Dekan Bucher: Reform ist Antwort auf Notsituation. Ältere Menschen könnten den Flexibus benutzen, um zum Gottesdienst zu fahren. Weichenstellung „keine Böswilligkeit des Bischofs“ Von Peter Bauer

Landkreis/Breitenthal Die heftigen Diskussionen über die Pläne von Bischof Zdarsa zur Reform der Kirchenstruktur reißen nicht ab. Zahlreiche in der Kirche engagierte Laien kritisieren den Alleingang des Bischofs, die aus ihrer Sicht fehlende Diskussion über das Konzept. Dekan Klaus Bucher (Breitenthal) betont im MN-Interview, dass die Pläne des Bischofs keine Böswilligkeit, sondern die Antwort auf eine Notsituation seien. Werden die Pläne umgesetzt, gibt es auch in der Region Mittelschwaben drastische Veränderungen. Die bisherigen Dekanate Krumbach und Günzburg sollen laut Bucher zu einem Landkreisdekanat fusioniert werden. Für Krumbach befürwortet Bucher weiterhin zwei Seelsorgsbereiche.
Das Konzept für die „Raumplanung 2025“ der Diözese Augsburg sieht vor, dass die vorhandenen 36 Dekanate auf 22 reduziert werden. Wird das Dekanat Krumbach aufgelöst?
Klaus Bucher: Ja, es soll ein Dekanat Günzburg geschaffen werden, das mit den Landkreisgrenzen identisch ist. Dem Namen nach ist ein Dekanat ein Gebiet von etwa zehn Pfarreien. Die Planungen sehen für das Dekanat Krumbach sechs und für das Dekanat Günzburg sieben Pfarrbereiche vor. So ist es nur konsequent, auch die Dekanatsstrukturen anzugleichen.
In den städtischen Bereichen soll die Fusion von Pfarreien forciert werden, dabei sollen Tochterpfarreien zu Mutterpfarreien zurückkehren. Ist die Auflösung der Pfarrei Maria Hilf im Rahmen einer Fusion mit St. Michael zu erwarten? Und wird die große Kirche Maria Hilf weiter als Kirche genutzt?
Bucher: Die Diözese ist mit Blick auf die umliegenden Dörfer bereit, in Krumbach dieses Prinzip zu durchbrechen. Allerdings müssen die beiden Krumbacher Stadtpfarreien unter sich klären, wie sie zum Angebot der Diözesanleitung stehen. In jedem Fall ist und wird Maria Hilf auch in Zukunft ein katholisches Gotteshaus sein.
Krumbachs Bürgermeister Hubert Fischer setzt sich mit Nachdruck für zwei katholische Pfarrer in Krumbach ein, was aus seiner Sicht wohl nur gewährleistet ist, wenn es weiterhin zwei Pfarreiengemeinschaften gibt. Fischer verweist unter anderem auf die umfangreichen Aufgaben der Krumbacher Pfarrer mit Blick auf die Klinik, die Altenheime und die Schulen. Sind zwei katholische Pfarrer und zwei Pfarreiengemeinschaften für Krumbach aus Ihrer Sicht notwendig?
Bucher: Ich persönlich würde mit Blick auf die Krumbacher Strukturen und vor allem die Dörfer rund um Krumbach zwei Seelsorgsbereiche sehr begrüßen.
Bürgermeister Hubert Fischer kritisiert, dass Bischof Zdarsa bei der Reform zu wenig die Diskussion mit den Gläubigen suche. Wie sollte der Diskussionsprozess aus Ihrer Sicht gestaltet werden?
Bucher: Von Anfang an sind die Gremien der Pfarreien mit eingebunden worden. Die Diözesanleitung hat die Anliegen der einzelnen Pfarreien in einem neuen Vorschlag berücksichtigt. Es wird immer Unzufriedenheiten geben, denn am besten soll ja alles bleiben, wie es ist. Ich selber bin dem Bischof dankbar für seinen Mut, eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen, die nicht populär ist. Er hat jetzt die klare Richtung vorgegeben.
