Die Reise der Kanzlerin nach China ist ein großes Schauspiel – und Angela Merkel muss gleich mehrere Rollen beherrschen. In der Hauptrolle erleben wir sie als er Handlungsreisende in Sachen Euro. Fast wie eine Investmentbankerin bewirbt Merkel den neuen Rettungsschirm als vermeintlich sichere und lohnende Geldanlage für das Reich der Mitte.
Doch der billionenschwere Kunde lässt die Kanzlerin deutlich spüren, dass er am längeren Hebel sitzt. Vorbei sind die Zeiten, in denen deutsche Regierungschefs als Aufbauhelfer nach Peking reisten. Nun stellt China die Bedingungen.
Und so versucht Anlageberaterin Merkel den potenziellen Geldgeber von den Vorzügen eines Investments in ein Europa zu überzeugen, das zwar nur noch bedingt kreditwürdig ist, aber doch der wichtigste Handelspartner Chinas bleibt. Merkels wichtigster Trumpf: Die neue Wirtschaftsweltmacht hat kein Interesse daran, den Euro scheitern zu lassen. Doch die Herren in Peking wissen um ihre komfortable Verhandlungsposition. Sie führen jetzt Regie. Sie schreiben das Drehbuch. Für den Part der Kanzlerin als Mahnerin für Menschenrechte haben sie darin höchstens eine Nebenrolle vorgesehen.