Mit Rezniceks „Ritter Blaubart“ ist dem Theater Augsburg eine beachtenswerte Ausgrabung geglückt. Für einen Schreckensmoment sorgte ein Schwächeanfall Kaftans. Von Stefan Dosch

Zehn Minuten vor dem Ende der Aufführung der große Schreck: Augsburgs Generalmusikdirektor Dirk Kaftan stürzte am Freitag Abend bei der Premiere von Emil Nikolaus von Rezniceks Oper „Ritter Blaubart“ im Orchestergraben des Theaters Augsburg vom Dirigentenpodest – ein Schwächeanfall. Sänger auf der Bühne und Orchester stoppten sofort, das Publikum wurde aus dem Saal gebeten. Nach zwanzig Minuten wurde die Aufführung zu Ende geführt, wie es hieß, auf Wunsch des zwischenzeitlich aus seiner Ohnmacht wieder zu Bewusstsein gelangten Kaftan. Dessen Assistent Luigi Samuele Sgambaro übernahm die musikalische Leitung des Schlusses der Oper.
Mit Rezniceks „Ritter Blaubart“ ist dem Theater Augsburg eine beachtenswerte Ausgrabung geglückt – seit 80 Jahren war das Werk nicht mehr in einer szenischen Aufführung zu erleben gewesen. Die 1917 entstandene Oper atmet musikalisch den Geist der Spätromantik, Bezüge zu Wagner sind in dem opulent instrumentierten „Blaubart“ nicht zu überhören. Die Entdeckung wert ist die Oper auch wegen des Librettos von Werner Eulenberg, der in die alte Geschichte von Blaubart, der eine Ehefrau nach der anderen tötet, ein psychologisch stimmiges Motivationsgerüst einzieht.
Manfred Weiß schlägt in seiner Inszenierung den Bogen zu den Anfängen des Kinos. Eine riesige, die Burg Blaubarts symbolisierende Filmrolle bildet das Zentrum des Bühnenbilds, auf einer Leinwand laufen immer wieder schwarzweiße Filmprojektionen im Stil der expressionistischen Filmkunst eines Fritz Lang ab. Weiß' Inszenierung bietet etliches fürs Auge, langt über das Erzählen der Handlung jedoch kaum hinaus.



Bassbariton Stephen Owen verfügt über genügend Schwärze des Stimmklangs, um das Dämonische der Titelfigur dieser Oper mit sängerischen Mitteln eindrucksvoll zu transportieren. In tieferen Lagen von genügend Fülle, um sich gegen die Massivität des Orchesters zu behaupten, bereitet ihm die Höhe doch gelegentlich Mühe. Auch Mark Bowman-Hester hat als blinder Diner Josua vor allem am Ende der Oper Substanzprobleme. Sopranistin Sally du Randt liefert mit der Partie der Judith, die ein weiteres Opfer Blaubarts wird, vokal und darstellerisch wieder einmal ein überzeugendes Rollenporträt ab, selbiges gilt für ihre Kollegin (und Bühnenschwester) Katharina von Bülow als Agnes.
Dirk Kaftan dirigierte bis zu seinem Schwächeanfall mit merklicher Lust am Herausarbeiten der klanglichen Valeurs des Orchestersatzes, war auch stets und erfolgreich um Durchlichtung des Klangbilds bemüht. Bewundernswert, wie in den Schlussminuten das Orchester und der eingesprungene Luigi Samuele Sgambaro die Unterbrechung wegsteckten.
Am Ende für Sänger und Regieteam respektvoller Applaus – der sich noch verstärkte, als Dirk Kaftan Hand in Hand mit Luigi Samuele Sgambaro wieder die Bühne betrat. Wie es nach der Vorstellung hieß, war der Schwächeanfall offensichtlich durch eine Virusinfektion verursacht worden.
Weitere Vorstellungen: 6., 8., 10. Mai, jeweils um 19.30 Uhr im Großen Haus
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