Weihnachten ohne Christbaum? Unvorstellbar in Deutschland. 26 Millionen Nadelbäume werden heuer wahrscheinlich verkauft. Insgesamt geben die Deutschen dafür über 450 Millionen Euro aus. Doch einige Unbelehrbare wollen für den Weihnachtsbaum kein Geld ausgeben. Stattdessen schauen sie sich in der freien Natur um und sägen sich den schönsten einfach ab - ohne Erlaubnis, ohne Bezahlung.
Diebstahl kann teuer werden
Die Taten sind aber keine Kavaliersdelikte wie Hartmut Dauner von der Forstverwaltung Augsburg betont: "Das ist Diebstahl und eine Straftat." Denn auch wenn kein Zaun oder Schild darauf hinweist, gibt es einen Besitzer, dem der Wald gehört. "Die Geldstrafen können auch schon mal mehrere hundert Euro betragen", sagt Dauner. In den städtischen Wälder kommt es immer wieder zu illegalen Abholzungen, auch wenn es nicht viele sind. "Wir bringen aber jeden Fall zu Anzeige", warnt Dauner.
Viel schlimmer als der finanzielle Schaden ist der biologische. Ein Waldbesitzer, der ein kleines Stückchen in den westlichen Wäldern besitzt, berichtet: "Die Leute schnappen sich natürlich die schönsten Tannen, die sonst 100 Jahre gestanden hätten." Doch die Tannen mit dem dichtesten Wuchs sind es, die man eigentlich fördern und erhalten will.
Baum schlagen als Erlebnis
Dabei gibt es mittlerweile ausreichend Alternativen, bei denen man ganz legal seine Tanne im Wald aussuchen und selber schlagen kann. "Das Geschäft läuft gut", bestätigt Wolf-Dietrich Graf von Hundt, der seit 30 Jahren im Winterwald in Unterweikertshofen (Landkreis Dachau) diesen Service anbietet.
Vielen Menschen sei es noch wichtig, selbst anzulegen, berichtet der Graf: "Der Erlebnischarakter mit dem ganzen Drumherum begeistert die Leute." Klar, dass die Lust stark vom Wetter abhängt. "Wenn es stark regnet, nehmen die Menschen natürlich lieber schnell einen Baum mit, anstatt zwei, drei Stunden im Wald zu verbringen."
Nordmanntanne weiterhin am beliebtesten
Was den Geschmack der Menschen angeht, hat sich nicht viel geändert: Der beliebteste Christbaum ist und bleibt die buschige, kompakte Nordmanntanne. Und das, obwohl sie mit Abstand am teuersten ist: Je nach Qualität wird der Meter mit 16 bis 22 Euro gehandelt, ein ordentlichen Weihnachtsbaum kostet also zwischen 30 und 40 Euro. Dafür kann man sich vergleichsweise lange am Tannengrün erfreuen.
So wundert es nicht, dass die Nordmanntanne in deutschen Wohnzimmern mit 80 Prozent am weitesten verbreitet ist. Die stacheligere Blaufichte ist mit 9 bis 12 Euro pro Meter etwas günstiger. Die Rotfichte gilt als traditioneller Weihnachtsbaum, sie gibt es schon für 5 bis 7 Euro pro Meter.
Teurer als im letzten Jahr sind die Bäume übrigens nicht geworden. Das liegt auch an der Aufzuchtform: Weihnachtsbäume werden nicht im Wald geschlagen, sondern in Sonderkulturen speziell fürs Fest gezüchtet. Durch den Einsatz von Düngemitteln ist eine stabile Ernte gesichert. (cin)