Von Eva Büchele
Altenstadt-Untereichen Hat ein Narr gesellschaftliche Aufgaben? Gehören Alkohol und Fasching zusammen? Oder sagt man Fasnet? Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch mit einigen Vertretern der Unteroich’r Keazalälle – nicht bei Bier oder Schnaps, sondern bei Kaffee und Kuchen; mit Masken, Luftschlangen und viel guter Laune.
„Wir waren noch nie ein Alkohol-Verein“, stellt Maria Heckelmiller klar. Sie ist eine der Mitbegründerinnen der Keazalälle. Seit 1974 gibt es die Gruppe. Gegründet wurde sie von Frauen, deren Männer sich bei der Untereicher Feuerwehr engagierten. „Wir Frauen waren immer im Dorf beim Hausmaskern“, erinnert sich die 59-Jährige. Die Maskerer zogen von Haus zu Haus, streuten Konfetti – und dann gab’s ein Getränk. Beim Altenstadter Fasnetsumzug liefen die Feuerwehr-Frauen auch mit. Und so gründeten sie schließlich einen Fasnetsverein nach schwäbisch-allemannischem Vorbild – keinen Faschingsverein, darauf legt Heckelmiller Wert.
Mittlerweile sind die Keazalälle zu einem großen Haufen angewachsen, haben 250 passive und 69 aktive Mitglieder. „Wir sind ein Verein für die ganze Familie“, sagt der Vorsitzende Johannes Mayer. Das jüngste Mitglied ist noch nicht einmal drei Jahre alt, das älteste knapp 70. „Und wir sind heute multikulti“, betont er. Das heißt, die Mitglieder müssen nicht mehr zwingend aus Untereichen kommen. „Das Wichtigste für mich ist, dass wir ein großer Haufen sind und vernünftig“, sagt er. Betrunkene und Randalierer sind in der Gruppe nicht gern gesehen.
Ihn ärgert, dass Fasnet und Alkohol oft in einem Atemzug genannt werden. „Das soll doch kein Besäufnis sein, sondern ein buntes, fröhliches Treiben.“ Deshalb freut Mayer sich, dass es seit einigen Jahren in Altenstadt eine Narrenmesse gibt. „Sie rückt die Fasnet dorthin, wo der Narr sie haben will. Wir wollen schließlich zum Allgemeinwohl beitragen“, erklärt er. In seinen Augen haben die Narrenvereine in Altenstadt eine gesellschaftliche Aufgabe: „Wir gestalten die Gemeinde mit.“
Ein Beispiel sei der Rathaussturm. Der stammt aus Zeiten, als Untereichen noch eigenständig war. Nach der Gebietsreform wurde die Tradition auf Altenstadt übertragen und die Keazalälle entführten den damaligen Bürgermeister Günter Blum mit dem Leiterwagen. Nach und nach schlossen sich immer mehr Gruppen dem Spektakel an, die BläachGuggaFätzer spielten auf und weitere Narrenvereine nahmen teil. „Wir haben in Altenstadt sechs Fasnetsvereine und die ziehen alle an einem Strang“, betont Mayer. Ein Symbol dafür sei der Narrenbaum, an dem Tafeln aller Altenstadter Narrenvereine hängen.
Unterhalten zählt natürlich auch zu den Aufgaben eines Narrs. Da werden beim Umzug Pyramiden gebaut, das Publikum animiert, den Narrenspruch zu schreien oder auch mal jemand ein Stückchen mitgenommen. „Oberstes Gebot ist, dass nie Gewalt angewendet wird und es darf kein Schaden entstehen“, betont Mayer. Das Publikum anzumalen oder dergleichen ist in seinen Augen kein feiner Zug. Der Vorsitzende fordert Disziplin von den Narren. „Wer ein Häs mit Nummer trägt, trägt auch Verantwortung.“
Maria Heckelmiller, die, obwohl sie bald 60 wird, so oft es geht selbst noch unter die Larve schlüpft, kommuniziert bei Umzügen besonders gern mit Kindern. „Es fasziniert mich, wie sie reagieren.“ Und wenn eines mal Angst hat, schiebt sie einfach die Maske hoch, damit die Kinder sehen: Darunter steckt nur eine ganz normale Frau.
Die wilden Gesichter mit den herabhängenden Zungen fertigen die Vereinsmitglieder selbst an. Dazu wird eine Silikonform mit einem speziellen Flexschaum ausgegossen. Wenn die Maske ausgehärtet ist, wird sie noch bemalt.
Dass er mal unter eine solche Larve schlüpfen würde, hätte Johannes Mayer früher nie gedacht. Seine Frau Ingrid hatte zuerst die Fasnet für sich entdeckt. Ihr zu Liebe ist er dem Verein beigetreten. „Wenn es hoch hergeht, ist es gut, wenn zwei spinnen“, sagt Ingrid. Zeitweise war die ganze Familie Mayer im Verein aktiv, die Eltern mit beiden Kindern. Mittlerweile sind Ingrid (53) und Johannes (57) Großeltern – und wer weiß, vielleicht steckt bald auch eines der Enkelkinder unter einer Maske der Keazalälle.