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Fasching: Ein Schlachtruf ertönt

Fasching

Ein Schlachtruf ertönt

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    Ein Schlachtruf ertönt
    Ein Schlachtruf ertönt

    Landkreis Wenn kriegerische Stämme in den Kampf ziehen, dann feuern sie sich mit Schlachtrufen an. Schlachtrufe müssen möglichst kurz sein und man muss sie weithin hören können. Mehr als zwei Laute sind es in der Regel nicht, die von den Kämpfern todesmutig gerufen werden. Heute finden in Mitteleuropa keine kriegerischen Auseinandersetzungen mehr statt und wäre es der Fall, würden die Schlachtrufe nicht mehr gehört. Kämpfe werden heute in den Sportstadien ausgetragen. Boxer werden angefeuert, Fußballmannschaften noch häufiger. Um Stimmung geht es auch beim Fasching, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass hier Schlachtrufe ertönen.

    Seit das Fernsehen „Mainz wie es singt und lacht“ übertragen hat, gibt es auch in Franken und Schwaben Prinz und Prinzessin, Elferrat mit Präsident und auch die Garden dürfen nicht fehlen. Viele der Faschingshochburgen, die große Faschingsbälle und Faschingsumzüge veranstalten, haben ihre eigenen Schlachtrufe. Für die zentrale schwäbische Faschingsveranstaltung in Memmingen brauchte man natürlich einen gemeinsamen Nenner und damit auch einen schwäbisch einheitlichen Schlachtruf. Er lautet „Schwaben helau“. Man hat sich also nicht für das Kölner „alaaf“ entschieden sondern für das Mainzer „Helau“. „Au“ und „Aua“ ruft man in der Regel, wenn etwas wehtut. Beim „Au“ in dem Ruf „Helau“ beinhaltet es eher Schadenfreude. Was der Büttenredner vorträgt und der Bänkelsänger an Bosheiten von sich gibt, trifft in der Regel die anderen. Sie hätten Grund „Au“ oder „Aua“ zu rufen. Vor allem die Politiker müssen bei solchen Anlässen herhalten, aber keiner von ihnen ruft „Au“ oder „Aua“, sondern mit eisernem Lachen stimmen sie in den Schlachtruf ein: „Helau, Helau“. Die Sprachforscher haben erkannt, dass es bei dem Schlachtruf „Helau“ Forschungsbedarf gibt. Sie sind sich allerdings mit dem Ursprung dieses Stimmungsbeschleunigers nicht ganz einig. Ehemalige Ministranten tendieren seltsamerweise dazu, dass das Helau auf das Halleluja „Lobt Gott!“ zurückzuführen sei. Die zur Naturwissenschaft neigende Forschung glaubt einen alten Hirtenruf zu erkennen. Wenn der Hirt „Helau“ ruft, antworten die Schafe, Kühe und Rinder, die Ziegen und Gänse zwar nicht mit „Helau“, aber sie folgen seinem Ruf bedingungslos.

    „Hell“, die Göttin der Unterwelt

    Die zum Mythischen neigenden Forscher haben entdeckt, dass in Helau die germanische Göttin der Unterwelt „Hel“ sich versteckt. Unser Wort Hölle hängt mit dieser mythischen Hel zusammen. Man kann in diesem Zusammenhang Goethe zitieren: „Den Teufel spürt das Völklein nie, selbst wenn er es am Kragen hätte.“ Damit wird es auf einmal Ernst und der Spaß hört auf. Die Doppelbödigkeit des Faschings wird deutlich. Fasching kann vom frohen Helau umschlagen zu einem schmerzhaften Au. Der Schlachtruf endet dann in einem Klageruf. Das wollen wir aber niemand wünschen, deshalb sollte man auch im Fasching Anstand und Achtung bewahren. (gsch)

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