Samstag, 25. Mai 2013

02. Mai 2012 16:20 Uhr

Augenblinzeln und unkontrollierte Gesichtsbewegungen

Mit den Problemen nicht alleine bleiben

Tourette-Selbsthilfegruppe feiert zehnjähriges Bestehen Von Nina Merkle

„Zeitweilig habe ich darüber nachgedacht, ob ich selbst bei der Erziehung etwas falsch gemacht habe“, sagt Anni Hörmann
Foto: Nina Merkle

Landkreis/Glött Augenblinzeln oder auch Gesichtsbewegungen und keine Kontrolle darüber. Ständiges Räuspern, Geräusche oder Wörter, die nicht unterdrückt werden können – das Tourette-Syndrom hat viele Facetten. Seit nunmehr zehn Jahren engagiert sich Anni Hörmann aus Glött (Kreis Dillingen) für Menschen mit diesem Syndrom im süddeutschen Raum. Das zehnjährige Bestehen der Tourette-Selbsthilfegruppe Ulm/Augsburg, bei der auch Betroffene aus dem Landkreis Günzburg Rat und Hilfe suchen, wird in Dillingen gefeiert.

Anni Hörmann hat selbst einen langen Leidensweg hinter sich. Jahrelang wurde sie mit Tochter Andrea von Arzt zu Arzt geschickt. Niemand konnte sich die Ängste, Zwänge und vokalen Tics des Kindes erklären. „Zeitweilig habe ich darüber nachgedacht, ob ich selbst bei der Erziehung etwas falsch gemacht habe“, erzählt die Gründerin der Gruppe. Erst nach ungefähr fünf Jahren Leidensweg wurde das Tourette-Syndrom bei ihrer Tochter diagnostiziert. Damals war die Krankheit in Deutschland noch nicht sehr bekannt. Ungefähr 40000 Menschen sollen in der Bundesrepublik unter dem Syndrom leiden. „Aber so genau weiß das keiner“, sagt die 50-Jährige.

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Nach der Diagnose wollte Anni Hörmann ihrer Tochter nicht so einfach die verschriebenen Medikamente geben. Sie wollte wissen, wie die Präparate wirken und welche Erfahrungen andere Betroffenen damit gemacht haben. „Es gab in unserer Gegend keine Selbsthilfegruppe, also musste ich mich selbst darum kümmern und eine gründen“, erinnert sie sich.

Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Menschen mit Tourette-Syndrom von Augsburg und Rain bis aus Dinkelsbühl und dem Allgäu nach Dillingen zu den Treffen. Inzwischen sind es 20 Betroffene und ihre Familien, die sich gegenseitig austauschen und ihre Erfahrungen an neue oder jüngere Teilnehmer weitergeben können. „Wenn jemand aus der Gruppe von seinen Erlebnissen mit dem Syndrom erzählt, hat man immer einen kleinen Film aus seinem eigenen Leben vor Augen“, sagt Hörmann. Auch unangenehme Situationen werden offen geschildert. „Hier versteht das jeder und häufig können wir sogar darüber lachen. Das befreit ungemein.“.

Jeder Mensch mit Tourette-Syndrom geht anders mit seinen Tics um. Auch diese Erfahrung hat Anni Hörmann über die Jahre hinweg gemacht. Manche entscheiden sich für Medikamente, um die Tics abzuschwächen, andere leben damit. Hörmann ist es besonders wichtig, dass auch Lehrer über das Thema informiert werden. Denn oft wissen sie nicht, was die Tics zu bedeuten haben und wie sie im Unterricht damit umgehen sollen.

Die Tourette-Selbsthilfegruppe lädt am Samstag, 5. Mai, um 19 Uhr in den Sparkassensaal in Dillingen ein. Es wird rund um das Thema Tourette informiert. Unter anderem spricht Professorin Andrea Ludolf von der Universität Ulm. Zudem spielt die Musikgruppe Trio Prosecco.

Weitere Infos zum Tourette-Syndrom gibt es in unserem Link.

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