Gegen einen Mönch des Klosters St. Ottilien liegt ein Missbrauchsvorwurf vor. Laut dem Kloster gibt es einen entsprechenden anonymen Hinweis. Von Stephanie Millonig

Gegen einen Mönch des Klosters St. Ottilien liegt ein Missbrauchsvorwurf vor. Das Kloster informierte gestern in einer Pressemitteilung, dass es einen anonymen Hinweis über missbräuchliche Handlungen in den 1960er und 70er Jahren im damaligen Seminar gebe.
"Die Erzabtei St. Ottilien hat als Sofortmaßnahme den Mitbruder von seinen derzeitigen Aufgaben entbunden und die Diözesanleitung in Augsburg informiert", heißt es in der Mitteilung. Die Vorwürfe würden von externen Psychologen und Juristen gemäß den Leitlinien der Deutschen Ordensoberkonferenz geprüft.
Erzabt Jeremias Schröder hatte noch am Dienstag in einem Interview erläutert, dass im Zusammenhang mit dem Öffentlichwerden von Missbrauchsfällen an kirchlichen Einrichtungen auch in St. Ottilien in den vergangen Wochen recherchiert und in Archiven geforscht worden sei. Bis Mittwoch hatte man im Kloster keine Erkenntnisse über nicht bekannte Missbrauchsfälle.
"Nach übereinstimmender Äußerung ehemaliger Schüler wurde schon früher von der Klosterleitung bereits auf einen Verdacht hin rigoros reagiert", sagte Schröder am Dienstag. So sei in den 60er Jahren ein Klosterangehöriger noch während des laufenden Schuljahres sofort aus der Betreuung der Schüler abgezogen worden. Er habe daraufhin das Kloster und die Ordensgemeinschaft verlassen.
Nicht im Schulbereich tätig
Laut dem Pressesprecher der Erzabtei, Martin Wind, sei der jetzt beschuldigte Mönch seit Jahren nicht mehr im schulischen Bereich tätig. Da das Kloster keine Namen von Opfern kenne, falle es seinen Angaben nach schwer, die Fakten zu recherchieren. Das Kloster bietet Ansprechpartner an, bei denen sich mögliche Zeugen melden können. "Es soll nichts unter den Tisch gekehrt werden", so Wind. Früher seien am Seminar Priester und Klosteranwärter gymnasial gebildet worden, so Wind.
Heute gehört das Rhabanus-Maurus-Gymnasium zum Schulwerk der Diözese Augsburg. Internat und Tagesheim sind weiterhin in der Trägerschaft des Klosters, Mönche sind auch als Lehrer tätig. Kloster und Schule sind nach Winds Informationen bisher noch nicht mit besorgten Elternanfragen konfrontiert. "Ich glaube, dass hier ein relativ großes Vertrauen herrscht, dass die Schule mit dem Thema angemessen umgeht." Das Kloster verweist auf zwei neutrale externe Ansprechpartner. "Beide nehmen Hinweise vertraulich entgegen", so Wind. Schüler könnten sich auch an die Vertrauenslehrer, an den Schulpsychologen sowie an die Schulleitung wenden.
Auch an die Diözese Augsburg haben sich noch keine besorgten Eltern gewandt. "Der Orden hat weiterhin die pädagogische Verantwortung für die Schule", erläutert Öffentlichkeitsreferent Dr. Dirk-Hermann Voß. Das Schulwerk als Verbund von katholischen Schulen unterstütze diese fachlich und auch im baulichen Bereich, die Personalhoheit über die Ordenspriester liege jedoch bei den Benediktinern.
Kirchenrechtlich unabhängig
Voß verweist auf die Äußerungen von Bischof Walter Mixa am 16. Februar in unserer Zeitung zum Thema Missbrauch: "Der Bischof hat sich sehr deutlich geäußert und von abscheulichen Verbrechen gesprochen." Das Bistum erwarte, dass der Orden rückhaltlos Aufklärung betreibe, der Orden unterliege jedoch nicht der Kontrolle der verfassten Kirche, so Voß über die kirchenrechtliche Unabhängigkeit der Orden. »Kommentar
Ansprechpartner Die Therapeutin Elisabeth Hürter ist in München unter Telefon 089/797971 und Pater Matthias Wetzel in der Erzabtei unter Telefon: 08193/71225 erreichbar.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: