 soll das 41 Kilometer lange Teilstück zwischen Günzburg und Augsburg sechsspurig ausgebaut werden – keinen Tag später. So sehen es die Verträge zwischen der Bundesrepublik Deutschland, die als Konzessionsgeber auftritt, und der privaten Betreibergesellschaft Pansuevia vor, deren Gesellschafter zu jeweils 50 Prozent die Hochtief PPP Solutions und die Hermann-Kirchner-Projektgesellschaft mbH sind. Als Vertreter von Hochtief und Projektleiter fungiert in den nächsten fünf Jahren Gianluca Beraldo.

    Fünf Jahre, für die es einen detailliert ausgearbeiteten Zeitplan gibt, der den Beteiligten keinerlei Verhandlungsbasis gestattet. Er hängt in Beraldos Büro in einem Leipheimer Containerbüro. Es ist ein Fahrplan für den Ausbau – aber auch für Beraldos Leben. Der gibt sich humorvoll, wenn man ihn auf den Plan anspricht. „Das sieht fast aus wie moderne Kunst“, sagt er und lacht. Trotzdem weiß Beraldo: Er darf sich keine Ausfälle leisten, keine Verzögerung, keine Überraschungen. Die Folge einer Autobahn, die nicht rechtzeitig fertig wird, wären drakonische Vertragsstrafen. In Beraldos Charme verpackt, hört sich das so an: „Wir haben ein großes Interesse daran, hier rechtzeitig fertig zu werden.“

    Eine Anforderung, die der Italiener bereits kennt. Das Modell eines Public-Private-Partnership (PPP), bei dem der Bund eine Kooperation mit einem privaten Betreiber eingeht, um eine Autobahn auszubauen, kennt er bereits aus seiner Zeit in Thüringen. Auf der A4 zwischen Eisenach und Gotha entstand auf 42 Kilometern bundesweit die erste Autobahntrasse mit PPP-Grundlage. Auch hier gab es eine fest definierte Geschäftsgrundlage: Der Ausbau musste bis Anfang 2010 abgeschlossen sein, im Gegenzug erhielt die Betreibergesellschaft einen Teil der Einnahmen an der Lkw-Maut. Der Geschäftsführer der Via Solutions Thüringen, die für den Ausbau zuständig war: Gianluca Beraldo.

    Es war jedoch beileibe nicht das erste Mammutprojekt für den Italiener, dessen Leben von Bauprojekten definiert wird und von deren Dauer geregelt ist. Auch wenn Pansuevia als Betreibergesellschaft die Mautrechte für die kommenden 30 Jahre erhalten hat – Beraldos Lebensplanung wird sich aller Voraussicht nach in fünf Jahren wieder etwas ändern. Ein Leben, das er bereits von Kindesbeinen an kennt. „Wegen des Berufs meines Vaters sind wir ständig umgezogen.“ Über den Geburtsort Venedig ging es quer durch Italien. Beraldo selbst, der sich deswegen als „vollkommen entwurzelt“ bezeichnet, wollte eigentlich Landwirtschaft studieren. Fast scheint es so, als ob das Schicksal einen anderen Plan für ihn bereit hatte, denn ein Formfehler der Behörden verhinderte dies. „Dann habe ich in Triest Ingenieurswesen studiert – ab da führte ich das Leben meines Vaters.“ Und eben dieses führte ihn im Jahresrhythmus durch die Welt. Während der Herrschaft von Saddam Hussein baute er im Irak einen Staudamm, in Istanbul war er für den Bau einer Brücke über den Bosporus zuständig, in der Schweiz war er bei der Errichtung des Gotthard-Tunnels dabei.

    Eine Rückkehr nach Italien scheint unwahrscheinlich

    Und eben Deutschland. Im Jahr 1996 kam der rastlose Ingenieur nach Deutschland, um Brücken zu bauen – und ist mit kleineren Ausnahmen bis heute hier geblieben. Eine kurzzeitige Rückkehr nach Italien im vergangenen Jahr habe ihm gezeigt, „dass ich in Italien nicht mehr arbeiten kann“. Der hohe Grad an Improvisation hält ihn davon ab. Sein Zuhause – zumindest für die nächsten fünf Jahre – hat Beraldo nun in Haldenwang gefunden. Für den Fall, dass er auch in der Zeit, in der die Pansuevia die Lkw-Mauteinnahmen an der neuen Autobahn einnimmt, noch im Unternehmen bleiben möchte, könnte sich Beraldo ebenso bei den Erfahrungswerten seiner Familie bedienen: Sein Bruder ist in Italien für die Einnahme der Mautgebühren zuständig.

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