Die Lösung kann nicht darin liegen, dass Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit senkt. Die EU-Länder im Süden müssen sie vielmehr erhöhen.

Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren klug verhalten. Die Firmen haben angesichts des internationalen Wettbewerbs in moderne Maschinen investiert, Arbeitgeber und Gewerkschaften durch gemäßigte Tarifabschlüsse die Beschäftigung gesichert. Wenn heute die Produktivität hoch ist und die Lohnstückkosten niedrig, dann fährt die Bundesrepublik die Ernte mühsamer Reformen ein.
Fatal ist, dass es derweil in vielen anderen EU-Ländern wirtschaftlich kracht. In ihrer Zeit als französische Finanzministerin hat die heutige IWF-Chefin Christine Lagarde die Schuld gar bei Deutschland selbst gesucht: Sie warf den Deutschen vor, sich auf Kosten der anderen Länder gesundzustoßen. Lagardes Kritik lief ins Leere: Die Lösung kann nicht darin liegen, dass Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit senkt. Die Länder im Süden müssen sie vielmehr erhöhen.
Trotzdem zeigen die Zahlen über die gute Produktivität eines: dass es aktuell in Deutschland vertretbar ist, die Arbeitnehmer am Erfolg der Betriebe teilhaben zu lassen. Ein kluger Lohnabschluss gleicht die Inflation aus und beteiligt die Beschäftigten am Produktivitätsfortschritt. Dies sollten die anstehenden Tarifverhandlungen leisten.
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