Die Pfarrgemeinderäte sollen durch Pastoralräte ersetzt werden, denen nicht mehr wie bisher ein Laienvertreter, sondern der Pfarrer vorsteht. Zudem scheint unklar, ob die Pastoralräte gewählt werden, wie bisher die Pfarrgemeinderäte. Helmut Mangold, Sprecher der Laien in der Diözese Augsburg kritisiert in einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung: „Dann haben wir noch weniger Mitwirkung und das gemeindliche Leben schläft ein.“ Wie bewerten Sie dies?
Bucher: Da weiß Herr Mangold mehr als ich, denn diese Fragen sind im Einzelnen noch nicht geklärt. Das Konzept der Diözese sieht die neuen Seelsorgsbereiche als eine Gemeinschaft von Gemeinschaften. Diese Gemeinschaft braucht ein Gremium, ob gewählt oder ernannt. Aber die einzelnen Gemeinschaften brauchen umso notwendiger feste Teams, die die Kirche im Dorf lebendig halten. Die Wahl hat sich dabei meistens bewährt. So lange Menschen die Kirche im Dorf wichtig ist, wird sie im Dorf bleiben.
Gottesdienste sollen an zentralen Orten stattfinden. Bekannt ist in diesem Zusammenhang aber, dass Gottesdienste von vielen älteren Menschen besucht werden. Ist ihnen die Fahrt an zentrale Orte zuzumuten?
Bucher: Da sag ich nur: Flexibus! Ich erlebe, dass gerade ältere Menschen auch in einen anderen Ort gehen, um die heilige Messe mitzufeiern. Wer weiß, was in der heiligen Messe geschieht, wird versuchen, sie unter allen Umständen mitzufeiern. Ist ein Sonderangebot bei Aldi mehr wert als eine Messe? Allerdings ist der Begriff „zentrale Eucharistiefeier“ missverständlich. Damit ist gemeint, dass verlässlich zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Ort der Pfarrgottesdienst gefeiert wird. Darüber hinaus soll auch in Zukunft die heilige Messe an anderen Orten gefeiert werden.
Zur Kirchenstruktur: Bislang betreuen im Dekanat Krumbach 12 Pfarrer 30 Pfarreien. Künftig sollen es sechs große Bereiche sein. Bleibt es bei diesem Konzept?
Bucher: So sieht es der Vorschlag der Diözese vor. Wir dürfen aber nicht nur über Strukturen reden. Die Weichenstellung 2025 ist ja keine Böswilligkeit des Bischofs. Sie ist die Antwort auf eine Notsituation. Der Kirche in unseren Breitengraden fehlt es an Kraft und Begeisterung. Und sie hat kein klares Selbstverständnis mehr. Wer fünf Katholiken, Priester nicht ausgenommen fragt: „Was ist die Kirche?“ wird fünf verschiedene Antworten bekommen. Aber schon das Wort „Kirche“ macht klar: Die Kirche ist nicht ein Sozialverein mit frommem Touch, die sich nach Gutdünken dem Mainstream anpassen kann. Das griechische Wort „kyriake“ heißt: „die dem Herrn gehört“. Sie ist nur dann Kirche, wenn sie sich vom Altar her aufbauen lässt. Kirche ist zuerst die Gemeinschaft mit Christus im Altarsakrament. Erst daraus wächst die Kirche als soziale Gemeinschaft.
Weitere Details zur Kirchenstruktur: Unklar war zuletzt, wo Mindelzell und Ursberg angegliedert werden. Werden Wiesenbach und Wattenweiler mit der Pfarreiengemeinschaft Breitenthal zusammengelegt?
Bucher: Wiesenbach wird aufgrund seiner sonstigen Bindungen sicher die Günztalgemeinden erweitern. Die anderen Zugehörigkeiten sind momentan noch offen.
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